Astronomie Monster-Magnet stellt Theorie der Schwarzen Löcher in Frage

Besonders massereiche Sterne kollabieren am Ende ihres Lebens zu einem Schwarzen Loch - eigentlich. Doch nun haben Astronomen eine Beobachtung gemacht, die dieser Annahme eklatant widerspricht.

Magnetar (grafische Darstellung): Wie entsteht ein Schwarzes Loch?
ESO

Magnetar (grafische Darstellung): Wie entsteht ein Schwarzes Loch?


Garching - Neutronensterne sind Ausnahmeerscheinungen im All: Mit einem Durchmesser von 10 bis 20 Kilometern und dem bis zu Dreifachen der Masse unserer Sonne drehen sich die Sternenleichen extrem schnell um ihre eigene Achse. Ungefähr ein Zehntel dieser wundersamen Himmelskörper ist allerdings noch exotischer - die sogenannten Magnetare haben ein um den Faktor 1000 stärkeres Magnetfeld. Es ist damit rund eine Billiarde Mal mal stärker als das der Erde - das ist eine Eins mit 15 Nullen.

Und genau solch ein kosmischer Supermagnet verblüfft nun die Astronomen: Die Sternenleiche muss von einer Riesensonne stammen, die eigentlich zu einem Schwarzen Loch hätte zusammenstürzen sollen. Die Beobachtung kollidiert mit der gängigen Vorstellung, wie Schwarze Löcher entstehen, schreiben die Forscher um Ben Ritchie von der britischen Open University in Milton Keynes im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics".

Die Astronomen hatten mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (Eso) in den chilenischen Anden den 16.000 Lichtjahre entfernten Supersternhaufen Westerlund 1 im Sternbild Altar am Südhimmel untersucht. Dort gibt es neben Hunderten Riesensonnen auch einen Magnetar - einen von nur wenigen bekannten in unserer Milchstraße.

Ritchie und seine Kollegen wollten wissen, wie massereich der Vorläuferstern des Westerlund-1-Magnetars war. Dabei ließen sie sich von folgendem Gedanken leiten: Sterne brennen umso schneller aus, je mehr Masse sie besitzen. Da die Riesensonnen des Supersternhaufens alle vor dreieinhalb bis fünf Millionen Jahren entstanden sind, muss der Magnetar-Vorläufer mehr Masse besessen haben als die derzeit dort noch leuchtenden Sterne.

Nach den Schätzungen der Astronomen war der Vorläufer mindestens 35- bis 40-mal so massereich wie unsere Sonne. Sterne mit mehr als 25 Sonnenmassen sollten jedoch nach der gängigen Vorstellung am Ende ihrer Existenz zu einem Schwarzen Loch zusammenstürzen. Der Magnetar-Vorläufer muss daher auf irgendeine Weise rund 90 Prozent seiner Masse verloren haben, noch bevor er als Supernova explodiert ist.

Das aber ist nur schwer mit den etablierten Modellen der Sternentwicklung zu erklären. "Es stellt sich daher die schwierige Frage, wie viel Masse ein Stern überhaupt haben muss, um schließlich zu einem Schwarzen Loch zusammenzustürzen, wenn dies nicht einmal Sternen mit mehr als 40 Sonnenmassen gelingt", sagt Co-Autor Norbert Langer von der Universität Bonn.

chs/dpa



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