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Astronomie: Sonne zerfetzt Asteroiden

Zeichnung eines vor dem Zerfall stehenden Asteroiden: Kritische Annäherung Zur Großansicht
Lauri Voutilainen

Zeichnung eines vor dem Zerfall stehenden Asteroiden: Kritische Annäherung

Warum schweben nahe der Sonne so wenig Asteroiden? Offenbar zerbrechen sie in der Nähe des Gestirns. Die Entdeckung könnte viele Sternschnuppen erklären.

Die Sonne zerreißt Asteroiden, die ihr zu nahe kommen. Das schließen Astronomen aus der beobachteten Verteilung der Himmelskörper.

Bislang hatten Forscher angenommen, dass nur eine direkte Kollision mit der Sonne einen Asteroiden zerstören könne, berichten Forscher um Mikael Granvik von der Universität Helsinki im Wissenschaftsblatt "Nature" schreiben.

Die Astronomen haben nach eigenen Angaben das bislang beste Modell der Population erdnaher Objekte aufgestellt. Sie nutzten dazu rund 100.000 Aufnahmen aus acht Jahren der Catalina-Himmelsdurchmusterung im US-Staat Arizona.

Auf den Bildern ließen sich nahezu 9000 erdnahe Asteroiden und Kometen identifizieren - sie nähern sich der Sonne auf ihrer Umlaufbahn auf weniger als das 1,3-fache des mittleren Abstands der Erde vom Zentralgestirn, der 150 Millionen Kilometer beträgt.

Mit Hilfe detaillierter Analysen bestimmten die Forscher, welche Objekte die Himmelsdurchmusterung überhaupt finden kann und welche ihr entgehen. So rechneten sie von den identifizierten Objekten auf die tatsächliche Anzahl hoch.

Näher als zehn Sonnendurchmesser wird es kritisch

Das resultierende Modell sagt allerdings zehn Mal so viele Objekte auf sonnennahen Umlaufbahnen voraus wie beobachtet. Die Forscher überprüften alle Details ihres Modells, konnten aber keinen Fehler finden. Sie schließen daraus, dass sonnennahe Asteroiden schneller zerstört werden als gedacht.

Sie zerbrechen demnach bereits, wenn sie zu viel Zeit näher als zehn Sonnendurchmesser bei unserem Stern verbringen. Der Durchmesser des Zentralgestirns beträgt 1,4 Millionen Kilometer und entspricht etwa der 3,6-fachen mittleren Entfernung der Erde zum Mond.

"Die Entdeckung, dass Asteroiden auseinanderbrechen müssen, wenn sie der Sonne zu nahe kommen, war überraschend und der Grund dafür, dass wir so viel Zeit darauf verwendet haben, unsere Berechnungen zu verifizieren", betont Teammitglied Robert Jedicke von der University of Hawaii.

Das Sternschnuppen-Rätsel

Das neue Modell passt gut zu anderen Beobachtungen. So haben Astronomen den meisten Meteorströmen, die Sternschnuppen erzeugen, in unserem Sonnensystem bislang keinen Ursprungskörper zuordnen können. Vielleicht sei dies gar nicht möglich, da zahlreiche Meteorströme die Überreste vollständig zerborstener Asteroiden sein könnten, argumentieren die Forscher.

Das Modell sagt außerdem vorher, dass dunkle Asteroiden in größerem Abstand von der Sonne zerstört werden als helle. Das passe zu der Beobachtung, dass sich unter den sonnennahen Asteroiden auffällig viele helle befinden.

Die Ursache für die unterschiedlich schnelle Zerstörung heller und dunkler Asteroiden könne darin liegen, dass sich deren innere Zusammensetzung unterscheide, meinen die Forscher.

"Das vielleicht verblüffendste Ergebnis dieser Studie ist, dass es jetzt möglich erscheint, Modelle des inneren Aufbaus von Asteroiden zu testen, indem man einfach deren Bahnen und Größen verfolgt", sagt Granvik.

Till Mundzeck, dpa/boj

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