Astronomie Sonnensystem nur eines von vielen

Die Hoffnungen, im All eine zweite Erde zu finden, sind erneut gewachsen. Wissenschaftler haben jetzt nach eigenen Angaben den Beweis dafür gefunden, dass Planetensysteme wie das unsere im All nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.


Proplyden (Zeichnung): Schnell drehende Sterne mit Staubscheiben
David Aguilar, CfA

Proplyden (Zeichnung): Schnell drehende Sterne mit Staubscheiben

Mehr als 120 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems haben Wissenschaftler bisher entdeckt, doch handelt es sich meist um Kolosse von der Art des Jupiters: gewaltige, glühend heiße Gasriesen, auf denen kein Leben möglich ist. Steinerne Himmelskörper wie der kürzlich entdeckte Winzling, der den Stern Gliese 876 umkreist, sind mit der aktuellen Technik kaum zu entdeckten. Unklar ist deshalb noch immer, wie häufig Sonnensysteme wie das unsere vorkommen - Planetensysteme, die neben Gasriesen auch kleinere, womöglich erdähnliche Objekte besitzen.

Doch diese Frage ist nun beantwortet, glauben Forscher aus den USA: Ein Team um Jonathan Williams von der University of Hawaii hat nach eigenen Angaben "erstmals bestätigt", dass Planetensysteme wie das unsere keine Ausnahmen sind, sondern im Universum praktisch an jeder Ecke zu finden sein sollten. Das hätten Beobachtungen junger Sterne im Orion-Nebel ergeben.

Staubscheiben im Sturm

In den frühen neunziger Jahren hat das Hubble-Weltraumteleskop im Orion-Nebel sogenannte Proplyden entdeckt - junge Sterne, die von Staubscheiben umgeben sind. Solche protoplanetaren Scheiben, so glauben Astronomen, verklumpen im Laufe der Jahrmillionen zu immer größeren Brocken und bilden schließlich Planeten.

Die entscheidende Frage ist, wie viele der Staubscheiben sich lange genug halten können, um Planeten hervorzubringen. Denn ihre Umgebung ist alles andere als friedlich: In Sternentstehungsgebieten können die solaren Teilchenstürme über drei Millionen Stundenkilometer und 10.000 Grad Celsius erreichen. Die Proplyden im Orion-Nebel etwa werden von einernahe gelegenen Formation von mehr als 1000 jungen, heißen Sternen gezaust.

Hubble-Bilder von protoplanetaren Scheiben im Orion-Nebel: Masse erst jetzt gemessen
M. McCaughrean (Max Planck Institute for Astronomy), C.R. O'Dell (Rice University), NASA

Hubble-Bilder von protoplanetaren Scheiben im Orion-Nebel: Masse erst jetzt gemessen

Staub und Gesteinsbrocken könnten unter diesen Umständen einfach ins All gepustet werden, bevor Planeten entstehen, so die bisherige Annahme. Doch diese Sorge ist unbegründet, wie Williams und seine Kollegen betonen. Sie haben die Proplyden mit dem Submillimeter-Array (SMA) auf dem Vulkan Mauna Kea beobachtet - das einzige Teleskop, das die Masse und Ausdehnung der Staubscheiben messen kann.

Das Ergebnis: Die Scheiben sind durchaus in der Lage, ihrer rauen Umgebung zu trotzen. Sie enthalten ausreichend Material für stabile Planetensysteme, schreiben die Forscher in einem Artikel, der demnächst im "Astrophysical Journal" erscheinen soll. Einige der Scheiben seien in Masse und Größe mit unserem Sonnensystem vergleichbar. Da die meisten Sterne, die unserer Sonne ähneln, in Umgebungen wie dem Orion-Nebel entstünden, sollten auch Planetensysteme wie das unsere häufig vorkommen.

"Der gleiche Kreislauf von Geburt, Leben und Tod, den wir auf der Erde erleben, wiederholt sich in den Sternen", sagte David Wilner vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. "Das SMA gibt uns einen Platz in der ersten Reihe bei der Entschlüsselung dieser kosmischen Ereignisse."



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