Astronomischer Glückstreffer Studenten entdecken Supernova per Zufall

Seit 25 Jahren war uns keine Sternenexplosion so nah, und doch hätten Astronomen diese Supernova fast übersehen. Automatische Suchprogramme waren mit der enormen Helligkeit des Phänomens überfordert. Doch dann entdeckten Studenten das Inferno beim Pizzaessen.

NASA/ ESA/ Hubble

Es ist der perfekte Moment, um das Teleskop aus dem Wandschrank zu holen oder das alte Fernglas zu entstauben. Denn auch Hobbyastronomen können in den kommenden Tagen erspähen, was britische Studenten in einer praktischen Übung zufällig entdeckt haben.

Die Schüler des University College London (UCL) konnten am Anfang der Woche eine Supernova in der sogenannten Zigarrengalaxie (Messier 82) ausmachen. Sie wäre den professionellen Forschern beinahe entgangen: Die Sternenexplosion war zu hell, automatische Überwachungsprogamme hielten sie teilweise für eine störende Lichtquelle. Nun bestätigt allerdings auch die International Astronomical Union (IAU) den Fund der wohl nächstgelegenen Supernova seit über 25 Jahren.

Die Studenten Ben Cooke, Tony Brown, Matthew Wilde und Guy Pollack waren am Dienstag von Dozent Steve Fossey im Gebrauch des großen Uni-Teleskops am UCL unterwiesen worden. Sie sollten lernen, wie sich die angeschlossene Kamera bedienen lässt. Dabei wählten sie als Übungsobjekt "Messier 82" aus. Eine Unregelmäßigkeit in der Galaxie im Sternbild Großer Bär fiel der Gruppe sofort auf. Also begannen die Studenten, die Helligkeitsveränderung genauer zu beobachten.

Supernova beim Pizzaessen

Erst nach Bestätigung durch ein anderes Teleskop schickten sie eine Meldung an die IAE. Messungen zeigten nun, dass es sich um eine Typ-Ia-Supernova handelt, einen Vertreter der hellsten Gruppe von Sternenexplosionen. Forscher leiten von Spektralaufnahmen ab, dass sie in einem sogenannten Binären System entstanden ist. Dort zieht ein Stern des Typs Weißer Zwerg Materie von einem benachbarten Stern ab, bis er instabil wird und als Supernova explodiert.

Tom Wright, der als technischer Berater am UCL beschäftigt ist, beschreibt die absurde Situation: "Vor einer Minute aßen wir noch Pizza und fünf Minuten später halfen wir dabei, eine Supernova zu entdecken", sagt er. "Ich konnte es nicht glauben."

Wer also noch nie einen explodierenden Stern gesehen hat, kann dies in den nächsten Tagen bei freiem Himmel nachholen. In der Nähe des Großen Bären ist die Zigarrengalaxie mit der aktuellen Supernova auch für Hobbyastronomen ohne allzu große Erfahrung und schon mit einem Fernglas leicht zu finden (s. Fotostrecke oben).

Explosion in der astronomischen Nachbarschaft

Ein vergleichbar nahes Ereignis gab es das letzte Mal 1987, als in der Großen Magellanschen Wolke die Sternenexplosion 1987A in unserer direkten Umgebung entdeckt wurde. Sie war nur etwa 168.000 Lichtjahre entfernt.

Mit rund zwölf Millionen Lichtjahren gehört aber auch die Zigarrengalaxie nach astronomischen Maßstäben noch zu unserer Nachbarschaft. Wie Aufnahmen zeigen, soll die Supernova schon Mitte Januar aufgeleuchtet sein. Astronomen vermuten, dass das ohnehin schon helle Ereignis in den kommenden Tagen sogar noch strahlender am Himmel erscheinen könnte.

Die IAU bestätigte den Fund gegenüber SPIEGEL ONLINE. Generalsekretär Thierry Montmerle verwies darauf, dass "viele Teleskope auf der ganzen Welt jetzt gerade Messungen des Phänomens anstellen, darunter Lichtkurven und Spektralaufnahmen". Die Supernova erhielt bereits den offiziellen Namen SN 2014J, und Fossey und die Studentengruppe sind als ihre Erstentdecker eingetragen worden.

Für den beteiligten Studenten Ben Cooke ist seine Karriereplanung durch das aufregende Ereignis etwas klarer geworden, gab er zu - auch wenn ihn sein Fund in gewisser Weise enttäuscht: "Mein Karriereplan war, in der Astrophysik weiter zu forschen. Aber es ist schwer, solch einen Fund jemals zu toppen."

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
alexklaas 23.01.2014
1.
"Die Schüler des University College London (UCL)"??? Liebe Redaktion, verwendet ihr Google Translate oder wie ist so etwas zu erklären!!?
bardeaustinte 23.01.2014
2. Schlechte Karte
Nach der Karte im dritten Bild ist die Supernova m.E. nur schwer zu finden. Wikipedia hat eine viel übersichtlichere Variante: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ursa_Major_constellation_map.png M82 ist eingezeichnet und, wie aus dieser Karte hervorgeht (nicht aber bei SPON ersichtlich ist), genau in der Verlängerung von "Draco" oder in der verlängerten Diagonale des Großen Wagens zu finden. Google ist eben nicht dein Freund.
C. V. Neuves 23.01.2014
3.
Weiß jemand, wie groß die Chance ist, dass in unserer Galaxie so eine Supernova hochgeht und ob das weitere Konsequenzen hätte als nur etwas hellere Nächte für ein paar Wochen?
tobiasl 23.01.2014
4. @C.V. Neuves
Das hätte allerdings weitere Konsequenzen. Hier wird soviel Gammastrahlung frei, dass ein Leben auf der Erde danach nicht mehr möglich wäre. Allerdings müsste so etwas schon in relativ geringer Entfernung passieren. Es ist auch nicht so, dass eine Supernova aus dem Nichts kommt. So etwas kündigt sich lange vorher an. Sie können also beruhigt sein
Layer_8 23.01.2014
5. Ia
Zitat von sysopREUTERSSeit 25 Jahren war uns keine Sternenexplosion so nah, und doch hätten Astronomen diese Supernova fast übersehen. Automatische Suchprogramme waren mit der enormen Helligkeit des Phänomens überfordert. Doch dann entdeckten Studenten das Inferno beim Pizzaessen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/astronomie-studenten-entdecken-supernova-in-nachbarschaft-messier-82-a-945097.html
Ja, war gestern schon überall im Internet. Selten genug, dass Mensch zu Lebzeiten sowas gleich 2 mal mitbekommt, wenn 1987 mitzählt. Hier ist es halt so, dass das keine solche Supernova ist, wo man einen verstärkten Neutrinofluss misst, und als Endprodukt ein Neutronenstern oder schwarzes Loch übrigbleibt. Das hier war eine gigantische nukleare Explosion, welche den Stern ganz zerriss. Solche Supernovae eignen sich prima für kosmische Entfernungsbestimmungen, weil die Helligkeiten immer fast gleich sind. Wenn jetzt so nah, ist das wohl ein hervorragendes Ereignis um diese Messungen zu eichen.
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