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Astronomische Vorschau: Der Monat der Verfinsterungen

Eine Sonnenfinsternis, eine Mondfinsternis und ein Merkurtransit: Der Monat Mai ist reich an astronomischen Großereignissen. Für den Auftakt der Schattenspiele sorgt am Mittwoch der innerste Planet.

Soho-Aufnahme von Merkur (eingekreist) vor dem Transit: Seltene Mini-Verdunkelung
SOHO/ NASA/ ESA

Soho-Aufnahme von Merkur (eingekreist) vor dem Transit: Seltene Mini-Verdunkelung

Der Mai bietet professionellen Astronomen und Hobby-Himmelsguckern gleich drei Verfinsterungen hintereinander: eine kleine und eine ausgewachsene Sonnenbedeckung sowie eine Mondfinsternis. Den Anfang macht am frühen Mittwochmorgen der Planet Merkur, der aus Sicht der Erde vor dem Zentralgestirn vorbeizieht und dabei für eine Mini-Verdunkelung sorgt.

Dieser so genannte Transit des innersten Trabanten ereignet sich im Schnitt etwa ein Dutzend Mal pro Jahrhundert - zuletzt war ein solches Schauspiel vor rund 30 Jahren von Deutschland aus zu beobachten. Mit bloßem Auge ist die Planeten-Passage allerdings nicht zu erkennen, denn der kleine Merkur bedeckt gerade einmal ein 160stel der Sonnenscheibe.

Um das Ereignis, das um 7.13 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit mit dem ersten scheinbaren Kontakt von Merkur und Sonnenscheibe beginnt und um 12.32 Uhr endet, dennoch verfolgen zu können, wird ein speziell ausgerüstetes Teleskop benötigt. Auf keinen Fall sollte die Sonne direkt beobachtet werden, da schwere Augenschäden drohen.

Wer sicher gehen und zudem später aufstehen will, kann auch im Internet Zeuge des Merkurtransits werden: Auf den Echtzeitbildern des europäisch-amerikanischen Sonnenobservatoriums Soho ist der Planet bereits als Punkt zu erkennen, der sich auf das Gestirn zubewegt. Derzeit hat der Lasco-Koronograf Merkur im Visier, Mittwoch früh tritt der Trabant dann ins Blickfeld des EIT-Instruments. Aus Sicht des Weltraumteleskops beginnt der Transit um 9.50 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit und endet um 15.17 Uhr.

Dunkler Auftakt: Am Nachmittag des 4. Dezember kündigte sich im südaustralischen Ceduna die totale Sonnenfinsternis an Schlechte Aussichten: In der südafrikanischen Venda-Region, wo der Himmel bedeckt war, ließen sich die Schutzbrillen ebenso gut als Maske benutzen Schaulustige im Schatten: Zahlreiche Touristen warteten in der südaustralischen Stadt Lyndhurst auf 26 Sekunden völlige Finsternis
Vorsicht in der Schattenzone: Mitten im australischen Outback wiesen Schilder auf die erste totale Sonnenfinsternis seit mehr als einem Vierteljahrhundert hin Finstere Fortschritte: Nach und nach schob sich über dem australischen Ceduna der Mond vor die Sonne Sicher ist sicher: In der australischen Schattenzone schützten sich Finsternis-Pilgerer mit selbstgebastelten Spezialbrillen
Doppelte Dämmerung: Bei Koolymilka nördlich der australischen Stadt Woomera gingen Sonne und Mond gemeinsam unter Schattenjagd in Südafrika: Schaulustige im Krüger-Nationalpark ließen sich den Spaß an der Finsternis nicht von ein paar Wolken verderben Totale Finsternis: Eine knappe halbe Minute blieb die Sonne über der australischen Stadt Ceduna schwarz

Die letzte Sonnenfinsternis ereignete sich am 4. Dezember 2002 - allerdings war sie vor allem aus Südafrika und Australien zu beobachten. Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen

Weitere Live-Bilder des Schauspiels bieten die Europäische Südsternwarte und die Vereinigung der Sternfreunde auf ihren Internet-Seiten an. Der Merkurdurchgang bietet einen Vorgeschmack auf einen weit selteneren Transit, der im nächsten Jahr stattfinden wird: Am 8. Juni 2004 bietet sich erstmals seit 1882 die Gelegenheit, die Venus vor der Sonne vorbeiziehen zu sehen.

Planet Merkur: Umkreisung der Sonne in 88 Tagen
ESA

Planet Merkur: Umkreisung der Sonne in 88 Tagen

Beobachtungen von Merkur- und Venustransits wurden im 18. und 19. Jahrhundert genutzt, um die Distanz zu diesen Planeten und zur Sonne genau zu bestimmen. Solche Studien des innersten Trabanten, der das Gestirn einmal in 88 Tagen umkreist, lieferten später auch eine Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Den aktuellen Transit wollen die Soho-Betreiber nutzen, um die Instrumente des Sonnenteleskops zu kalibrieren.

Wem Transits zu kleinformatig ausfallen, der erhält in den Morgenstunden des 16. Mai Gelegenheit, eine Verfinsterung mit größeren Ausmaßen zu beobachten: Dann nämlich tritt der Mond in den Erdschatten ein. Die totale Verdunklung, bei welcher der Mond allerdings aufgrund von Streulicht aus der Erdatmosphäre eine tiefrote Färbung annimmt, ist von ganz Europa aus zu sehen. Falls das Wetter nicht mitspielt: Die nächste totale Mondfinsternis folgt bereits am 9. November.

Merkurtransit und Mondfinsternis sind jedoch nur das Vorspiel zum eigentlichen Großereignis: Am 31. Mai wird sich der Mond vor die Sonne schieben, es kommt zu einer Sonnenfinsternis. Von Mitteleuropa aus gesehen wird der Erdtrabant das Gestirn zu 75 bis 84 Prozent bedecken. In einen besonderen Genuss kommen Beobachter auf Island, wo ein ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen sein wird.

Im Gegensatz zum Merkurtransit lässt sich diese Verfinsterung zwar ohne Teleskop verfolgen, doch die Beobachtung ist nur mit speziellen Schutzbrillen ratsam - sie sind entweder bei Augenoptikern oder zum Beispiel über den Astronomie-Versand Astromedia erhältlich. Eine zweite Chance ergibt sich bereits am 23. November - allerdings ist diese Sonnenfinsternis nur von der südlichen Halbkugel aus sichtbar.

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