Astronomischer Rekord Ferner Stern hat gleich sechs Planeten

Erfolgreicher Planetenjäger: Das Weltraumteleskop "Kepler" hat rund 1000 Planeten in den Tiefen des Alls entdeckt - darunter ein System, in dem sechs Planeten einen Stern umkreisen. Die Entdeckungen stärken die Vermutung, dass es zahlreiche erdähnliche Planeten im Weltraum gibt.

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AP/ NASA

"Kepler" schwebt erst seit 2009 im All - aber das Teleskop hat schon in dieser kurzen Zeit erstaunliche Entdeckungen ermöglicht. Jetzt zieht die US- Weltraumbehörde Nasa eine beeindruckende Zwischenbilanz: "Kepler" habe Hinweise auf mehr als 1000 Exoplaneten gefunden. Noch seien sie nicht alle bestätigt worden - Forscher erwarteten aber, dass das bei rund 90 Prozent der Funde der Fall sein werde.

Das bedeute, dass Planeten in anderen Sonnensystemen wohl noch deutlich häufiger vorkommen, als bislang vermutet. Den gleichen Schluss legt eine weitere Entdeckung nahe, die mit Hilfe des Weltraumteleskops gelang: ein Stern, der von mindestens sechs Planeten umkreist wird. Der sonnenähnliche Feuerball namens "Kepler-11" ist rund 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Seine Planeten besitzen Massen vom 2,3- bis 13,5-fachen der Erde. Damit gehören sie zu den leichtesten, die bislang außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurden. "Das ist die bisher großartigste Entdeckung des 'Kepler'-Teleskops'", schwärmte Jack Lissauer vom Ames Research Center der Nasa, dessen Team das "Kepler-11"-System jetzt im Wissenschaftsmagazin "Nature" vorgestellt hat.

Fünf der sechs Planeten umkreisen den Stern demnach in weniger als 50 Tagen - und enger als Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems. Der sechste Planet zieht weiter außerhalb seine Bahn und umrundet den Stern alle 118 Tage einmal. "Die größten der sechs Planeten ähneln wahrscheinlich Neptun und Uranus, aber die drei leichtesten sind anders als alles, was wir aus unserem Sonnensystem kennen", erläuterte Jonathan Fortney, einer der Forscher. Leben dürfte es allerdings auf keinem der sechs Planeten geben.

Der Planetenjäger "Kepler" war auf das Sonnensystem gestoßen, weil die fernen Planeten von der Erde aus gesehen genau vor ihrem Heimatstern vorbeiziehen. Deren Zahl macht das System außergewöhnlich: In den meisten derzeit bekannten Fällen besitzt ein Stern nur einen Transitplaneten. Der bisherige Rekordhalter, "Kepler-9", besitzt drei von ihnen.

Die Transitplaneten bedecken ihren Stern beim Vorbeiziehen jeweils ein wenig, was zu winzigen, regelmäßigen Helligkeitsschwankungen des Sterns führt. Aus ihnen lässt sich der Durchmesser jedes Planeten bestimmen, aus der Zeit zwischen zwei gleichen Abschattungen die Umlaufzeit. Die fünf inneren Planeten des Systems befinden sich zudem so nahe beieinander, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Das führt zu leichten Abweichungen in der Umlaufzeit, woraus sich wiederum die Masse der inneren fünf Planeten berechnen lässt. Die Masse des äußeren, sechsten Planeten ist unbekannt.

Geringere Dichte als die Erde

Die inneren fünf Planeten haben alle eine geringere Dichte als die Erde. "Es sieht so aus, als könnten die innersten beiden hauptsächlich aus Wasser bestehen, mit einer dünnen Hülle aus Wasserstoff-Helium-Gas", erklärt Fortney. "Diejenigen weiter draußen haben eine geringere Dichte als Wasser, was auf größere Wasserstoff-Helium-Atmosphären hindeutet."

Vor allem ermöglicht die "Kepler"-Entdeckung wertvolle Einblicke in die Entstehung von Sonnensystemen. Denn wie bei unserem eigenen System kreisen die fernen Planeten alle in einer Ebene um ihren Stern. Das stützt die Vorstellung, dass Planeten in flachen Staubscheiben entstehen, die um junge Sterne kreisen.

Wirklich interessant ist das System aus zwei Gründen, wie Lisa Kaltenegger vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie erklärt. Zum einen befänden sich die Planetenbahnen noch immer in derselben Ebene - was bedeute, dass sie relativ ungestört in einer sehr ruhigen Umgebung entstehen konnten. "Sie wurden nicht chaotisch umhergestoßen und mussten keine extremen Wanderungen überleben", so die Forscherin. "Das sind großartige Neuigkeiten für die Suche nach bewohnbaren Planeten."

Zum anderen lege die Entdeckung eines solchen Multi-Transit-Systems den Verdacht nahe, dass solche Systeme sehr viel häufiger im All anzutreffen sind als zuvor berechnet. "Die Geometrie unseres Sonnensystems ist wohl doch nicht so einzigartig, wie manche Forscher glaubten", meint Kaltenegger. Sollte "Kepler" in einem anderen Multi-Transit-System einen erdähnlichen Planeten finden, "dann wissen wir mit Sicherheit, dass es viele davon gibt".

Mit Material von dpa und dapd

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insgesamt 105 Beiträge
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Kometenhafte_Knalltüte 02.02.2011
1. ...
"...Die Entdeckungen stärken die Vermutung, dass es erdähnliche Planeten im Weltraum gibt..." Warum eigentlich jedesmal der Hinweis darauf, das es nur eine Vermutung und definitiv nicht bewiesen ist, das es erdähnliche Planeten in anderen Systemen gibt? Erst erzählte man zaghaft, ja da gibt es mehr da draußen als unser Sonnensystem. Mittlerweile gestehen sich die meisten auch ein, nicht mehr an den Milliarden von Sternen/Sonnen zu zweifeln. Aber erdähnliche Planeten? Ohhh nein, Teufelswerk! Ist diese stets erwähnte Relativierung der Aussage dem ursprünglich christlich geprägten Weltbild geschuldet? Muss man sich dafür entschuldigen, nicht an die Einzigartigkeit der Erde zu glauben und entsprechende Beweise zu suchen? Ich meine, bei anderen wissentschaftlichen Erkenntnissen und Theorien wird doch auch nicht ständig betont, das es ja aber noch nicht bewiesen ist. Oder wird bei jeder Sonntagspredikt erwähnt, das ein Beweis für Gott noch aussteht, man also noch nicht allzuviel auf die Predigt seiner Worte geben soll.
paraxis 02.02.2011
2. hmm..
Zitat von Kometenhafte_Knalltüte"...Die Entdeckungen stärken die Vermutung, dass es erdähnliche Planeten im Weltraum gibt..." Warum eigentlich jedesmal der Hinweis darauf, das es nur eine Vermutung und definitiv nicht bewiesen ist, das es erdähnliche Planeten in anderen Systemen gibt? Erst erzählte man zaghaft, ja da gibt es mehr da draußen als unser Sonnensystem. Mittlerweile gestehen sich die meisten auch ein, nicht mehr an den Milliarden von Sternen/Sonnen zu zweifeln. Aber erdähnliche Planeten? Ohhh nein, Teufelswerk! Ist diese stets erwähnte Relativierung der Aussage dem ursprünglich christlich geprägten Weltbild geschuldet? Muss man sich dafür entschuldigen, nicht an die Einzigartigkeit der Erde zu glauben und entsprechende Beweise zu suchen? Ich meine, bei anderen wissentschaftlichen Erkenntnissen und Theorien wird doch auch nicht ständig betont, das es ja aber noch nicht bewiesen ist. Oder wird bei jeder Sonntagspredikt erwähnt, das ein Beweis für Gott noch aussteht, man also noch nicht allzuviel auf die Predigt seiner Worte geben soll.
Vielleicht spielt da auch die Stigmatisierung eine Rolle, die man häufig beobachten kann, wenn sich positiv zur Einschätzung von ausserirdischem Leben geäußert wird. Meiner Meinung nach bewegt man sich in unserer Gesellschaft da auf sehr dünnem Eis. Man ist hier oft entweder "realistisch" oder hat eine Aluminiumfolie auf dem Kopf und flüchtet vor der Regierung (überspitzt ausgedrückt) Vielleicht rührt daher ja die besondere Vorsicht...das ständige betonen der Objektivität usw.
rotakiwi, 02.02.2011
3. Verifikation als Maßstab
Obwohl mir in der Theorie Karl Popper näher liegt, muss in der Praxis die Anzahl der Behauptungen beschränkt werden, damit der menschliche Informationsfluss und der Wissenschaftsbetrieb funktioniert. Deshalb ja: solange etwas nicht bewiesen ist, muss es "klein gehalten" werden. Ich für mich bin sicher, dass es erdähnliche Planeten gibt, und auch, dass es irgendwo Leben außerhalb unseres Sonnensystems gibt - und das nicht nur in Form von inaktiven Mikroben in den Ritzen und Rillen von Voyager 2. *Achja für die Theisten: wenn Eurer Meinung nach die Erde das einzige Leben beherbergen soll, beleidigt ihr Gott/Allah.*
albert schulz 02.02.2011
4. erdähnlich ?
Von den 753 erdähnlichen Planeten, die der Spiegel jede Woche vermeldet, war bislang noch keiner erdähnlich. Regelmäßig sind es irgendwelche Gesteinstrümmer oder Gaswolken. Daß andere Sonnen, vielleicht alle, irgendwelche Planeten haben ist wahrscheinlich. Daß irgendeiner auch nur halbwegs erdähnlich wäre hingegen ein Wunder. Vielleicht könnte man sich bei "erdähnlich" ja darauf einigen, daß der Planet so etwas wie eine Atmosphäre hat oder zum wenigsten Wasserstoff vorhanden ist. Das dürfte sich bei den Entfernungen aber gar nicht feststellen lassen. Also kann man auch das Trompeten einstellen. Daß auf irgendwelchen Phantasilliarden von Planeten Leben existieren könne ist als phantastisch unwahrscheinlich vor langer Zeit berechnet worden, geschweige denn ähnliche Verhältnisse wie auf Erden. Es müßten nämlich Phantasilliarden von Bedingungen erdähnlich sein. Und hinkommen würden wir wohl auch nicht. Auch das steht definitiv fest.
WolArn 02.02.2011
5. Aliens = Menschen
Zitat von Kometenhafte_Knalltüte"...Die Entdeckungen stärken die Vermutung, dass es erdähnliche Planeten im Weltraum gibt..." Warum eigentlich jedesmal der Hinweis darauf, das es nur eine Vermutung und definitiv nicht bewiesen ist, das es erdähnliche Planeten in anderen Systemen gibt? Erst erzählte man zaghaft, ja da gibt es mehr da draußen als unser Sonnensystem. Mittlerweile gestehen sich die meisten auch ein, nicht mehr an den Milliarden von Sternen/Sonnen zu zweifeln. Aber erdähnliche Planeten? Ohhh nein, Teufelswerk! Ist diese stets erwähnte Relativierung der Aussage dem ursprünglich christlich geprägten Weltbild geschuldet? Muss man sich dafür entschuldigen, nicht an die Einzigartigkeit der Erde zu glauben und entsprechende Beweise zu suchen? Ich meine, bei anderen wissentschaftlichen Erkenntnissen und Theorien wird doch auch nicht ständig betont, das es ja aber noch nicht bewiesen ist. Oder wird bei jeder Sonntagspredikt erwähnt, das ein Beweis für Gott noch aussteht, man also noch nicht allzuviel auf die Predigt seiner Worte geben soll.
Nach meinen christl. Erkenntnissen ist das gesamte Universum von Aliens bewohnt, die wie wir Menschen aussehen, eben weil Gott auch diese nach seinem Bilde erschaffen hat. Einzigartig an der Erde ist aber, daß nur dort Gott in einem fleischl. Körper geschlüpft ist, um sich von den Erdenbewohnern kreuzigen zu lassen. Und das wissen auch alle Menschen die auf all den anderen Planeten leben. Sie wissen aber auch, das die Erde der kriegerischste Planet im Universum ist. Also sind die Aliens alle viel friedlebender als wir. Also wird Gott auch dafür Sorgen, daß wir niemals einen erdähnlichen Planeten erreichen können. Denn wozu brauchen wir einen solchen Planeten? Eben weil wir unsere vergewaltigte und ausgebeutete Mutter Erde irgendwann für unsere Gier nach Wohlstand und Reichtum (Ersatz für ein von Gott, = die Liebe, erfülltes, glückseliges Leben) unbewohnbar gemacht haben, und wir einen anderen Planeten brauchen. Und die Einheimischen sind ja nur Aliens ( =Menschen zweiter Klasse) die, wie damals die Indianer, ausgerottet und/oder versklavt werden müssen, damit wir dort Platz zum leben bekommen.
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