Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Atmosphäre auf Zwergplaneten: Plutos giftiger Atem

Gigantismus am Kleinstplaneten: Den Pluto umgibt eine 3000 Kilometer dicke Gashülle. Die Atmosphäre ist damit 30-mal größer als bislang angenommen, haben Astronomen festgestellt. Forscher vermuten, dass dort eine spektakuläre Klimaerwärmung im Gange ist.

Pluto und sein Mond Charon (Illustration): Gashülle deutlich größer als angenommen Zur Großansicht
P.A.S. Cruickshank/DPA

Pluto und sein Mond Charon (Illustration): Gashülle deutlich größer als angenommen

3000 Kilometer weit ins All erstreckt sich die Gashülle des Pluto, haben Forscher entdeckt. Damit ist sie viel größer als bislang vermutet. Astronomen hatten angenommen, die Atmosphäre des Zwergplaneten würde in gut einhundert Kilometern Höhe enden. Doch sie füllt immerhin ein Viertel der Strecke bis zu Plutos größtem Mond Charon. Pluto selbst ist mit einem Durchmesser von weniger als 2400 Kilometern kleiner als der Mond der Erde. Die äußerste Schicht der Erdatmosphäre, die sogenannte Exosphäre, endet in bis zu zu 10.000 Kilometern Höhe.

Plutos extrem dünne Gashülle besitze vermutlich ein fragiles Gleichgewicht aus dem kühlend wirkenden Kohlenmonoxid und dem Treibhausgas Methan, berichten britische Astronomen, die die Atmosphäre mit dem James-Clerk-Maxwell-Teleskop auf Hawaii beobachtet haben. Sie sei wahrscheinlich die empfindlichste Planetenatmosphäre im Sonnensystem, sagte Jane Greaves von der Universität von St Andrews auf der Jahrestagung der britischen Königlichen Astronomischen Gesellschaft in Llandudno (Wales).

Forscher hatten die Atmosphäre des Zwergplaneten zwar 1988 entdeckt, als Pluto von der Erde aus gesehen vor einem fernen Stern vorbeizog und dessen Licht nicht abrupt verschwand, sondern zunächst von der Gashülle abgeschwächt wurde. Der ferne Zwergplanet erlebe wahrscheinlich derzeit einen Klimawandel, meint Greaves. "Wir glauben, dass die Ausdehnung der Atmosphäre gewachsen ist."

1989 hatte Pluto den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn passiert. Wahrscheinlich habe das etwas stärkere Sonnenlicht zusätzliches Eis verdampft und so die Atmosphäre aufgeblasen, glauben die Astronomen, die ihre Entdeckung auch im Fachjournal "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" vorstellen. Trotz der momentan etwas geringeren Sonnenentfernung ist die Atmosphäre des Eiszwergs frostige minus 220 Grad Celsius kalt. Im Schnitt beträgt die Entfernung vom Pluto zur Sonne 5.8 Milliarden Kilometer.

Kohlenmonoxid und Methan, bislang das einzige andere auf Pluto nachgewiesene Gas, finden sich wahrscheinlich nur in Spuren in Plutos Hülle. Hauptbestandteil ist nach Annahme der Astronomen Stickstoff - wie auch in der Erdatmosphäre. Die Forscher wollen die Entwicklung der Pluto-Atmosphäre möglichst lange weiterverfolgen. "Diese einfache, kalte Atmosphäre, die stark von der Sonnenwärme beeinflusst wird, könnte uns wichtige Hinweise auf die fundamentalen physikalischen Zusammenhänge geben", sagte Greaves. Dies könne zu einem besseren Verständnis der Erdatmosphäre beitragen.

Der erst 1930 entdeckte Pluto war 2006 von der Internationalen Astronomischen Union zum Zwergplaneten degradiert worden. 2015 bekommt der Eiszwerg, der nur alle 248 Jahre einmal die Sonne umrundet, erstmals Besuch von einer irdischen Raumsonde: Dann wird die Nasa-Mission "New Horizons" den Zwergplaneten erreichen.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Planet?
chrome_koran 20.04.2011
Wurde dem Pluto vor einigen Jahren der Planetenstatus doch nicht aberkannt?
2. Interessante Methode
Dornröschen2 20.04.2011
die Atmosphäre eines Planeten zu "entdecken". Was nur fehlt ist die wissenschaftliche Erklärung woher dieser Zwergplanet soviel Gravitation aufbringt,, um die Gashülle zu behalten??
3. .
tubaner 20.04.2011
Zitat von chrome_koranWurde dem Pluto vor einigen Jahren der Planetenstatus doch nicht aberkannt?
Sie haben wohl den Artikel nicht zu Ende gelesen, da steht die Antwort auf ihre Frage. Pluto ist seit 2006 als Zwergplanet klassifiziert, und diese Bezeichnung wird im Text auch konsequent verwendet.
4. Thermodynamik
Layer_8 20.04.2011
Zitat von Dornröschen2die Atmosphäre eines Planeten zu "entdecken". Was nur fehlt ist die wissenschaftliche Erklärung woher dieser Zwergplanet soviel Gravitation aufbringt,, um die Gashülle zu behalten??
Temperatur, Druck... Bei DER Temperatur beim Pluto wäre Stickstoff bei 1 bar Druck (z.B. Erdatmosphäre) sogar schon gefroren. Die mittlere Geschwindigkeit der Stickstoffmoleküle in der plutonischen Stickstoffatmosphäre liegt unter der geringen Fluchtgeschwindigkeit. Bei Methan ist dieser Sachverhalt sogar noch deutlicher ausgeprägt...
5. dass*dort eine spektakuläre Klimaerwärmung im Gange ist
aju16 20.04.2011
mist, jetzt auch noch auf dem Pluto ne Klimaerwärmung, schnell alle Heizungen aus, alle Autos stehen lassen...biberbiber, was kommt da auf uns zu oder könnte es doch sein, dass wir Menschen nicht alles steuern in "unserem" Sonnensystem... wir wollen wir das blos unseren Ururur.....urenkeln erklären
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Planetenkampagne : "Ich vermisse Pluto"


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: