Aktivität auf der Oberfläche Wanderdünen ziehen über den Mars

Auf der Marsoberfläche ist überraschend viel los: Sanddünen bewegen sich dort fast so schnell wie langsame irdische Exemplare. Die Preisfrage für Astronomen lautet nun: Wie ist das nur möglich?

Erstaunlich mobil: Sanddünen auf dem Mars
dapd/ NASA/ JPL/ UC Arizona

Erstaunlich mobil: Sanddünen auf dem Mars


Astronomen haben Wanderdünen auf dem Mars entdeckt, die fast so aktiv sind wie die auf der Erde. Kleinere Sandhügel im Dünenfeld von Nili Patera bewegten sich in rund hundert Tagen um bis zu 4,5 Meter, berichtet die Gruppe um Nathan Bridges von der Johns-Hopkins-Universität (USA) im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Lange galten die Dünen des Mars als uralte, unveränderliche Relikte eines vergangenen Klimas mit wesentlich dichterer Atmosphäre und entsprechend kräftigeren Winden. Neuere Studien hatten bereits Sandbewegungen auf dem Roten Planeten festgestellt. Sie hätten jedoch nicht klären können, ob komplette Dünen sich bewegen, erläutern die Forscher.

Das Team um Bridges analysierte Aufnahmen der HiRISE-Kamera an Bord der Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter", die noch 25 Zentimeter kleine Details auf dem Roten Planeten erkennen kann. Dies sei die beste Auflösung einer nicht-militärischen Raumsonde, betont der an der Untersuchung nicht beteiligte Forscher Jasper Kok von der Cornell University (USA) in einem Begleitartikel in "Nature".

Im Abstand von 105 Tagen fotografierten die Astronomen das Nili-Patera-Dünenfeld, das sich in einer Senke nahe dem Mars-Äquator befindet. Die Auswertung der Aufnahmen zeigt, dass sich die Sandriffel umso schneller bewegen, je höher sie auf den Dünen liegen. Auf der Erde ist das ein klassisches Merkmal von Wanderdünen, betont Kok.

Gesamtes Dünenfeld beobachtet

"Dies ist das erste Mal, dass wir ein gesamtes Dünenfeld auf einem anderen Planeten vollständig quantitativ vermessen haben", sagt Mitautor François Ayoub vom California Institute of Technology. Bisher seien nur lokale Messungen der Sandbewegungen an einzelnen Dünen gemacht worden

Den Daten nach benötigen die schnellsten Sandberge im Dünenfeld Nili Patera nur rund 170 Jahre, um als Ganzes eine Dünenlänge vorwärts zu wandern. Bei den langsameren von ihnen dauert dies ein paar tausend Jahre. Verglichen mit gleich hohen irdischen Dünen seien die Wanderungsraten in Nili Patera damit nur zehn- bis hundertfach langsamer, berichten die Wissenschaftler. Bisher glaubte man, dass die Marsdünen - wenn überhaupt - eher zehntausendfach langsamer wandern. An die Geschwindigkeit besonders langsamer irdischer Dünen kommen die Mars-Sandhügel sogar heran: Im Victoria Valley, einem eisfreien Tal in der Antarktis, bewegen sich Dünen ähnlich gemächlich, berichten die Wissenschaftler.

Die Forscher rätseln nun, wie es zu der starken Sandaktivität auf dem Roten Planeten kommt. Denn die Marsatmosphäre ist rund hundert Mal dünner als die irdische, so dass nach gängiger Vorstellung erst hurrikanartige Stürme Sandkörner in die Luft heben könnten.

Möglicherweise sei die Dynamik des Sandkornflugs auf dem Mars anders als gedacht, wobei auch die geringere Schwerkraft des Roten Planeten eine Rolle spielen könnte, vermuten die Astronomen.

wbr/dpa/dapd

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 10.05.2012
1. wind?
waehre eine moeglichkeit.
cassandros 10.05.2012
2. das himmlische Kind
Zitat von Nonvaio01waehre eine moeglichkeit.
Woher kommt der?
wosenjohn 10.05.2012
3.
Zitat von Nonvaio01waehre eine moeglichkeit.
steht auch so im artikel, vorletzter absatz. ne andere möglichkeit wären natürlich diese ominösen, pulsierenden, raumvakuolen... *duck und weg* :D
franko_potente 10.05.2012
4.
Zitat von sysopdapd/ NASA/ JPL/ UC ArizonaAuf der Mars-Oberfläche ist überraschend viel los: Sanddünen bewegen sich dort fast so schnell wie langsame irdische Exemplare. Die Preisfrage für Astronomen lautet nun: Wie ist das nur möglich? http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,832420,00.html
Nun, wenn die Schwerkraft eine andere ist, könnte weniger Wind reichen. Nun, aber ich habe davon keinen Duns.t Was mich vielmehr beschäftigt. 25cm Auflösung, im nichtmilitärischen Bereich. A) also lösen MilCams doch höher auf, bei Umlaufbahnen ( man will uns ja immer erzählen, sowas wäre Hollywood) B) Warum nimmt man bei einerMarssonde nicht Militärtechnologie?
strangequark 10.05.2012
5. .
Zitat von Nonvaio01waehre eine moeglichkeit.
... wenn es eine ordentliche Atmosphäre gäbe. Die auf dem Mars ist aber 1000 mal dünner als die auf der Erde.
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