Aufgerüstetes Weltraumteleskop Astronomen jubeln über neue Hubble-Bilder

Sein Schicksal schien schon besiegelt: Vor einigen Jahren wollte die Nasa das Weltraumteleskop Hubble gezielt abstürzen lassen. Doch dann entschloss man sich doch zu einer Reparatur. Nun hat die Nasa neue Aufnahmen des aufgemotzten Teleskops veröffentlicht - sie sind schärfer als je zuvor.

NASA

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Washington - Der Methusalem im All braucht regelmäßigen Besuch. Weil zum Beispiel die zur Lagekontrolle nötigen Gyroskope des Hubble-Weltraumteleskops regelmäßig ausfallen, müssen sie immer wieder ausgetauscht werden. Die Reparaturmissionen sind jedoch gleichzeitig eine Chance, um die Instrumente des fliegenden Observatoriums durch leistungsfähigere Exemplare zu ersetzen. Mehrmals nahmen Space Shuttle über die Jahre deswegen Hubble an den Haken.

Jüngst werkelten im Mai Nasa-Astronauten an dem Weltraumteleskop herum. Beim vermutlich wohl letzten Einsatz dieser Art bauten sie unter anderem eine neue Kamera, neue Batterien, einen neuen Hitzeschutz und einen neuen Spektrografen ein. Nun hat die Nasa erstmals Bilder des derart aufgebrezelten Experimentiergeräts veröffentlicht - und damit Astronomiefans rund um den Globus in Verzückung versetzt.

"Das markiert einen Neuanfang für Hubble", sagte Ed Weiler vom Science Mission Directorate der Nasa in Washington. Nach der Runderneuerung sei das Teleskop leistungsstärker denn je und gut ausgestattet bis ins nächste Jahrzehnt. Die neuen Instrumente sind besonders lichtempfindlich, Astronomen hoffen so auf noch bessere Ergebnisse. Und die nun publizierten Bilder bestätigen diese Erwartungen.

Die erste der neuen Aufnahmen zeigt die Balkenspiralgalaxie NGC 6217, die rund sechs Millionen Lichtjahre weit von der Erde entfernt im Sternbild Kleiner Bär liegt (siehe Fotostrecke). Das Bild entstand im Juni und Juli bei Tests der ebenfalls reparierten Advanced Camera for Surveys (ACS), die bei einer Shuttle-Mission im Jahr 2002 an Bord von "Hubble" gekommen war.

Eigentlich sollte das Teleskop verglühen

Doch fast wäre es kurze Zeit später schon um Hubble geschehen gewesen. Im Jahr 2005 nämlich hatte die Nasa beschlossen, das altersschwache Teleskop gezielt abstürzen zu lassen. Nach dem "Columbia"-Unglück im Februar 2003 galt eine bemannte Reparaturmission als zu riskant. "Hubble ist ein sterbender Raumkörper", hieß es damals von Nasa-Seite. Auch aufgrund der hohen Kosten scheute man eine Reparatur. Die Wissenschaftlergemeinde war empört, Forscher und Laien schrieben Protestbriefe - mit Erfolg. Denn Ende 2006 vollzog die Nasa eine Kehrtwende. Der damalige Behördenchef Michael Griffin kündigte an, Hubble doch retten zu wollen.

Das Observatorium wurde nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (1889 - 1953) benannt und gemeinsam von der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem europäischen Pendant Esa entwickelt. Die Raumfähre "Discovery" brachte Hubble am 24. April 1990 in den Orbit. Hubble ist über elf Tonnen schwer und etwa 13 Meter lang. In 96 Minuten umkreist es einmal die Erde.

Die Nasa hofft nun darauf, dass Hubble noch mindestens noch fünf Jahre lang spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Weltalls liefert. Der Nachfolger, das "James Webb Space Telescope", soll 2014 gestartet werden.

chs

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