Aufpust-Unterkünfte Nasa baut Zelte für Mond-Astronauten

Von wegen gigantische Mondbasen und riesige Außenposten der Menschheit: Die nächsten Astronauten, die auf den Erdtrabanten fliegen, sollen in Zelten leben. Die Nasa hält das für die praktischste Variante und zeigt jetzt Camping-Prototypen - aber ist diese Lösung auch sicher?


In der Vision sieht alles ganz einfach aus: Riesige kuchenhaubenförmige Glaskuppeln, gigantische Stahlzylinder und lunare Wohnblocks auf Stelzen. Die Science-Fiction weiß seit Jahrzehnten, wie Siedlungen auf dem Mond aussehen sollten. Doch wie könnte es wirklich sein?

In Studien arbeitet die US-Raumfahrtbehörde Nasa eifrig an der Frage, wie zumindest ein erster Außenposten der Menschheit auf dem Erdtrabanten entstehen könnte: Die Mondpioniere, so tritt dabei zu Tage, werden sich dann wie Camper mit Helm fühlen.

Nach gegenwärtiger Planung sollen Mondmissionen - nicht vor dem Jahr 2020 - mit Teams zu je vier Personen starten. Die Nasa spricht von "mehreren Sieben-Tages-Visiten auf dem Mond", die auf Dauern von vierzehn Tagen, zwei Monaten und letztendlich einem halben Jahr ausgedehnt werden sollen. Dazu müssten aber "Stromversorgung, Rover und Quartiere einsatzfähig" sein.

Und genau da liegt der Knackpunkt: Die ersten neuen Mondastronauten werden wenig Platz für Gepäck haben und doch irgendwie für nachfolgende Missionen ein Lager bereiten müssen. Deshalb erprobt die Nasa in ihrem Langley Research Center im US-Bundesstaat Virginia aufblasbare lunare Erstunterkünfte, "Inflatables" genannt.

Aufblasbare Quartiere für die neue Mondstrategie

"Inflatables können etwa als Verbindungstunnel zwischen Mannschaftsquartieren benutzt werden und als Zufluchtsort vor Strahlung dienen, wenn sie mit Mondstaub bedeckt sind", sagt Chris Moore, bei der Nasa für die Entwicklung neuer Technologien für die Monderkundung zuständig.

Ein fertiger Prototyp wurde in Langley bereits aufgeblasen: 3,65 Meter im Durchmesser ist die zylinderförmige Kapsel groß, die auf vier dünnen Metallbeinchen in einer Halle des Forschungszentrums steht. Daran gekoppelt ist ein kleineres Aufpustmodul, das als Luftschleuse dient - weil man auf dem Mond nicht einfach die Tür nach Außen öffnen kann.

Im Dezember hatte die Nasa ihre neue Mondstrategie offiziell vorgestellt: Die zu errichtende Basis solle der weiteren Erforschung des Alls und der Ausweitung der menschlichen Zivilisation dienen, sagte Nasa-Sprecherin Shana Dale in Houston. Der Standort für die Basis werde vermutlich der Südpol des Mondes sein, weil der Ort eine sehr große Sonnenscheindauer habe.

Dies erschließe die Chance zur Nutzung von Solarenergie. Außerdem gebe es in der Umgebung möglicherweise Bodenschätze. Erste Testflüge seien für 2009 und 2014 geplant. Erst 2020 steht die erste Landung einer vierköpfigen Crew an. Bis 2024 sollen Astronauten den Vorposten so weit ausgebaut haben, dass Missionen von einem halben Jahr möglich sind.

Tests in der Antarktis

Als Vehikel für solche Reisen soll das relativ kleine Raumschiff "Orion" (früher unter dem Projektnamen "Crew Exploration Vehicle" bekannt) dienen. Es ersetzt die Shuttle-Flotte der Nasa, die 2010 eingemottet wird. Anfang März musste Nasa-Chef Michael Griffin allerdings eingestehen, dass "Orion" erst 2015 statt 2014 starten könnte - weil das Budget zu knapp ist. "Wir haben das Geld einfach nicht", sagte Griffin.

Zusammengefaltet würden solche Behausungen und Verbindungsgänge ungleich weniger Volumen in Anspruch nehmen als starre Bauteile. Nur, ob Astronauten als Camper genauso gut aufgehoben wären wie in Containern?

Im kommenden Jahr werden Forscher des Johnson Space Center der Nasa mit Unterstützung der US-amerikanischen National Science Foundation einen Aufblas-Prototypen in der Antarktis aufbauen. Die rauen Bedingungen des Südkontinents sollen erste Aufschlüsse darüber geben, wie sich die Wohnzylinder in einer feindlichen Umwelt bewähren würden.

Parallel erforschen die Nasa-Mitarbeiter in Langley, wie vielschichtige Kunststoffmembranen der Mond-Zelte benutzt werden könnten, um Gesundheitsparameter der Insassen zu überwachen, inwiefern sie gegen Strahlung schützen und - für Camper im All besonders wichtig - wie man ihnen die Fähigkeit verleihen kann, sich bei Verletzungen selbst zu reparieren.

stx

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