Außerirdisches Leben Wo die Suche nach Alien-Signalen lohnt

Was wäre, wenn Außerirdische uns längst entdeckt hätten? Und wenn sie Kontakt mit uns aufnehmen wollten? Forscher schlagen vor, wo man nach ihren Signalen suchen müsste.

Exoplanet (künstlerische Darstellung)
REUTERS / ESO / L. Calcada

Exoplanet (künstlerische Darstellung)


Laut einer Umfrage glaubt aktuell jeder zweite Deutsche an Aliens. Doch wo bitteschön sind sie? Seit es die technischen Möglichkeiten dazu gibt, horchen Astronomen nach möglichen außerirdischen Signalen aus dem Universum. Doch die jahrzehntelange Suche mit Radioteleskopen war bisher vergebens.

Nun präsentieren zwei Wissenschaftler eine Idee, wie man diese Suche mit mehr Aussicht auf Erfolg angehen könnte. Dabei schauen sie nicht von der Erde ins All - sondern stellen sich die Frage, was von uns womöglich in den Fernen des Weltraums mitzubekommen sein könnte.

Was wäre, wenn außerirdische Astronomen die Erde entdeckt hätten - mit denselben Methoden, mit denen wir Menschen Exoplaneten bei fernen Sternen nachgewiesen haben? Wo würden diese Alien-Forscher im All leben - und wo müsste man also suchen, wenn sie uns Signale geschickt hätten? Diese Fragen stellten sich René Heller vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung und Ralph Pudritz von der McMaster University im kanadischen Hamilton, der aktuell am Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie arbeitet.

Mehr als 2000 Exoplaneten haben irdische Forscher bislang entdeckt - und es gibt Tausende weiterer Kandidaten. Dies gelang ihnen vor allem mit der sogenannten Transitmethode: Zieht ein Planet vor seinem Stern vorbei, kommt es zu einer minimalen Verdunkelung der fremden Sonne. Die Verdunkelung während dieses Transits kann gemessen werden.

Als Aliens verkleidete Festivalbesucher (in Argentinien, Februar 2016)
AP/dpa

Als Aliens verkleidete Festivalbesucher (in Argentinien, Februar 2016)

Das funktioniert natürlich nur, wenn der Beobachter von der Seite auf Stern und Planet blickt. Es kommt also auf den Blickwinkel an - auch für Alien-Astronomen, die mit der Transitmethode unsere Erde entdeckt haben könnten. Ihr Planet müsste sich in einem Streifen am Himmel befinden, der einer Projektion unserer Sonnenumlaufbahn auf die Himmelssphäre entspricht. Nur in diesem schmalen Streifen böte sich den Bewohnern von fremden Planetensystemen der Anblick der Erde, wie sie vor der Sonne vorbeizieht.

Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Wenn eine schwarz bekleidete Person nachts vor einem dunklen Auto mit angeschalteten Scheinwerfern vorbeiläuft, lässt sich das von vorn gut beobachten. Aber eben nur von vorn. Das Licht der Scheinwerfer wird kurz verdunkelt. Das sieht man auch auf große Entfernungen. Wenn man aber nicht von vorn schaut, sondern von hinten, von der Seite oder - etwa auf einem Aussichtsturm - von oben, dann sieht man genau gar nichts.

"Auf einen sehr kleinen Teil des Himmels eingrenzt"

Deswegen schlagen die Wissenschaftler vor, nur einen schmalen Himmelsbereich bevorzugt nach außerirdischen Signalen abzusuchen. Sie halten die Wahrscheinlichkeit, dort auf solche Botschaften zu stoßen, für höher als in anderen Himmelsarealen. Dazu kommt: Eine gezielte Fahndung in dem schmalen Streifen würde den theoretisch denkbaren Suchbereich drastisch einschränken - denn die Fläche dieses Streifens macht nur rund zwei Tausendstel des gesamten Himmels aus.

"Der Knackpunkt dieser Strategie liegt darin, dass sie den Suchbereich auf einen sehr kleinen Teil des Himmels eingrenzt", so Heller. "So könnten wir bereits innerhalb der Zeitspanne eines Menschenlebens herausfinden, ob es außerirdische Astronomen gibt, die uns sehen können und die versuchen, uns zu kontaktieren."

Nicht jeder Stern sei aber als Heimat für eine fremde Zivilisation gleich gut geeignet, sagt Heller. Denn je massereicher ein Stern ist, desto kürzer ist seine Lebensdauer. Eine lange Lebensdauer wird aber als Voraussetzung für die Entwicklung höheren Lebens betrachtet. Die Forscher erstellten daher eine Liste von Sternen, die sich einerseits im richtigen Bereich des Himmels befinden und die andererseits aufgrund ihres langen Lebens besonders gute Aussichten auf Erfolg bieten.

82 Sterne, die diese Kriterien erfüllen, sind derzeit bekannt. Diese sollten nach Auffassung von Heller und Pudritz künftig bei der Suche des Seti-Projekts höchste Priorität erhalten.

Offen bleiben indes einige entscheidende Fragen. Darunter etwa, ob mögliche Aliens tatsächlich genauso neugierig wären wie wir. Ob sie überhaupt Kontakt mit uns aufnehmen wollten - und wie friedfertig sie wären.

chs/AFP



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