Satellitenbild der Woche: Oben!

Von Christoph Seidler

Christian Dobisch

Diese Fotos sind eigentlich falsch in einer Rubrik über Satellitenbilder. Trotzdem möchten wir zeigen, welch faszinierende Aufnahmen Bastler Christian Dobisch aus Sachsen-Anhalt gerade mit einem Gummiballon in der Stratosphäre gemacht hat.

Im Städtchen Schönebeck vor den Toren von Magdeburg geht es eher beschaulich zu. Das Solbad im Stadtteil Bad Salzelmen freut sich über Kurgäste. Traktoren- und Dieselmotorenwerk sind seit Jahren dicht. Und wohl niemand würde hier an der Elbe irgendwelche Luft- und Raumfahrtaktivitäten vermuten. Doch Christian Dobisch hat das gerade geändert. Ein bisschen zumindest. Zusammen mit Unterstützern hat der 19-jährige Azubi einen Ballon hoch in die Stratosphäre geschickt - und dort faszinierende Fotos und Videos aufgenommen.

Natürlich, die Idee mit heliumgefüllten Ballons in Richtung Weltall aufzubrechen, hatten schon andere Bastler vor ihm. Auch hier bei SPIEGEL ONLINE haben wir so entstandene Bilder schon mehrfach gezeigt. Und doch kann Dobischs Projekt "Spacecam 2" mit einigen Besonderheiten punkten. Da ist zunächst der Latexballon, der mit 45 Kilometern außergewöhnlich hoch geflogen ist - nur vier Kilometer weniger als ein deutlich größeres Fluggerät der US-Weltraumbehörde Nasa vor gut zehn Jahren.

Fotostrecke

4  Bilder
"Spacecam 2": Up in the Air
"Das ist rekordverdächtig", jubelt Dobisch. Verantwortlich dafür war unter anderem die mit drei Kilogramm vergleichsweise schwere - und damit robuste - Gummihülle. Für den Flug durch die Atmosphäre wurde sie mit sechs Kubikmetern Helium gefüllt. Das ist freilich nicht ganz billig: Sponsoren, darunter ein Messtechnikunternehmen, hatten den Flug mit insgesamt 3000 Euro unterstützt.

"Etwas in den Weltraum schießen, das wäre schon toll"

In der runden Nutzlastbox aus Styropor, sie war mit Inhalt noch einmal zwei Kilogramm schwer, brachte Dobisch auch einen Raspberry-Pi-Mini-Computer unter. Daran waren unter anderem Temperatur- und GPS-Sensoren sowie ein Kompass angeschlossen. GoPro-Kameras machten die beeindruckenden Bilder - auch weil Dobisch die Linsen vorher mit Anti-Beschlagmittel behandelt hatte. Zwei weitere Mini-Kameras fotografierten außerdem Ballon und Nutzlastbox. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Als der Ballon schließlich den Dienst quittierte, half die Elektronik dabei, die Nutzlast möglichst nahe zurück an den Startpunkt zu bringen. Auch das ist durchaus etwas Besonderes. Schon 30 Sekunden nach dem Platzen machte sich das System an die Arbeit: Die Sensoren lieferten die Daten für einen kleinen Motor - und der steuerte selbständig einen Gleitschirm, der die Kapsel wieder zurück zur Erde brachte. Bereits beim Aufstieg hatte der Rechner erste Berechnungen für den Kurs angestellt.

"Er hat den Rückweg allerdings nicht komplett geschafft", muss Dobisch eingestehen. Die "Spacecam 2" landete ungefähr 70 Kilometer vom Startort entfernt in einem Feld im Landkreis Stendal. Im Winter hatte der Bastler bereits einen ersten Ballon steigen lassen. Dieser war immerhin 30 Kilometer weit aufgestiegen, bevor er platzte. Nun sucht Christian Dobisch nach neuen Herausforderungen: "Das Thema Ballons ist erst mal für mich durch, aber einmal etwas in den Weltraum schießen, das wäre schon toll."

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Pfft..
dannyinabox 14.09.2013
Okay, Bilder aus dem All sind immer schön, vor allem deshalb weil von dort die Zerstörung die wir unten anrichten nicht so auf den ersten Blick ersichtlich ist aber das ist ein anderes Thema. Was mich langsam aber sicher nervt sind all die Leute und deren Provinzschulprojekte die nix anderes beinhalten als irgend einen Ballon mit Kamera in die Lüfte steigen zu lassen. Was einst mit einem tollen Projekt in einer US Schule begann wird langsam aber sicher zu einem der langweiligsten Phänomenen dieser Zeit. Nach dem x-en Ballon, Harlem-Shake und was weiss ich nicht alles. Die Leute könnten sich mal was neues einfallen lassen.
2. Fantastisch!
chefrationalist 14.09.2013
Herzlichen Glückwunsch an das Team! Spektakulär, mit wie wenig Geld, aber Talent und jugendlichem Enthusiasmus solche Projekte umsetzbar sind. Die 3000 Euro wird er allein durch die YouTube-Klicks hoffentlich bald drin haben. Wäre im Übrigen mal interessant, wie viel im Vergleich das NASA-Projekt gekostet hat.
3. Luftverkehr
Ingmar 14.09.2013
Auf dem einen Bild kann man einen Kondensstreifen sehen. Da fragte ich mich, wie das eigentlich rechtlich ist. Darf jeder so einen Ballon steigen lassen? Gibt es eine maximale zulässige Nutzlast? Ein Zusammenstoß mit einem Flugzeug beim Auf- oder Abstieg ist doch sicher nicht unkritisch, oder?
4. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran!
blauervogel 14.09.2013
Zitat von dannyinaboxWas mich langsam aber sicher nervt sind all die Leute und deren Provinzschulprojekte die nix anderes beinhalten als irgend einen Ballon mit Kamera in die Lüfte steigen zu lassen. Was einst mit einem tollen Projekt in einer US Schule begann wird langsam aber sicher zu einem der langweiligsten Phänomenen dieser Zeit. Nach dem x-en Ballon, Harlem-Shake und was weiss ich nicht alles. Die Leute könnten sich mal was neues einfallen lassen.
Gute Idee, beginnen Sie doch schon mal dem sichwasNeueseinfallenlassen. Sich genervt fühlen von anderen Menschen oder deren Aktivitäten, obwohl man weder die Menschen kennt, noch deren Aktionen erlebt und schon garnicht darunter leidet und dieses unmotivierte genervtsein auch noch der Welt lauthals kundtun muss, ist weder neu, noch kreativ, sondern bestenfalls nervig, meist aber nur ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zur großen bundesdeutschen Nörglergemeinschaft die sich hier so gerne versammelt. Schönes kreatives Wochenende!
5. Dem Glückwunsch schließe ich mit gerne an
blauervogel 14.09.2013
Zitat von chefrationalistHerzlichen Glückwunsch an das Team! Spektakulär, mit wie wenig Geld, aber Talent und jugendlichem Enthusiasmus solche Projekte umsetzbar sind. Die 3000 Euro wird er allein durch die YouTube-Klicks hoffentlich bald drin haben. Wäre im Übrigen mal interessant, wie viel im Vergleich das NASA-Projekt gekostet hat.
Schön zu sehen wieviel junge engagierte Talente in unserem Land leben. Solche Leute suchen nicht nur wir in unserer Firma. Dabei sind die Schulnoten eher zweitragig, die Menschen müssen sich in ihre Aufgaben einbringen wollen und begeisterungsfähig sein. Wer einen Ballon bis in die Stratosphäre bringen kann, der kann auch andere Aufgaben bewältigen.
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