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14. April 2012, 09:53 Uhr

Satellitenbild der Woche

Wo die Seltenen Erden wohnen

Die Welt ist hungrig nach Seltenen Erden. Die kommen fast alle aus China, vor allem aus einer Erzmine an der Grenze zur Mongolei. Aus dem All zeigt sich, wie riesig der Tagebau von Bayan Obo ist.

Das muss man erst einmal schaffen: Drei missverständliche Formulierungen in einer Überschrift - so könnten zumindest Sprachpuristen argumentieren. Denn natürlich "wohnen" erstens Seltene Erden im strengeren Wortsinn natürlich nirgendwo. Zweitens werden sie nicht nur in der chinesischen Erzmine Bayan Obo abgebaut, die auf diesem Bild des Nasa-Satelliten "Terra" zu sehen ist. Und drittens sind die Elemente auch gar nicht so selten wie ihr Name nahelegt. Sie sind nur meist so gering in der Erdkruste konzentriert, dass sich der Abbau nicht lohnt.

Und doch ist Bayan Obo an der Grenze zur Mongolei die mit großem Abstand wichtigste Quelle der Welt bei der Versorgung mit Seltenen Erden. Staaten wie die USA haben ihre Tagebaue vor Jahren stillgelegt und arbeiten nun mühevoll an einem Neustart. China dagegen versorgt die Welt fast ganz allein - vor allem von Bayan Obo aus. Daher also die Überschrift dieses Artikels, in Anlehnung an Kinderbuch und -film von den wilden Kerlen.

Der Tagebau von Bayan Obo reicht bis zu einem Kilometer tief in den Erdboden, Tausende Menschen schuften in der Erzmine. Denn die Welt ist angewiesen auf die Rohstoffe von dort. Neben vielen anderen Anwendungen im Hightechbereich sind die Seltenen Erden für den Bau von kraftvollen Neodym-Eisen-Bor-Dauermagneten wichtig. Die kommen beispielsweise in der Automobilindustrie und in modernen Windkraftanlagen mit Direktantrieb zum Einsatz.

Die Produktion von Seltenen Erden ist oftmals ein ziemlich schmutziges Geschäft - unter anderem, weil dabei radioaktive Uran- und Thoriumverbindungen frei werden können. Offiziell aus Umweltschutzgründen hat China den Export von Seltenen Erden deswegen gedrosselt (siehe Tabelle). Beobachter im Westen sehen aber auch den Wunsch der Führung in Peking, auf diese Weise höhere Preise auf dem Weltmarkt durchzusetzen. Die USA, Japan und Europa haben sich darüber bei der Welthandelsorganisation (WTO) beschwert.

Als Reaktion auf die restriktive chinesische Exportpolitik versuchen nun andere Staaten, selbst wieder Seltene Erden aus dem Boden zu holen. Doch wegen der damit verbundenen Umweltprobleme ist das gar nicht so leicht. Die USA sind dabei, die Mine im kalifornischen Mountain Pass zu reaktivieren. Die Australier wollen am Mount Weld fördern, die eher schmutzige Aufbereitung aber lieber in Malaysia erledigen lassen. Und sogar in Deutschland plant eine Firma Probebohrungen nach Seltenen Erden im Nordwesten von Sachsen.

Doch Bayan Obo, so viel ist sicher, wird noch auf lange Sicht der Platz bleiben, wo die Seltenen Erden wohnen.

chs

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