"Beagle 2"-Absturz: Kommission rügt chaotische Planung

Der Absturz der "Beagle 2"-Sonde auf dem Mars war eine bittere Niederlage für die europäische Forschung. Die Untersuchungskommission hat jetzt ihren Bericht zu den Ursachen des Desasters vorgelegt. Das Fazit: Die Mission war viel zu riskant, unterfinanziert und schlecht geplant.

"Beagle 2" bei der Landung (Zeichnung): Kritik an strukturellen Mängeln im Mars-Projekt
ESA

"Beagle 2" bei der Landung (Zeichnung): Kritik an strukturellen Mängeln im Mars-Projekt

Der Bericht weckt Erinnerungen an die Ursachenforschung nach dem Absturz der US-Raumfähre "Columbia" im Februar 2003, auch wenn diesmal glücklicherweise keine Menschen zu Schaden kamen: Die Verantwortlichen seien mit der Mission ein zu hohes Risiko eingegangen, zudem habe es "programmatische Schwierigkeiten und Organisationsprobleme" gegeben, bilanzierte die Untersuchungskommission der Esa und des British National Space Centre (BNSC). Das "Beagle 2"-Projekt sei zu lasch geführt und unterfinanziert gewesen, zudem habe es zu wenig Zeit für Tests gegeben.

Der Bericht, der am heutigen Montagmorgen in London vorgelegt wurde, bemängelt der britischen BBC zufolge mangelhafte Kontrollmechanismen innerhalb des "Beagle 2"-Projekts. Die europäische Sonde war nach ihrer Abkoppelung von ihrem Mutterschiff "Mars Express" am 25. Dezember auf der Marsoberfläche verschollen. Die Panne überschattete in den folgenden Wochen die wissenschaftlich wichtigeren Erfolge von "Mars Express", die den Nachweis früherer Flüsse und Seen auf dem Roten Planeten ermöglichten.

"Beagle 2"-Konstrukteur Pillinger: Zwei Aufgaben waren eine zu viel
Beagle 2

"Beagle 2"-Konstrukteur Pillinger: Zwei Aufgaben waren eine zu viel

Der Untersuchungsbericht kritisiert laut BBC keinen der Verantwortlichen persönlich und stellt die technologische Leistung heraus, eine Sonde wie "Beagle 2" innerhalb eines "nahezu unmöglichen" Zeitplans zu bauen. Insgesamt aber sei die Mission mit einem zu hohen Risiko behaftet gewesen. Über die technischen Ursachen des Absturzes der Sonde kann auch die Kommission nur spekulieren, da "Beagle 2" keinerlei Sensoren besaß, die während des Landeanflugs Daten hätten aufzeichnen können. Alles, was die Experten hatten, war ein Foto von der Sonde kurz nach der Trennung von "Mars Express".

Esa-Kritik: "Wir haben es kommen sehen"

Weniger diplomatisch als die Kommission zeigten sich derweil die Verantwortlichen. "Persönlich haben wir den Verlust von 'Beagle 2' kommen sehen", sagte Esa-Wissenschaftsdirektor David Southwood. "Schon lange vor dem Start habe ich gesagt, dass ich so etwas nie wieder zulassen werde."

Der britische Forscher Colin Pillinger hatte die Führung der Esa überzeugt, "Beagle 2" als Anhängsel von "Mars Express" auf die Reise zu schicken - und konstruierte die Sonde mit seinem Team an der Open University in Milton Keynes in Rekordzeit. Zugleich warb der schillernde Professor in der Öffentlichkeit aggressiv für sein Projekt und geriet nur selten aus den Schlagzeilen.

"Colin versuchte, zur gleichen Zeit Geld aufzutreiben und ein Raumschiff zu bauen", sagte Southwood. "Das ist eindeutig eine große Ablenkung." Zudem konnte Pillinger trotz aller Bemühungen keine privaten Sponsoren für "Beagle 2" gewinnen.

Der Professor gibt sich derweil von dem Fehlschlag unbeeindruckt. Das Projekt sei nicht unterfinanziert gewesen und habe über die besten Leute und die beste Technik verfügt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE forderte Pillinger jüngst sogar eine mehrere Hundert Millionen Euro teure Neuauflage des "Beagle 2"-Projekts. Die neue Sonde müsse außerdem spätestens im Jahr 2007 starten, da "Mars Express" danach nicht mehr als Relaisstation im Orbit zur Verfügung stehe.

Nach Einschätzung internationaler Raumfahrtexperten ist "Beagle 2" wahrscheinlich auf der Marsoberfläche zerschellt. Die Dichte der Atmosphäre könnte unterschätzt worden sein, so dass die Sonde zu schnell abgestürzt sei und sich Fallschirme und Airbags zu spät geöffnet hätten.

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