Begegnung im All: Unbekanntes Flugobjekt verfolgt Raumsonde "Rosetta"

Von Thorsten Dambeck

Mysteriöse Szenen im Weltraum: Die Raumsonde "Rosetta" wird von einem unbekannten Flugobjekt verfolgt. Forscher aus Arizona entdeckten den rätselhaften Körper beim jüngsten Erdvorbeiflug der Sonde.

"Rosetta" hat einen Verfolger. Erstmals fiel das unbekannte Flugobjekt den Himmelsforschern auf, weil es wie "Rosetta" auf die Erde zuraste. "Es war etwas dunkler als unsere Sonde und bewegte sich auf einer fast identischen Bahn", sagt Gerhard Schwehm vom "Rosetta"-Team SPIEGEL-ONLINE. Die US-Forscher haben schon einen Namen für das Objekt: "Son of Rosetta" - "Rosettas Sohn". "Wir gehen davon aus, dass es sich um einen bislang unbekannten Asteroiden handelt", vermutet Schwehm.

Zunächst dachten die Wissenschaftler in eine ganz andere Richtung. War "Rosetta" unterwegs vielleicht irgendein Bauteil abhanden gekommen? Die 14 Meter langen Sonnenpaddel zur Stromversorgung? Oder das Landegerät Philae, mit dem im Jahr 2014 eine Landung auf einem Kometenkern versucht werden soll? Oder vielleicht eine Folie, in die der Kometenjäger verpackt ist? Schwehm hält das für ausgeschlossen: "Hätten wir Folie verloren, dann wäre das den zahlreichen Temperaturfühlern an Bord sofort aufgefallen. Deren Daten werden regelmäßig überwacht." Auch die anderen Teile hätten sich kaum unbemerkt lösen können.

Selbst die alte Raketenstufe, mit der die Sonde vor Jahren auf ihren Pirouettenkurs geschossen wurde, komme nicht in Frage. "Das Objekt ist nicht menschengemacht", sagt Schwehm. Es handele sich vermutlich vielmehr um einen Kleinplaneten aus der sogenannten Apollo-Gruppe. Damit bezeichnen Experten Asteroiden, die auf ihren Bahnen um die Sonne die Erdbahn kreuzen.

Eine Rückrechnung der Umlaufbahn des Sonden-Stalkers ergab, dass er "Rosetta" bereits eine ganze Weile nachstellt. Ebenso wie die Raumsonde kam er aus der Richtung des Mars, wo die Sonde im vergangenen Frühjahr ein Swing-by-Manöver absolviert hatte. "Zwischen beiden Mars-Begegnungen lagen damals fünf Wochen", erklärt Trevor Morley, Chef-Navigator der "Rosetta"-Mission an der Darmstädter Kontrollwarte der Esa. Mittlerweile hat sich "Rosettas Sohn" jedoch deutlich näher an die Esa-Sonde heran gepirscht.

Beide passierten die Erde innerhalb von nur sechs Stunden. Während sich uns "Rosetta" bis auf 5302 Kilometer näherte, hielt ihr "Sohn" mit 230.000 Kilometern deutlich mehr Abstand. Die Begegnung in Erdnähe dauerte laut Schwehm nur verhältnismäßig kurz. Beide Körper werden nun wieder langsam auseinander driften. Der mysteriöse Begleiter wird so schnell kaum weitere Geheimnisse preisgeben, denn Beobachtungen dürften schwierig werden: Die Sonde und ihr Verfolger stehen nun beide am Taghimmel – fast direkt in Sonnenrichtung.

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