Studie zu außerirdischem Leben Die Aliens sind da - und was nun?  

Der Mensch ist womöglich nicht allein im All. Doch wie reagieren wir, sollte irgendwann außerirdisches Leben gefunden werden? Forscher glauben: positiv.

Angebliche Ufo-Sichtung
AFP

Angebliche Ufo-Sichtung

Aus Austin berichtet


Wir sind nicht allein - da sind sich die meisten Astrophysiker und Astronomen recht sicher. Dass es irgendwo im All Leben gibt, gilt als recht wahrscheinlich, selbst Wissenschaftsvordenker Stephen Hawking glaubt an Aliens. Zwar hat niemand Erkenntnisse darüber, wie solche Lebensformen aussehen könnten - vermutlich nicht unbedingt wie in Science-Fiction-Streifen. Aber schon länger wird von Astronomen viel unternommen, um die Suche nach Orten mit lebenswerten Bedingungen im All voranzutreiben.

Doch eine Frage muss sich die Menschheit dabei stellen: Was machen wir, wenn wir irgendwann tatsächlich Leben abseits von Planet Erde finden? Wie reagieren die Menschen, werden sie so einer Nachricht mehrheitlich positiv oder negativ gegenüber eingestellt sein?

Natürlich muss so eine Frage zunächst jeder für sich beantworten. Und sie dürfte auch stark von der Art der entdecken Lebensform abhängen. Eine Nachricht über Mikroben irgendwo in den Weiten des Alls dürfte weniger emotional aufgenommen werden als eine über den Fund einer mit unserer Spezies vergleichbar intelligenten Art. Denn schließlich könnte sich hinter einer unbekannten Lebensform auch eine Gefahr verbergen - auch mit solchen Befürchtungen haben Filme wie "Alien" oder "Mars Attacks!" gespielt.

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Fotos von Ufo-Sichtungen: Außerirdische zu Besuch

Ganz ernsthaft mit dem Thema haben sich nun zumindest Forscher von der Arizona State University auseinandergesetzt. Ihre dreiteilige Studie, die sie in Austin auf der Wissenschaftskonferenz AAAS vorgestellt haben, brachte ein eindeutiges Ergebnis: Freude und Gelassenheit stehen bei den meisten offenbar im Vordergrund, wenn sie von Kontakt zu Leben im All hören würden.

Für ihre Analysen hatten die Forscher zunächst fünf Zeitungsartikel über unterschiedliche Entdeckungen herausgesucht, die in den vergangenen Jahren für Aufsehen sorgten. Wirbel machte etwa der umstrittene Fund von angebliche fossilen Bakterienspuren auf einem Mars-Meteoriten aus dem Jahre 1996 oder das rätselhafte Leuchten des Tabbys Star 2015. Auch der Nachweis von gleich sieben erdähnlichen Planeten im vergangenen Jahr ist darunter.

Die Artikel ließen die Forscher von einer speziellen Software namens Linguistic Inquiry and Word Count (LIWC) durchleuchten. Das System, das es noch nicht lange gibt, erkennt, welche Emotionen mit den Wörtern verknüpft sind, ob sie eher positiv oder negativ belegt sind. Der Computer lieferte ein klares Ergebnis: Die Autoren der Artikel, allesamt von renommierten US-Medien wie der "New York Times" oder der "Washington Post", ließen einen signifikant höheren Prozentsatz positive Emotionen im Zusammenhang mit den Funden anklingen.

In einem zweiten Teil der Studie baten die Forscher mehr als 500 zufällig ausgewählte Menschen, ein paar Sätze darüber zu schreiben, wie sie bei der Nachricht über einen hypothetischen Mikrobenfund im All wohl reagieren würden. Und wie nach ihrer Einschätzung alle anderen reagieren würden. Dazu stellten sie den Teilnehmern einige Fragen und gaben auch diese Texte in die Analyse-Software.

Auch hier wogen die positiven Reaktionen die zu Risiken und Befürchtungen einer solchen Entdeckung auf. "Das wäre sehr aufregend - selbst wenn es sich nur um primitive Lebensformen handeln würde", schrieb etwa ein Teilnehmer. Interessanterweise stuften die Befragten ihre eigene Reaktion aber positiver ein als die vom Rest der Menschheit.

Freude beim Speer-Asteroiden Oumuamua

Um auszuschließen, dass nicht etwa Nachrichten aus der Wissenschaft generell positiver aufgenommen werden, machten die Forscher noch einen Test: Sie teilten über 500 Probanden in zwei Gruppen ein und ließen sie ihre Reaktionen auf den Artikel über die angeblichen fossilen Mikrobenspuren aufschreiben. Die andere Gruppe sollte einen Artikel über künstliches Leben, an dem der bekannte Genforscher Craig Venter arbeitete, beurteilen.

Auch hier schnitten die Text über das außerirdische Leben besser ab. "Viele scheint die Tatsache beeindruckt zu haben, dass auf einem anderen Planten als der Erde Leben möglich ist", erklärt Studienleiter Michael Varnum.

Auch die Reaktion auf Nachrichten zum Speer-Asteroiden Oumuamua wurde von Probanden positiv aufgenommen, so Varnum bei einer Pressekonferenz in Austin. Forscher hatten das merkwürdige Objekt auf Funksignale abgehört, um auszuschließen, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiffe handeln könnte.

Allerdings gibt der Psychologe zu bedenken, dass die Studie nur eingeschränkte Aussagen zulässt. So sei es nicht möglich, die Reaktion auf unterschiedliche Formen von außerirdischem Leben wie etwa Mikroben oder höher entwickelte Formen genau zu unterscheiden - dafür sei die Datenbasis zu gering und letztlich fehle ja auch eine glaubhafte Nachricht über intelligente Aliens. "Wenn außerirdische Kriegsschiffe über der Erde auftauchen würden, wäre die Reaktion sicher nicht positiv", glaubt Varnum.

Warum die Menschen offenbar positiv über außerirdisches Leben denken, darüber kann er nur spekulieren. "Vielleicht gefällt uns einfach die Vorstellung, nicht allein zu sein", sagt er. "Es könnte die Fragen beantworten, wer wir eigentlich sind und welchen Platz wir im Universum haben."

insgesamt 99 Beiträge
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Neandiausdemtal 16.02.2018
1. Die Frage kann sich jeder selbst beantworten
Möchte irgendjemand von Typen wie uns entdeckt werden? Die Frage können amerikanische und afrikanische Ureinwohner wunderbar beantworten, Und für den umgekehrten Fall, den eines Besuchs bei uns, sind Szenarien wie in "Independence Day" nicht unwahrscheinlich. Allerdings ohne Happy End.
larsmach 16.02.2018
2. Das Weltall: Wie ein Stein - voller Mikroorganismen...
Selbstverständlich ist das Weltall voller Leben: Abermilliarden Galaxien, jede davon mit Milliarden und sogar Billionen Sonnen... Trotzdem sind die Abstände irrsinnig groß, und unser Sternenhimmel Millionen bis Milliarden Jahre alt (so lange braucht schließlich das Licht der Sterne zur Erde). Die beobachteten Sterne stehen heute ganz woanders... Und wie alt sind wir? 300.000 Jahre Homo sapiens? Und wie viel dieser Geschichte wurde aufgeschrieben? Wie viel auf Speichersticks abgelegt!? Ein Quentchen "moderne" Zivilisation. Anderswo beginnt wohl gerade eine intelligente Lebensform (somit schlechte Voraussetzung für den baldigen Bau von Radioteleskopen zum Empfang unserer Signale für die nächsten 299.900 Erdenjahre... denn etwa so lange haben die Menschen dafür gebraucht). Intelligente Wesen sind wir heute immerhin, auch wenn praktisch niemand von uns weiß, wie man aus ein paar Drähten usw. Radiowellen erzeugt. Wir sind meist "Fachidioten", die wissen, welchen Bereich eines Touchscreens man berühren muss, um ein Foto zu schießen... Wir leben im Digitalzeitalter und wissen oft nicht einmal, wie ein analoges Telefon mit automatischer Vermittlung funktioniert. Ach, so wird es denen da draußen sicher auch gehen! Mag auch sein, dass irgendwo mehr Glück bei der Suche nach Nachbarn besteht oder bestanden hat: Zwei Zivilisationen, einigermaßen zeitgleich entstanden, nicht weit voneinander entfernt... die sich gefunden haben.
lupo62 16.02.2018
3.
Nach aktuellen Kenntnisstand wimmelt es in All nur so von Leben, auf Millionen, vielleicht Milliarden Planeten. Eine ganz andere Frage ist, ob sich darunter auch intelligente Wesen befinden. Dass man bisher keinerlei Funkverkehr abgehört hat, ist schon seltsam. Es gibt zwei mögliche Erkärungen: 1. Sie haben etwas anderes, viel Besseres als elektomagnetische Wellen und nutzten diese deshalb nicht mehr. 2. Etwa zu der Zeit, als Rundfunk und Fernsehen in Gebrauch kommen, entdeckt man mit schöner Regelmäßigkeit auch Massenvernichtungswaffen und rottet sich aus oder bombt sich wieder in die Steinzeit. Möglichkeit zwei scheint um einiges wahrscheinlicher zu sein...
fvaderno 16.02.2018
4. Religion ist auch eine Glaubenssache.
Und die zitierten Forscher wissen auch nicht mehr als wir. Stephen Hawkins wurde ja hier nicht umfassend zitiert. Er kennt sich zumindest in Astrophysik exzellent aus. Er meinte auch, dass wir froh sein sollen, wenn uns andere Lebewesen nicht auffinden. Denn würden sie es tun, wären sie der Menschheit weit, weit voraus und wir würden wahrscheinlich unterworfen werden. Nachlesen kann man das im unter dem Artikel aufgeführten Verzeichnis verwandter Artikel.
kai-ser210 16.02.2018
5. Kulturübergreifende Freude
Wäre wirklich die Mehrheit der Menschen positiv gestimmt über die Nachricht von außerirdischem Leben? Oder nur die "westliche Welt"? Kann mir eher vorstellen, dass in Ländern wie Pakistan, Indien und ähnlich konservativen Ländern großes Chaos wegen so einer Neuigkeit ausbrechen würde. Dort sind ja bestimmt nicht alle Menschen offen für so eine krasse Kertwende in der Glaubenspolitik.
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