Beinahe-Kollisionen: Erde schüttelt Asteroiden heftig durch

Wehe, wenn sie der Erde zu nahe kommen! Beinahe-Kollisionen mit Asteroiden sind nicht nur für die Erde eine heikle Sache, sondern auch für die kosmischen Flugkörper: Sie werden von unserem Planeten so durchgeschüttelt, dass sich ihre Oberfläche total verändert.

Asteroidengürtel (Zeichnung): Erde verändert Oberfläche von Asteroiden Zur Großansicht
NASA / JPL-Caltech

Asteroidengürtel (Zeichnung): Erde verändert Oberfläche von Asteroiden

Ein Asteroideneinschlag ist eine bedrohliche Sache - und hat in der Erdgeschichte auch schon mehrfach verheerende Folgen gehabt. Möglicherweise war solch eine Katastrophe der Grund für das Aussterben der Dinosaurier.

So werden dicht an unserem Planeten vorbeifliegende Gesteinsbrocken mit Argusaugen beobachtet. Doch solche Beinahe-Kollisionen mit vorbeifliegenden Asteroiden sind nicht nur für die Erde heikel, auch die Asteroiden kommen nicht ungeschoren davon. Gelangen die kleinen Gesteinskörper in die Nähe der Erde, werden sie so durchgeschüttelt, dass sich ihre Oberfläche völlig verändert. Das hat ein US-Forschungsteam um Richard Binzel vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge entdeckt.

Die Forscher lösten mit ihren Beobachtungen möglicherweise auch ein jahrzehntealtes Rätsel der Astronomie: Asteroiden, die im Weltraum ihre Runden ziehen, verfügen nämlich meistens über eine andere Farbe als Meteoriten, die auf die Erde fallen. Im Fachmagazin "Nature" berichten die Forscher, dass die durch Erschütterungen veränderte Oberfläche möglicherweise der Grund dafür sein könnte.

Beim Durchschütteln dringt unverwittertes Material an die Oberfläche

Von Hawaii aus beobachteten die Forscher mit einem großen Nasa-Teleskop Asteroiden, die sich nach kosmischen Maßstäben in der Nähe der Erde befanden - und uns zumindest auf 48 Millionen Kilometer nahe kommen. Bei 95 von ihnen bestimmten sie die Umlaufbahn und berechneten, wie nahe die Flugkörper der Erde in den vergangenen 500.000 Jahren gekommen waren. In 75 Fällen gelangten die Asteroiden dabei in den Wirkungsbereich unseres Planeten. Bei 20 von ihnen fanden die Wissenschaftler eine schwächere rötliche Oberflächenfärbung als bei den restlichen.

Die Forscher erklären sich diese Beobachtung wie folgt: Asteroiden, die sich frei im Weltraum bewegen, erhalten mit der Zeit eine rötliche Farbe, da ihre Oberfläche verwittert. Wenn nun einer von ihnen der Erde zu nahe kommt, kann es vorkommen, dass er starken Erschütterungen ausgesetzt wird und dabei seine Deckschicht aufbricht. Die Folge: Frisches, unverwittertes Material - sogenannter Regolith - gelangt an die Oberfläche des Asteroiden. Das scheint vor allem bei solchen Gesteinskörpern der Fall zu sein, die in einer Entfernung von weniger als einem Viertel des Abstandes Erde-Mond an uns vorbeifliegen. Die Beobachtung erkläre auch, warum die Gesteinsbrocken, die tatsächlich auf der Erde aufschlagen, fast alle zu diesem Typ gehörten, schreiben die Forscher.

Viele Details über die seismischen Erschütterungen sind noch ungeklärt. Die Wissenschaftler vermuten zwar, dass die Gravitationskraft der Erde diese auslösen könnte. Bestätigt ist das aber noch nicht. Sicher sei lediglich, dass die Erschütterungen aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren hervorgingen, schreiben die Forscher. So scheinen etwa die Geschwindigkeit der Asteroiden, die Dauer des Zusammentreffens mit dem Wirkungsraum der Erde sowie die Größe und Form der Asteroiden einen Einfluss auf den seismischen Prozess zu haben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass 48 Millionen Kilometer ein Viertel des Abstandes zwischen Erde und Mond seien. Das ist falsch. Der Gesamtabstand schwankt tatsächlich zwischen 363.200 und 405.500 Kilometern. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

lub/ddp

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