Israelische Mission "Bereschit" So wollen private Firmen den Mond erobern

Die israelische Sonde "Bereschit" steht vor dem Start zum Mond. Es ist das erste Mal, dass so eine Mission privat organisiert wird. Beginnt hier eine neue Ära der Raumfahrt?

Roboter "Bereschit" auf dem Mond (künstlerische Darstellung)
SpaceIL

Roboter "Bereschit" auf dem Mond (künstlerische Darstellung)

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Die Revolution beginnt fast versteckt. Wenn am Freitagmorgen gegen zwei Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens SpaceX planmäßig vom Startplatz 40 am Cape Canaveral in Florida abhebt, ist die Haupt-Nutzlast in ihrer Spitze ein indonesischer Telekommunikationssatellit. "Nusantara Satu" heißt er und soll die Internetanbindung in dem südostasiatischen Land mit seinen Tausenden Inseln verbessern. Der Satellit hat der Mission ihren Namen gegeben.

Doch die Rakete, die bereits zum dritten Mal ins All fliegt, hat noch etwas anderes an Bord. Die Falcon 9 soll auch die von dem israelischen Team SpaceIL entwickelte Mondfähre "Bereschit" auf den Weg bringen. Und dieser - selbst mit Treibstoff nur 600 Kilogramm schwere - Mini-Landeroboter könnte das erste private Raumfahrzeug werden, das auf dem Mond aufsetzt. Das leichteste übrigens auch.

"Bereschit" heißt so viel wie "im Anfang", es ist der Name für das erste Buch Mose, mit der jüdische Tanach und das christliche Alte Testament beginnen. Tatsächlich wäre die Mission ein Anfang, und was für einer! Ziemlich genau 50 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung durch Neil Armstrong und Buzz Aldrin würde sie eine neue Ära einläuten. Eine Ära, in der neben staatlichen Raumfahrtagenturen auch Unternehmen Sonden zum Mond schicken. Auch weil sie hoffen, dort Geld verdienen zu können.

"Am Freitagmorgen werden wir Geschichte schreiben", so wird Ido Antebi, der Chef von SpaceIL zitiert. In der Tat: Bisher sind erst drei Staaten sanft auf dem Mond gelandet: vor Jahrzehnten die USA sowie die Sowjetunion. Später folgte dann - kürzlich sogar auf der erdabgewandten Seite des Erdtrabanten - die Volksrepublik China. All diese Missionen aber wurden von milliardenschweren staatlichen Raumfahrtprogrammen geschickt. Auch Indien, das in diesem Jahr mit "Chandrayaan 2" erstmals auf dem Mond landen will, macht das so.

Bei "Bereschit" dagegen ist die Sache anders, hier kommt ein Großteil der Mittel von privaten Geldgebern, dem Unternehmer Morris Kahn und einer Stiftung, der Adelson Family Foundation. "Ich möchte nicht der reichste Mann auf dem Friedhof sein", hat Kahn erklärt." Er wolle sein Geld möglichst produktiv nutzen. "Und ich möchte auch das Gefühl haben, dass ich es auf eine Art eingesetzt habe, die mir Spaß macht." Das US-Magazin "The Verge" berichtet, von den insgesamt 90 Millionen Dollar Missionskosten würden nur zwei Millionen von der israelischen Regierung getragen.

Milliardär Morris Kahn (Mitte) mit Raumfahrtmanager Opher Doron (li.) und SpaceIL-Chef Ido Anteby (re.)
Tomer Levi

Milliardär Morris Kahn (Mitte) mit Raumfahrtmanager Opher Doron (li.) und SpaceIL-Chef Ido Anteby (re.)

Wenn alles nach Plan läuft, wird der Roboter in den kommenden Wochen zunächst viele Male die Erde umkreisen. Der erdferne Teil seiner Bahn soll sich dabei immer mehr von der Oberfläche unseres Planeten entfernen. Anfang April dann würde "Bereschit" von der Schwerkraft des Mondes eingefangen. Das Landemanöver in der Mondregion Mare Serenitatis, dem Meer der Heiterkeit, ist aktuell für den 11. April geplant. Der Termin kann sich aber noch ändern.

Nach dem Aufsetzen wird der vierbeinige Roboter, selbst wenn alles glatt geht, nur ein kurzes Leben haben. Weil ihm ein Kühlsystem fehlt, dürfte er nach einigen Tagen überhitzen. Vorher soll er aber unter anderem die Stärke des Mond-Magnetismus messen. Das ist unter anderem deswegen interessant, weil frühere Missionen im Basaltboden des Landegebiets eine deutlich erhöhte Gesteinsdichte festgestellt hatten. Und weil "Bereschit" mit Raketendüsen Hüpfer auf der Mondoberfläche machen soll, könnte er die Messungen an verschiedenen Stellen wiederholen.

Auch "Alina" aus Berlin will zum Mond

Egal wie die Sache am Ende ausgeht - die "Bereschit"-Mission dürfte nur die erste von zahlreichen privaten Mondflügen in den kommenden Jahren sein. SpaceIL arbeitet aktuell nicht gewinnorientiert, andere Mondfahrer hoffen durchaus auf Einnahmen.

Die Firma PTScientists aus Berlin etwa plant, im ersten Quartal 2020 zum Mond zu starten. Wenn dabei alles klappt, soll der Roboter "Alina" zwei kleine Rover unweit der Landestelle von "Apollo 17" absetzen. "Wir wünschen unseren Kollegen von SpaceIL viel Glück und Erfolg", sagt PTScientists-Chef Robert Böhme. Die "hoffentlich erfolgreiche" Landung werde beweisen, dass privat finanzierte Mondmissionen möglich seien. "Damit stößt SpaceIL das Tor für die private Raumfahrt zum Mond weiter auf."

Der Mond (von der Internationalen Raumstation aus fotografiert)
NASA

Der Mond (von der Internationalen Raumstation aus fotografiert)

Die PTScientists hatten sich eine Zeit lang ein Wettrennen mit SpaceIL geliefert. Beide Gruppen waren zusammen mit anderen beim Google Lunar X Prize angetreten, den eine US-Stiftung im Jahr 2007 ausgelobt hatte. Dabei standen mehr als 20 Millionen Dollar für diejenige Gruppe in Aussicht, die als erstes mit einem Roboter bestimmte Aufgaben auf dem Mond gelöst hätte: weiche Landung, 500 Meter Strecke zurücklegen, HD-Bilder und Videos zur Erde schicken.

Am Ende des Wettbewerbs hatte es allerdings kein Team rechtzeitig geschafft, ins All zu starten. Der Google Lunar X Prize wurde im vergangenen Jahr ohne Sieger beendet. Doch einige Gruppen, neben SpaceIL und den PTScientists etwa auch die US-Firmen Astrobotic und Moon Express, machten einfach weiter - weil sie inzwischen davon ausgingen, dass sie eventuelle Preisgelder für ihr Budget gar nicht brauchen. Sie wollen stattdessen mit regelmäßigen Transportflügen zum Mond Geld verdienen.

Interessant ist das zum Beispiel für Forschergruppen an Universitäten, die Experimente auf dem Mond durchführen möchten. An eine eigene Mondsonde wagten solche Teams aus Kostengründen bislang nicht denken - und ebenso nicht, zum Beispiel mit SpaceX über den Ankauf einer Rakete zu verhandeln.

Früher wäre die Geschichte des gewünschten Experiments hier zu Ende gewesen. Doch nun können sich die Wissenschaftler an eine der neuen, noch kleinen Firmen wenden, die Lieferungen zur Mondoberfläche anbieten. Dort werden Anfragen dieser Art gesammelt. Sind genug Aufträge zusammengekommen, kauft das Unternehmen einen Frachtplatz auf einer Rakete, fertigt einen Landeroboter - und baut dort die Experimente der Kunden ein. Dann geht es los. Die Kosten werden zwischen den Nutzern geteilt.

Auch Nasa und Esa wollen mit den Privatunternehmen zusammenarbeiten

Neben Forschern könnten auch Telekommunikationsunternehmen solche Dienste nutzen - oder Privatleute, die Gegenstände jedweder Art auf dem Mond ablegen wollen. Sogar die Nasa will Transportservices zum Mond von Firmen einkaufen. Und das ist besonders interessant: Einerseits plant die US-Weltraumbehörde zusammen mit internationalen Partnern im kommenden Jahrzehnt eine milliardenteure Raumstation im Mondorbit, das sogenannte Gateway. Es ist ein gigantisches Projekt, von dessen Nutzen auch nicht alle Experten überzeugt sind. Raumfahrt auf die alte Art sozusagen.

Gleichzeitig will auch die Nasa bei der Privatisierung mitmischen und mit kommerziellen Partnern für schnelle und billige Mondmissionen zusammenarbeiten. Für die Raumfahrt der neuen Art hat die Behörde ein bis zu 2,6 Milliarden Dollar schweres Einkaufsprogramm aufgelegt, an dem aktuell neun Firmen beteiligt sind. "Wenn ich es mir wünschen könnte, würde ich gern in diesem Kalenderjahr fliegen", sagt Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen. "Uns ist Geschwindigkeit wichtig. Wir wollen anfangen, aufs Tor zu schießen."

Auch die Europäische Weltraumorganisation Esa will mit privaten Partnern zum Mond. Sie lässt gerade eine Mission prüfen, bei der es um die Gewinnung von Wasser und Sauerstoff aus Mondgestein geht. Zusammen mit Airbus wollen sich auch die PTScientists aus Berlin daran beteiligen. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB wiederum hat sich mit Israel Aerospace Industries zusammengetan, wo der "Bereschit"-Lander gebaut wurde.

Die private Mond-Revolution kommt also. Wenn alles glatt geht, beginnt sie mit "Bereschit". Wenn nicht, geht sie eben ein bisschen später los. Rückschläge sind dabei durchaus eingeplant: Nasa-Manager Zurbuchen hat es für die von der Nasa geförderten Flüge so ausgedrückt: "Wir erwarten nicht, dass jeder dieser Starts oder jede dieser Landungen erfolgreich ist."


Zusammengefasst: Mit der israelischen Mission "Bereschit" fliegt erstmals eine Sonde zum Mond, die vor allem von privaten Geldgebern und nur wenig von einer staatlichen Raumfahrtagentur bezahlt wurde. Es ist möglich, dass die Mission scheitert. Es werden aber weitere private Flüge zum Mond folgen. Mehrere Firmen versuchen, mit Transportservices auf die Mondoberfläche Geld zu verdienen. Interessant ist das zum Beispiel für Forscher, die kein Geld für eine Mission bekommen würden, aber ihre Instrumente bei einem gemeinsamen Flug mit anderen mitschicken könnten.



insgesamt 9 Beiträge
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zeichenkette 21.02.2019
1. Doofer Titel...
Da will keiner "den Mond erobern"... Oder macht ihr mittlerweile auch A/B-Tests, um zu sehen, ob sich mit bewußt reißerischen Titeln mehr Aufrufe provozieren lassen? Laut URL heißt der Artikel "bereschit-israelische-mission-laeutet-aera-privater-mondfluege-ein", in der Version des Artikels, die ich sehe, steht im Titel "Private Firmen wollen den Mond erobern". Naja.
three-horses 21.02.2019
2. Reicht nicht die Erde?
Nach den US haben nun auch die aus China eine Menge Abfall hinterlassen. Bei mehr wird der Mondle dann richtig sauer. Traurig ist der schon. Wer es nicht glaubt, ist gerade Vollmond, der freut sich für ein Gespräch.
zeichenkette 21.02.2019
3.
Zitat von three-horsesNach den US haben nun auch die aus China eine Menge Abfall hinterlassen. Bei mehr wird der Mondle dann richtig sauer. Traurig ist der schon. Wer es nicht glaubt, ist gerade Vollmond, der freut sich für ein Gespräch.
Der Mond ist nur ein Steinhaufen. Alles, was wir dort hinterlassen, besteht aus hohen Konzentrationen dort eher seltener bzw. nur sehr verteilt aufzufindender Elemente, ist also per Definition eher das genaue Gegenteil von "Abfall". Aber danke für die Gelegenheit, das mal wieder sagen zu dürfen.
headmiller 21.02.2019
4. Und damit es eine richtige ...
Mission wird: Eine israelische Bibel wird auch auf den Mond gebeamt. Schade, dass dies nicht erwähnt wird. Sehr schade! Denn nur so erklären sich die 2 Millionen die Israel beisteuert. Ach ja und jetzt die Frage meiner Enkelin: Wieviel Milliarden Götter gibt es eigentlich in den uns bekannten Galaxien? Da musste ich passen. Auf jeden Fall sehr viele. Na hoffentlich gibt es jetzt keinen neuen Glaubenskrieg!
scoopx 21.02.2019
5. Oh!
"Die Firma PTScientists aus Berlin etwa plant, im ersten Quartal 2020 zum Mond zu starten. Wenn dabei alles klappt, soll der Roboter "Alina" zwei kleine Rover unweit der Landestelle von "Apollo 17" absetzen." Sind das heimliche Mondlandungs-Skeptiker? Besser wäre es noch, Bilder von den Überbleibseln von Apollo 11 zu bekommen. Im übrigen scheinen bemannte Flüge zum Mond weiterhin nicht geplant zu sein.
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