Beweis erbracht "Kepler"-Teleskop kann erdähnliche Planeten finden

Die Fahndung nach der zweiten Erde kann beginnen: Das "Kepler"-Weltraumteleskop hat nach Meinung von Forschern erstmals bewiesen, dass es auch kleine Felsplaneten aufspüren kann. Die Entdeckung eines erdähnlichen Himmelskörpers scheint greifbar nahe.


Die ersten Fotos des neuen "Kepler"-Weltraumteleskops haben Astronomen bereits begeistert. Jetzt hat das Observatorium erstmals bewiesen, dass es in der Lage ist, seine eigentliche Aufgabe zu meistern: die erste Entdeckung eines erdähnlichen Planeten.

Das war bisher technisch nicht möglich: Die derzeit verwendeten Teleskope sind lediglich in der Lage, riesige Gasplaneten aufzuspüren, die ihre Heimatsterne in geringem Abstand umkreisen - was sie zu glühend heißen Einöden macht. Für die Entdeckung kleinerer Felsplaneten, die weiter entfernt von ihrem Stern ihre Bahnen ziehen, hat die Auflösung bisheriger Observatorien nicht ausgereicht.

"Kepler", das im Mai ins All geschossen wurde, hat nach Meinung von Wissenschaftlern nun bewiesen, dass es dieser Aufgabe gewachsen ist. Das Teleskop hat einen Exoplaneten namens HAT-P-7b ins Visier genommen. Der Gasriese von der Größe des Jupiters befindet sich unter den rund 300 bereits bekannten Exoplaneten.

Nach nur zehntägiger Beobachtungszeit lagen extrem genaue Messungen von der Atmosphäre und Umlaufbahn des Gasplaneten vor. Sie beweisen nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa, das "Kepler" in der Lage ist, erdähnliche Planeten zu finden. Zudem seien die Kalibrierung des Systems sowie die Fertigstellung der Datenanalyse-Software nicht einmal ganz abgeschlossen, schreibt das Team um Nasa-Forscher William Borucki im Fachblatt "Science".

Die Messungen des Gasplaneten HAT-P-7b waren nach Angaben der Wissenschaftler so präzise, dass sie nicht nur die Abdunklung des Sternenlichts an sich, sondern auch das sanfte Fallen und Steigen der Helligkeit gezeigt hätten. Verursacht wird das durch die verschiedenen Phasen des Planeten, wie man sie in ähnlicher Form auch vom irdischen Mond kennt.

Das "Kepler"-Teleskop habe einen "dramatischen Auftritt" hingelegt, sagte Jon Morse vom Nasa-Hauptquartier in Washington. "Die Atmosphäre eines Planeten nach nur zehn Tagen zu identifizieren ist nur ein Vorgeschmack der Dinge, die noch kommen werden. Die Planetenjagd ist eröffnet!"

"Kepler" wird in den nächsten dreieinhalb Jahren mit Hilfe der Transitmethode nach erdähnlichen Planeten fahnden: Es hält nach den winzigen Helligkeitsschwankungen Ausschau, die beim Vorbeiziehen des Planeten an seinem Heimatstern entstehen. Das Teleskop wird dafür ein Feld mit rund 100.000 Sternen konstant beobachten. Im Mittelpunkt des Interesses stehen Felsplaneten, die sich in der sogenannten grünen Zone befinden - jenem Gebiet, in dem die Temperaturen auf der Oberfläche die Existenz flüssigen Wassers erlauben.

mbe/Reuters



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