Bilder vom Mars Klebriger Lehm könnte auf Leben deuten

Die ersten Mars-Farbbilder des Nasa-Rovers "Spirit" faszinieren die Wissenschaftler. Für Spekulationen sorgt vor allem ein seltsamer lehmartiger Fleck in der Nähe des Roboters. Laut Nasa könnte es sich gar um ein Zeichen früherer Wasservorkommen und damit für Leben auf dem Mars handeln.


Mars in Farbe: Das erste hoch auflösende Bild von "Spirit" entzückt die Forscher
NASA

Mars in Farbe: Das erste hoch auflösende Bild von "Spirit" entzückt die Forscher

Jim Bell blieb buchstäblich die Spucke weg. So begeistert war der für "Spirits" Panorama-Kamera zuständige Forscher, dass er erst gar nichts herausbrachte und dann auf kriegerisches Vokabular zurückgriff. So etwas wie "Shock and Awe", "Ehrfurcht und Schrecken", habe ihn beim Anblick der Bilder des Mars-Rovers ergriffen. Mit einer speziellen Software können die Wissenschaftler einen virtuellen Flug durch das spektakuläre Foto vollführen, Felsen aus der Nähe betrachten und die Landschaft erkunden. "Das Bild hat in etwa die Farbe, die man sehen würde, wenn man selbst auf der Marsoberfläche stünde", sagte Bell.

Tausende von Steinen liegen auf der weiten Ebene rund um "Spirit" verstreut, jeder glatt geblasen durch den eisenreichen Staub, der von heftigen Winden über das rotbraune Angesicht des Planeten gefegt wird. "Wir haben nicht die blasseste Ahnung, woraus diese Brocken bestehen", sagte "Spirit"-Chefwissenschaftler Steven Squyres.

"Wir wissen nicht, was es zusammenhält"

Mehr noch als die Felsen aber elektrisiert die Forscher ein dunkler Fleck direkt neben dem Mars-Rover. Die Fläche zeigt Spuren der Airbags, die den Sturz von "Spirit" abfederten. Das lehmähnliche Material haftet allerdings auf eine äußerst seltsame Art zusammen. "Es sieht aus wie Schlamm, aber es kann kein Schlamm sein", sagte Squyres. "Wir wissen nicht, was es zusammenhält." Allerdings spekulierte der Forscher, dass verdunstetes Wasser Salze hinterlassen haben könnte, die den Staub klebrig machten. Ein solcher Beweis für frühere Wasservorkommen auf dem Mars wäre eine kleine Sensation.

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Mars in Farbe: "Spirit"-Bilder faszinieren Wissenschaftler
Wissenschaftler glauben, dass sie die seltsame Substanz nicht zum ersten Mal sehen. Eine "Schicht aus zusammenhängendem Material" wurde bereits auf den Fotos der "Viking"-Sonden der siebziger Jahre ausgemacht. Die Forscher tauften sie damals auf "Duracrust".

Beste Bedingungen für den Mars-Ausflug

In den nächsten Tagen soll "Spirit" seine Instrumente ausfahren und seinen 90-tägigen Ausflug auf dem Mars beginnen. Die Bedingungen sind offenbar hervorragend. Laut Nasa scheint keiner der Felsen in unmittelbarer Umgebung höher als 20 Zentimeter zu sein - klein genug, dass "Spirit" mit Leichtigkeit über sie hinweg rollen kann. Der Rover könne bis zu 15 Meter pro Tag zurücklegen, in seiner jetzigen Umgebung aber wahrscheinlich noch mehr.

Seltsame lehmartige Substanz: "Duracrust" gibt Forschern Rätsel auf
NASA

Seltsame lehmartige Substanz: "Duracrust" gibt Forschern Rätsel auf

Anfang kommender Woche sollen auch die deutschen Forschungsgeräte an Bord von "Spirit" ihre Arbeit aufnehmen. Die beiden Spektrometer sollen unter anderem herausfinden, ob es vor etlichen Millionen Jahren Wasser auf dem Mars gegeben hat, wie der zuständige deutsche Wissenschaftler Göstar Klingelhöfer vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie in Mainz erklärte.

"Die Untersuchungen können beginnen, nachdem die US-Raumsonde von der Landeplattform heruntergefahren ist", sagte Klingelhöfer. "Die beiden Spektrometer wurden bereits erfolgreich getestet, und sie funktionieren bestens." Der Mainzer Chemiker und sein Wissenschaftlerteam haben die ersten Tests mit Experten der Nasa in der Bodenzentrale im kalifornischen Pasadena verfolgt.

Deutsche Instrumente analysieren Steine und Staub

Das an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz entwickelte Mössbauer-Spektrometer "Mimos II" wird laut Klingelhöfer erstmals die direkte Bestimmung von Gesteins- und Bodenproben auf dem Mars ermöglichen. Das 500 Gramm schwere Gerät in der Größe einer Getränkedose sendet mit Hilfe einer radioaktiven Quelle Gammastrahlen aus, die auf das Gestein treffen und reflektiert werden. Die Messwerte geben Auskunft über die mineralogische Zusammensetzung.

Ähnlich arbeitet laut Klingelhöfer das vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie entwickelte Alpha-Proton-Röntgenspektrometer, das die chemische Zusammensetzung von Steinen und Staub auf dem Mars bestimmen soll. "Die Bestimmung geht relativ schnell, aber die Auswertung mit Ergebnissen von anderen Messgeräten wird sicherlich Wochen oder Monate brauchen." Die Entwicklung der Geräte hat laut Klingelhöfer etwa eineinhalb bis zwei Millionen Euro gekostet.

Markus Becker



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