Bizarre Struktur Mysteriöses Sechseck in der Saturn-Atmosphäre

In der Saturn-Atmosphäre rotiert ein fast perfektes Sechseck. Die seltsame Struktur, zu sehen auf Fotos und in einem Video der Raumsonde "Cassini", lässt Forscher ratlos zurück. Vor über 20 Jahren hatten sie das Sechseck erstmals beobachtet - und seitdem erfolglos nach ihm gefahndet.


"So etwas haben wir noch auf keinem anderen Planeten gesehen", sagte Kevin Baines vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa. In der Atmosphäre des Saturns gibt es ein nahezu perfektes Sechseck, das die Sonde "Cassini" mit ihrer Infrarotkamera jetzt über dem Nordpol des Planeten abgelichtet hat. "Eine sehr seltsame Struktur", sagte Baines. In der dicken Atmosphäre des Saturns hätte man am wenigsten mit so etwas gerechnet.

Verschwörungstheoretiker könnten das Sechseck womöglich als Hinweis für fremde Zivilisationen deuten, und natürlich sind auch die Nasa-Wissenschaftler fasziniert, obgleich sie die Struktur mit einem sehr irdischen Phänomen erklären.

Das Hexagon in der Saturn-Atmosphäre entspreche dem Polarwirbel auf der Erde, teilte die Nasa mit, nur sei dieser auf der Erde eher rund. Zu beobachten ist das Phänomen sowohl am Nordpol als auch am Südpol, wo sich Luftmassen kreisförmig bewegen. Ursache ist eine großräumige Kaltluftzone, die im polaren Winter die atmosphärische Zirkulation verursacht.

Das gigantische Sechseck - sein Durchmesser beträgt 25.000 Kilometer - war bereits vor über 20 Jahren auf Fotos der US-Sonden "Voyager 1" und "Voyager 2" aufgetaucht. Wissenschaftler hatten seitdem nach den Sechsecken gefahndet, konnten sie aber erst mit Hilfe von "Cassini" erneut nachweisen. Zumindest scheint nun festzustehen, dass es sich um eine länger andauernde Erscheinung handelt.

Am Saturn-Südpol haben Forscher bereits einen Hurrikan mit einem gigantischen Auge entdeckt, und am Nordpol nun eine komplett andere geometrische Struktur. "Es ist erstaunlich, solch völlig verschiedene Strukturen an gegenüberliegenden Polen des Saturns zu finden", sagte Bob Brown, Leiter des Spektrometerteams von "Cassini".

Infrarotbilder aus dem Polarwinter

Um das Sechseck überhaupt aufspüren zu können, mussten die Wissenschaftler eine Infrarotkamera an Bord der Sonde nutzen, die von Nasa, Esa und der italienischen Raumfahrtagentur gemeinsam betrieben wird. Am Saturn-Nordpol herrscht derzeit noch der 15 Erdenjahre währende Polarwinter; im Bereich des sichtbaren Lichts ist somit keine Beobachtung möglich. Die Forscher hoffen aber, nach dem Ende des Polarwinters in etwa zwei Jahren auch in diesem Wellenlängenbereich Fotos des Hexagons schießen zu können.

Die Mitte des Sechsecks scheint genau in der Rotationsachse des Planeten zu liegen, wie das Video und ein Vergleich mit den "Voyager"-Aufnahmen zeigen. Offenbar rotiert das Hexagon auch genauso schnell wie der Gasplanet, über dessen genaue Rotationsgeschwindigkeit Astronomen noch rätseln. Vor einem Jahr erst hatten Nasa-Wissenschaftler herausgefunden, dass ein Saturn-Tag nicht 10 Stunden und 39 Minuten, sondern womöglich acht Minuten länger dauert. Die Berechnungen beruhen auf Messungen der Radio-Emissionen des Planeten, die jedoch nicht exakt periodisch sind. "Wenn wir seine dynamische Struktur verstanden haben, dann könnte uns das langlebige polare Hexagon Hinweise auf die Rotationsgeschwindigkeit der tiefer gelegenen Atmosphäre geben", sagte Baines.

hda



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