Bizarres Geschoss Astronomen in Sorge wegen Doppel-Asteroid

Einen seltsamer Doppel-Asteroid haben Astronomen unter spezielle Beobachtung genommen. Der kosmische Brocken rotiert so schnell, dass er demnächst auseinanderfliegen könnte. Sollte das geschehen, besteht für die Erde möglicherweise Gefahr.

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Es sind die ersten detaillierten Bilder eines binären Asteroiden-Systems: Zwei kosmische Brocken umtanzen sich, gefangen in ihrer gegenseitigen Anziehungskraft - ähnlich wie Mond und Erde, nur sehr viel kleiner. Und sehr viel schneller.

Es ist diese Geschwindigkeit, die Forschern zu denken gibt: Der größere der beiden Gesteinshaufen rotiert so schnell, dass er kurz vor dem Auseinanderbrechen steht, schreiben Steven Ostro von der Nasa und Daniel Scheeres von der University of Michigan mit ihren Kollegen im Fachblatt "Science". Sollte dies geschehen, könnte auch der Erde Gefahr drohen.

Eigentlich hatten Experten schon Entwarnung in Sachen 1999 KW4 gegeben: Als der 1,5 Kilometer große Gesteinshaufen im Mai 2001 in nur fünf Millionen Kilometern Entfernung an der Erde vorbeirauschte, konnten die Forscher ihn detailliert vermessen und fotografieren. Die erste Analyse der Daten hat ergeben, dass der Brocken in den nächsten 1000 Jahren nicht auf der Erde einschlagen wird. Damit rutschte 1999 KW4 offiziell von der Liste der potentiell gefährlichen Asteroiden.

Doch jetzt haben die Teams von Ostro und Scheeres die endgültigen Ergebnisse der Radar-Vermessung vorgelegt - und nun ist durchaus wieder von einer möglichen Gefahr für die Erde die Rede. Denn der größere der beiden Brocken - die Forscher nennen ihn "Alpha" - braucht nur knapp drei Stunden, um sich einmal um sich selbst zu drehen. Der kleinere Teil, "Beta", kreist so schnell um Alpha, dass er wie eine Untertasse plattgedrückt und in die Länge gedehnt ist. Sollte Alphas Rotationstempo nur geringfügig weiter steigen, würde der Asteroid auseinanderfliegen, schreibt Scheeres' Team in "Science".

In einer Pressemitteilung erklärt Scheeres, dass auch weiterhin keine nennenswerte Gefahr einer Kollision zwischen 1999 KW4 und der Erde bestehe. Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung glaubt aber, dass die Möglichkeit eines Zusammenstoßes steigen könnte, sollte der Asteroid auseinanderbrechen. Und das sei durchaus vorstellbar. "Durch seine unregelmäßige Form wird der Asteroid von der Sonneneinstrahlung an manchen Stellen stärker erwärmt als an anderen", sagte Böhnhardt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Durch diesen sogenannten Yorp-Effekt könne die Rotationsgeschwindigkeit von 1999 KW4 weiter steigen.

"Falls er auseinanderbricht, wäre es denkbar, dass die Fragmente die jetzige Umlaufbahn des Asteroiden verlassen", sagte Böhnhardt. "Dann würde sich die Kollisionswahrscheinlichkeit für diese Objekte ändern." Allerdings müsste man für genauere Aussagen wissen, wie der Asteroid auseinanderbrechen würde. "Und das ist nicht vorhersagbar."

Deshalb ist die Erforschung von 1999 KW4 nach Scheeres' Ansicht so wichtig: "Diese Ergebnisse haben tiefgreifende Konsequenzen für die Entschärfung der Kollisionsgefahr der Erde mit Asteroiden."



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