Himmelsspektakel Mondfinsternis - es geht los!

Der Blutmond geht auf: Freitagabend ist über Deutschland die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts zu sehen. Wo lässt sich das Spektakel am besten beobachten - und was ist das Besondere? Der Überblick.

Blutmond über Hamburg (Archiv)
DPA

Blutmond über Hamburg (Archiv)


Gleich zwei seltene astronomische Konstellationen sind am späten Freitagabend am Nachthimmel über Deutschland zu sehen: die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts und ein riesig wirkender, der Erde besonders naher Mars. Als astronomische Zugabe fliegt pünktlich zum Höhepunkt des Himmelsspektakels auch noch die ISS vorbei.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Jahrhundertereignis.

Was kann man wann sehen?

Ab wann die Mondfinsternis zu beobachten ist, hängt vom Wohnort ab. In Berlin erfolgt der Mondaufgang um 20.58, in Hamburg um 21.17, in Köln um 21.18, in Frankfurt am Main um 21:06 Uhr, in Leipzig um 20.57 und in München um 20.47 Uhr. Wann der Mond wo aufgeht, ist hier nachzulesen.

Wenn der Mond in Deutschland aufgeht, hat die Mondfinsternis bereits begonnen. Es dauert aber noch einige Minuten, bis der Mond komplett in den Kernschatten der Erde eintaucht und die totale Finsternis erreicht wird.

Schon wenn der Mond aufgeht, wird er deutlich rötlich erscheinen, daher kommt auch der Name Blutmond. Etwas südlich zum Mond wird auch der Mars zu sehen sein. Anfangs stehen beide nahe am Horizont, steigen aber im Verlauf der Nacht etwas höher.

Im Video: Die XXL-Mondfinsternis - erklärt

Reuters; SPIEGEL ONLINE

Die maximale Verfinsterung tritt um 22.22 Uhr ein. Wenige Minuten später, gegen 22.30 Uhr wird die Internationale Raumstation (ISS) am Himmel auftauchen und sich dabei gen Osten bewegen und heller erscheinen als jeder Stern. Das Spektakel dauert etwa sechs Minuten. Nach Mitternacht wird zu sehen sein, wie der Mond den Erdschatten verlässt. Es wird Stück für Stück heller. Um 1.30 Uhr hat der Mond den Halbschatten komplett verlassen.

"Der Mond ist gleich merklich röter und dunkler", kündigt Astronomin Carolin Liefke von der VdS und dem Haus der Astronomie in Heidelberg an. "Es ist klar und deutlich zu sehen, dass er anders aussieht als sonst."

Wo sollte man am Himmel hingucken?

Menschen im Süden und im Osten Deutschlands haben die besten Chancen, die Mondfinsternis zu beobachten, weil der Mond im Osten früher aufgeht und im Süden am höchsten über dem Horizont steht. Egal wo, wichtig ist ein bis zum Horizont freier Blick in südöstliche Richtung - auch weitgehend frei von künstlichen Lichtquellen. Zur Mitte der totalen Mondfinsternis ist der Mars etwa sechs Grad südlich des Mondes zu erkennen, direkt über dem Horizont. Dann könne man versuchen, beide zusammen zu fotografieren.

Wie sind die Wetteraussichten für die Nacht?

Es werden hochsommerlichen Temperaturen und größtenteils klare Sicht erwartet. Im Südosten und Osten erschweren allerdings Quellwolken die Sicht, wie Meteorologe Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach sagt. An einigen Orten könne es dort sogar Schauer mit Starkregen und Gewittern geben. Im Westen und Norden ist mit tropischen Nächten - also mehr als 20 Grad - zu rechnen. Am Abend sind noch 25 bis 27 Grad drin.

Was passiert überhaupt mit dem Mond?

Zu einer Mondfinsternis kommt es nur bei Vollmond, wenn Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Der Mond taucht dabei völlig in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde in den Weltraum wirft.

Am Freitag dauert die Phase der kompletten Verfinsterung eine Stunde und 43 Minuten und ist damit die längste des Jahrhunderts. Übertroffen wird diese Dauer erst bei der Mondfinsternis am 9. Juni 2123 - um etwa drei Minuten. "Damit hat sie dann fast die maximal mögliche Länge von einer Stunde und 47 Minuten erreicht", sagt Liefke.

Warum leuchtet der Mond im Erdschatten kupferrot bis orange?

Während die kurzwelligen blauen Lichtwellen der Sonnenstrahlen vollständig von der Erdatmosphäre gestreut werden, wird langwelliges, rotes Licht gebrochen und in Richtung Mond gelenkt. Dadurch schimmert der Mond rötlich und wir auch Blutmond genannt.

Warum ist der Mars so hell und rot?

Der Mars ist der Erde im Moment so nah wie selten. Er ist nur rund 58 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Das ist der Minimalabstand. Anders als die Erde braucht der Mars auf seiner weiter entfernten Umlaufbahn um die Sonne nicht ein, sondern fast zwei Jahre. Wenn die Erde den Mars auf der Innenbahn überholt und der Mars der Sonne vergleichsweise nahe steht, ist er am Himmel besonders hell und vergleichsweise groß zu sehen. Zuletzt war uns der Mars vor 15 Jahren so nahe.

Handelt es sich wirklich um ein Jahrhundertereignis?

Eine totale Mondfinsternis ist keine absolute Ausnahme, statistisch gesehen lässt sie sich etwa alle zwei bis drei Jahre beobachten - allerdings nicht immer in voller Länge. Das Besondere an dieser totalen Mondfinsternis ist, dass sie lange dauert. Der Mond wird insgesamt mehr als eine Stunde und vierzig Minuten komplett im Schatten der Erde sein.

Eine totale Mondfinsternis mit ähnlicher Länge und dem genau gleichen Stand des Mars gibt es im Schnitt sogar nur alle 105.000 Jahre, wie Berechnungen von Stefan Krause von der Volkssternwarte Bonn zeigen. Dass gleichzeitig auch noch die ISS über den Himmel fliegt, wird es wohl nie wieder geben.

koe/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.