Satellitenbild der Woche Dunkle Schleier vor São Paulo

Anfang September entdeckten brasilianische Forscher dunkle Verfärbungen im blauen Wasser des Atlantiks. Ein Ölteppich war es nicht - was dann?

Strand von Caraguatatuba
NASA Earth Observatory/ Joshua Stevens

Strand von Caraguatatuba


17 Strände listet die englische Wikipedia für die brasilianische Küstenstadt Caraguatatuba auf. Im Sommer sind sie gut besucht, bis São Paulo, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, sind es 170 Kilometer.

Aus dem Weltall sieht die Region paradiesisch aus: Das tiefblaue Wasser des Atlantiks kontrastiert mit den hellen Tönen der Strände und dem kräftigen Grün der Wälder im Hinterland.

Doch Anfang September fielen Wissenschaftlern dunkle Wirbel im Ozean auf. Bei den Schlangenlinien im Wasser handelte es sich glücklicherweise nicht etwa um ausgelaufenes Öl, sondern um Phytoplankton.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Eine Aufnahme des Nasa-Satelliten "Landsat 8" zeigt die Ausmaße der Algenblüte. Sie erstrecke sich auf mehr als 100 Kilometer Länge, teilte die Nasa mit. Und auch direkt vor dem Strand von Caraguatatuba seien dunkle Wirbel im Wasser gut erkennbar.

Wissenschaftler der Universität São Paulo berichten, es handle sich um sogenannte Dinoflagellaten. Nach der Analyse von Wasserproben, die in der Bucht von Caraguatatuba entnommen wurden, konnten die Forscher auch die Art zuordnen, um die es sich wahrscheinlich handelt: Gymnodinium aureolum.

"Das ist eine schwierig zu bestimmende Art", sagte Aurea Maria Ciotti, Wissenschaftlerin am Zentrum für Meeresbiologie der Universität São Paulo. Man müsse noch Ergebnisse weiterer Tests abwarten. "Algenblüten sind hier sehr selten", sagte sie weiter. "Soweit wir wissen, ist es die erste mit dieser Art." Die dunkle Färbung des Wassers auf Satellitenfotos entsteht, weil die stark pigmentierten Zellen weniger Licht durchlassen.

Im Januar 2014 hatte eine andere Art, Myrionecta rubra, für dunkle Flecken vor Rio de Janeiro gesorgt. Sie reichten bis zu 800 Kilometer aufs Meer hinaus. Experten gaben damals der ungewöhnlichen Hitze die Hauptschuld an dem Phänomen. Die heiße und trockene Luft über dem Südatlantik lasse keine Kältefronten oder kühleren Winde durch. Deshalb sei die Wassertemperatur an der Meeresoberfläche auf 30 Grad gestiegen, sagte ein Meeresforscher.

Algenblüten sind nicht ungefährlich. Im Meer werden sie oft ausgelöst von Strömungen mit nährstoffreichem Wasser, Ursache können aber auch eingeleitete Schadstoffe sein. Manche Algen produzieren auch giftige Substanzen.

hda

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