Brocken aus dem All Mini-Asteroid rast knapp an der Erde vorbei

Ein kleiner Asteroid ist an der Erde vorbeigezogen. Tod und Zerstörung hätte er wohl selbst bei einer Kollision nicht gebracht. Dennoch erinnert das kosmische Rendezvous daran, dass die Gefahr eines Einschlags real ist.

Vorbeiflug grafisch dargestellt: 2010 TD54 passierte die Erde in 45.000 Kilometern
NASA / JPL

Vorbeiflug grafisch dargestellt: 2010 TD54 passierte die Erde in 45.000 Kilometern


Pasadena - Man muss es sich vorstellen wie eine Autofahrt durch einen Mückenschwarm. Regelmäßig klatschen Tiere auf die Windschutzscheibe, doch die meisten ziehen einfach daran vorbei. So ähnlich verhält es sich, wenn die Erde im All ihre Bahn zieht. Immer wieder kommen ihr kleinere kosmische Körper nahe. Manche von ihnen treten auch in die Atmosphäre ein - und verglühen dort zumeist. Einige wenige schlagen auf der Oberfläche auf, die meisten aber streifen die Atmosphäre nicht einmal.

Trotzdem ist ein herannahender Asteroid immer wieder von großer Faszination - wohl auch, weil sich die Menschheit bis heute nicht vor einem katastrophalen Einschlag und dessen Folgen schützen könnte. Nun ist am Dienstagvormittag wieder ein kosmischer Körper in vergleichsweise geringem Abstand an der Erde vorbeigeschossen.

Das Objekt mit dem Namen 2010 TD54 flog in einem Abstand von etwa 45.000 Kilometern vorbei - also ein Stück weit oberhalb der geostationären Satelliten. Nach Nasa-Angaben lag die Stelle des kürzesten Abstandes hoch über Südostasien nahe Singapur.

Der Brocken war erst vor wenigen Tagen vom einem Teleskop des Projekts "Catalina Sky Survey" in Tucson (US-Bundesstaat Arizona) entdeckt worden. Die genaue Größe des Asteroiden war schwer zu ermitteln. Astronomen gehen aber von fünf bis zehn Metern aus. Das heißt, selbst wenn 2010 TD54 in die Erdatmosphäre eingetreten wäre, hätte es wohl keinen Einschlag gegeben. Das Objekt wäre verglüht und hätte dabei einen spektakulären Anblick geboten.

Angst vor dem Überraschungstreffer

Die Nasa betreibt ein Netzwerk von Teleskopen im Rahmen des "Near Earth Object Observations Program", um die größeren Asteroiden und Kometen dauerhaft im Blick zu haben. Bisher sind 85 Prozent der größten Objekte im Bereich zwischen Mars und Jupiter erfasst.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bereitet außerdem die Satellitenmission "AsteroidFinder" vor (siehe Fotostrecke), die sich speziell um Asteroiden kümmern soll, die zwischen der Erde und der Sonne ihre Bahnen ziehen. Zu sehen waren diese sogenannten Inner Earth Objects bisher kaum, weil sie sich gegen die Sonne nur schwer beobachten lassen.

Fotostrecke

5  Bilder
"AsteroidFinder": Suche nach der kosmischen Bedrohung
Zur Bedrohung könnten sie zum Beispiel dann werden, wenn sie von der Gravitation der Venus auf eine gefährliche Bahn umgelenkt würden - mit Kurs auf die Erde. Kurzfristig ist der Einschlag eines größeren Asteroiden, das sehen alle Wissenschaftler so, vor allem eine hypothetische Bedrohung. Eine konkrete Gefahr gibt es - nach allem, was die Astronomen wissen - nicht.

Der Vorbeiflug vom Dienstag erinnert allerdings auch daran, dass der nächste Treffer nur eine Frage der Zeit ist. Und nach wie vor ist die Menschheit schlecht auf ein solches Ereignis vorbereitet. Im Januar 2008 etwa verfehlte ein 250-Meter-Brocken die Erde nur knapp. Er war nur dreieinhalb Monaten zuvor entdeckt worden - für Gegenmaßnahmen wäre viel zu wenig Zeit geblieben.

chs

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