"Brrison"-Mission der Nasa Mit dem Ballon auf Kometenjagd

Es geht auch eine Nummer kleiner: Die Nasa will in den kommenden Tagen mit einem Ballon zur Kometenbeobachtung starten. Das soll störungsarme Bilder ermöglichen - und ist deutlich billiger als eine klassische Raummission.

Komet Ison (im April, aufgenommen vom "Hubble"-Teleskop): Flug Richtung Sonne
NASA/ ESA/ Hubble Heritage Team/ STScI/ AURA

Komet Ison (im April, aufgenommen vom "Hubble"-Teleskop): Flug Richtung Sonne


Wie hell genau der Komet Ison am spätherbstlichen Himmel strahlen wird, wissen Astronomen noch nicht - doch sie hoffen auf ein Spektakel. Der kosmische Vagabund aus der Oortschen Wolke wird unserer Sonne am 28. November gefährlich nahe kommen. Im Moment rast er mit ungefähr 115.000 Kilometern pro Stunde auf unser Zentralgestirn zu.

Wenn er das Zusammentreffen übersteht, könnte Ison anschließend heller leuchten als die hellsten Kometen der vergangenen Jahrzehnte. Im Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters" haben die Astronomen Matthew Knight und Kevin Walsh kürzlich vorgerechnet, dass die Chancen für ein Überleben des Kometen zumindest nicht ganz schlecht stehen.

Die US-Weltraumbehörde Nasa will dem Himmelskörper sicherheitshalber schon jetzt einmal auf den Zahn fühlen. Dazu soll voraussichtlich am Sonntag das fliegende Observatorium "Brrison" ("Balloon Rapid Response for Comet ISON") von einem Stützpunkt im US-Bundesstaat New Mexico aufsteigen - mit Hilfe eines riesigen Heliumballons. Jedenfalls wenn das Wetter passt. Entscheidend sind Windrichtung und -geschwindigkeit. Die Idee dabei: Ganz am Rand der Erdatmosphäre werden die Beobachtungen kaum noch gestört. Gleichzeitig fallen die Kosten weit niedriger aus als bei einer normalen Raummission.

Im Visier: Ison, Encke, Themis und Elektra

Die in einem Rahmen aus Aluminium untergebrachte Ausstattung des Ballons basiert auf dem "Stratospheric TeraHertz Observatory", das Wissenschaftler bereits über der Antarktis hatten aufsteigen lassen. Beobachtungsziel war damals die Milchstraße. Zur wissenschaftlichen Ausstattung von "Brrison" gehört nun unter anderem ein 0,8-Meter-Spiegelteleskop. Der Ballon soll es für ungestörte Beobachtungen in 34 bis 42 Kilometer Höhe bringen. Kameras werden dann Fotos im Bereich des sichtbaren Lichts und im Infrarotbereich machen.

Das funktioniert aber nur, wenn ausgefeilte Stabilisatoren wie geplant dafür sorgen, dass das Teleskop nicht zu stark hin und her schwankt. Neben Ison wollen die Nasa-Wissenschaftler auch den Kometen Encke, die Asteroiden Themis und Elektra sowie Jupitermonde ins Visier nehmen. Das Observatorium wird allerdings nur einen Tag in der Luft sein, dann platzt der Ballon. Eine längere Zeit im All traut man sich bei der Nasa nicht zu - weil der Ballon mit seiner Nutzlast dann in Richtung bevölkerter Gebiete treiben und dort niedergehen könnte.

chs



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