Budgetprobleme: Nasa fehlt Geld für Asteroiden-Jagd

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa soll potentiell gefährliche Asteroiden aufspüren. Vor allem kleinere Himmelskörper, die beim Kontakt mit der Erdatmosphäre explodieren, bereiten den Forschern Sorgen. Ihnen fehlt es jedoch an Geld.

"Wir wissen, was zu tun ist, aber wir haben einfach nicht das Geld", sagte Simon Warden, Direktor des Ames Research Center der Nasa. Es werde etwa eine Milliarde Dollar (760 Millionen Euro) kosten, bis 2020 mindestens 90 Prozent der rund 20.000 Himmelskörper zu finden, die der Erde gefährlich werden könnten, heißt es in einem am gestrigen Montag bekannt gewordenen Nasa-Bericht.

Der US-Kongress hatte die Behörde 2005 damit beauftragt, einen Plan zum Aufspüren dieser Asteroiden auszuarbeiten. Zudem sollte sich die Nasa überlegen, wie die gefährlichsten unter ihnen aus ihrer Bahn gelenkt werden könnten.

Besonderes Kopfzerbrechen bereiten den Nasa-Wissenschaftlern Asteroiden mit einem Durchmesser ab 140 Metern. Die Folgen einer Begegnung mit der Erde könnten verheerend sein, selbst wenn diese die Erdatmosphäre nur streifen. Die Asteroiden könnten in der Nähe der Erde explodieren, weil sie sich in der Atmosphäre erhitzen - gigantische Schockwellen wären die Folge. Die Sprengkraft würde der von rund 100 Millionen Tonnen konventionellem Sprengstoff entsprechen. Dies würde laut dem Bericht reichen, um einen kleinen US-Bundesstaat zu verwüsten.

Größere Asteroiden mit einem Durchmesser ab einem Kilometer, die im Falle einer Kollision das gesamte Leben auf der Erde auslöschen könnten, werden von der Nasa bereits erfasst und untersucht. Insgesamt haben die Wissenschaftler 769 solche Giganten entdeckt, keiner davon befindet sich auf direktem Kollisionskurs mit der Erde.

Um auch kleinere Asteroiden zu erfassen, müsste laut Nasa entweder eigens ein Teleskop dafür auf der Erde gebaut werden (Kostenpunkt rund 800 Millionen Dollar) oder aber ein Infrarot-Teleskop ins All geschossen werden (Kosten 1,1 Milliarden Dollar). Nasa-Wissenschaftler Lindley Johnson sagte, beide Optionen seien vom Weißen Haus als zu teuer verworfen worden.

Billiger wäre, die Asteroiden mit bestehenden Teleskopen zu suchen - sozusagen Huckepack mit laufenden Forschungsprogrammen. Dies würde laut Johnson 300 Millionen Dollar kosten, aber auch diese Variante sei abgelehnt worden. "Die Entscheidung ist so, dass wir erst einmal gar nichts machen können", sagte er.

Gefährliche Asteroiden waren auch Thema auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS), die kürzlich in San Francisco stattfand. Paul Slovic von der University of Oregon berichtete, dass die Brocken aus dem All nahezu ideale Studienobjekte für Risikowahrnehmungs-Forscher darstellten. Schließlich sei ein Asteroiden-Einschlag die "ultimative Naturkatastrophe" für Leute, die nach Ereignissen mit möglichst winziger Wahrscheinlichkeit aber verheerenden Folgen suchten.

Trefferwahrscheinlichkeit 2,7 Prozent?

"Menschen nehmen die Realität grundsätzlich auf zwei unterschiedliche Arten wahr", erklärte Slovic. "Auf eine emotional-intuitive und eine rational-analytische." Letztere greift bei Gefahren, die Homo sapiens nicht mit eigenen Erfahrungen und Gefühlen in Verbindung bringen kann oder aber im Reich des Unkontrollierbaren verortet - und deshalb meist unterschätzt. "Menschen sorgen sich viel weniger über das, was die Natur anrichten kann, als über das, was ihnen andere Menschen antun könnten", sagte Slovic.

Im Dezember 2004 schien eine solche Katastrophe kurzzeitig möglich: Wissenschaftler hatten den Asteroiden 2004 MN4 ausfindig gemacht, der später in "99942 Apophis" umbenannt wurde - nach dem altägyptischen Gott für Chaos und Finsternis. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer wurde mit bis zu 2,7 Prozent angegeben. Nur wenige Tage später allerdings erfolgte die Entwarnung: Die Chance, dass Apophis irgendwann die Erde trifft, erscheint aus heutiger Sicht gering.

Allerdings ist eine Kollision auch nicht ausgeschlossen: Der Asteroid könnte bei seinem engen Vorbeiflug an der Erde im April 2029 so abgelenkt werden, dass er sieben Jahre später einschlägt. Die Wahrscheinlichkeit hierfür liegt unterschiedlichen Berechnungen zufolge zwischen 1:5500 und 1:30.000. Sollte der etwa 300 Meter große Apophis die Erde treffen, würde er Berechnungen der Nasa zufolge eine Sprengkraft von knapp 1500 Megatonnen TNT entwickeln - rund 100.000-mal mehr als die Hiroshima-Bombe.

hda/AP

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