"Cassini" Saturnsonde ist abgestürzt

Zwanzig Jahre war "Cassini" unterwegs, jetzt ist die Mission beendet: Die Saturnsonde ist laut Nasa planmäßig in der Atmosphäre des Planeten verglüht.

Nasa-Flugdirektorin Julie Webster
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Nasa-Flugdirektorin Julie Webster


Es war eine Punktlandung: Wie geplant hat die Raumsonde "Cassini" am frühen Nachmittag MESZ ihre letzten Signale an das Nasa-Kontrollzentrum gesendet. Die US-Raumfahrtbehörde twitterte, dass "Cassini" nun Teil des Planeten sei, den sie erforscht hatte. Damit ist die zwanzigjährige Mission zu Ende.

Die 2125 Kilogramm schwere Sonde ist in der Atmosphäre des Saturn verglüht. Das letzte Signal sei wie erwartet um 13.55 Uhr (MESZ) aufgefangen worden, 83 Minuten nachdem die Sonde es ausgesendet habe, teilte die Nasa weiter mit. Der Grund für das Ende "Cassinis" ist Treibstoffmangel. Der Sonde gehen die Antriebsreserven aus.

Um zu vermeiden, dass "Cassini" irgendwann auf einen der Monde stürzt, hat sich die Nasa für dieses Ende der Mission entschieden. "Indem wir das Raumschiff sicher in der Atmosphäre des Saturn entsorgen, verhindern wir jede Möglichkeit, dass 'Cassini' in der Zukunft irgendwann auf die Monde des Saturns auftreffen und damit ihre unberührte weitere Erkundung unmöglich machen könnte", sagt Earl Maize von der Nasa.

Zuvor war "Cassini" als erste Raumsonde überhaupt 22 Mal zwischen dem Planeten und seinen Ringen hindurchgeflogen - eine Region, in der zuvor noch nie eine Sonde war. Bis zuletzt hatten mehrere wissenschaftliche Instrumente an Bord von "Cassini" gearbeitet und Daten zur Erde gesendet. Am Donnerstag funkte die Sonde ihre letzten Bilder.

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"Cassini"-Fotos: Abschiedsgrüße vom Saturn

"Cassini" war im Oktober 1997 gestartet und erreichte im Juli 2004 den Ringplaneten. Seither zog die Sonde ihre Bahnen durch das faszinierende Saturnsystem, entdeckte neue Ringe und Monde und enthüllte viele Geheimnisse des zweitgrößten Planeten im Sonnensystem. Zu "Cassinis" spektakulärsten Entdeckungen zählte der Nachweis eines unterirdischen flüssigen Ozeans auf dem kleinen Saturnmond Enceladus. An der rund 3,2 Milliarden Dollar teuren Mission waren Tausende Mitarbeiter aus 17 Ländern beteiligt.

Die Mission in Stichpunkten:

  • Im Oktober 1997 gestartet, erreichte "Cassini" mit der europäischen Landesonde "Huygens" huckepack Anfang Juli 2004 den Saturn. Seither zog sie ihre Bahnen durch das faszinierende Saturnsystem, entdeckte neue Ringe und Monde und enthüllte viele Geheimnisse des zweitgrößten Planeten im Sonnensystem.
  • Ein erster großer Erfolg der Planetenmission war im Januar 2005 die Landung von "Huygens" auf dem größten Saturnmond Titan. Die Messdaten der nach dem niederländischen Astronomen Christian Huygens (1629 bis 1695) benannten und einer fliegenden Untertasse ähnelnden Landesonde offenbarten eine eisige Landschaft auf Titan mit riesigen Seen aus Methan in der Nähe der Pole.
  • In den Folgejahren erforschte die "Cassini"-Sonde, die den Namen des französischen Astronomen Giovanni Domenico Cassini (1625 bis 1712) trägt, nach und nach die geheimnisvolle Welt des Saturn. Dabei lieferte sie nicht nur beeindruckende Bilder der Saturnringe, sondern präsentierte den Wissenschaftlern auch völlig unerwartete Forschungsergebnisse: Zu "Cassinis" spektakulärsten Entdeckungen zählt der Nachweis eines unterirdischen flüssigen Ozeans auf dem kleinen Saturnmond Enceladus.
  • Die Existenz flüssigen Wassers nährte die Vermutung, dass Enceladus oder auch Titan günstige Bedingungen für das Entstehen von Leben bieten könnten. Laut dem Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) gaben diese Entdeckungen von "Cassini" auch den Ausschlag für das spektakuläre Ende der Mission - also den kontrollierten Absturz der Sonde in die Saturnatmosphäre, den die Nasa "Grand Finale" nennt.
  • Denn die Alternative, die Raumsonde mit den letzten Treibstoffreserven auf eine mehr oder weniger stabile Umlaufbahn um den Saturn zu bringen, barg ein entscheidendes Risiko, teilte das MPS jüngst mit: "Durch kleine Störungen könnte die Sonde im Laufe der Zeit vom Kurs abkommen, auf einen der Monde stürzen und diesen kontaminieren."
  • Den Nasa-Angaben zufolge war es durchaus denkbar, dass irdische Mikroben an Bord von "Cassini" die lange Reise durchs Weltall überlebt hätten. Der Sturzflug in den Gasplaneten bot somit die sicherste Möglichkeit einer "umweltschonenden" Entsorgung der Sonde, erklärte das MPS, an dem unter anderem ein Teilchendetektor von "Cassini" entwickelt wurde.
  • Vor dem Start von "Cassini" 1997 hatten Kritiker auf die Gefahr einer ganz anderen Kontamination hingewiesen - nicht durch Mikroben, sondern durch die mit radioaktivem Plutonium betriebenen Batterien an Bord der Sonde. Gegner der Mission befürchteten damals ein Unglück beim Start oder ein Verglühen von "Cassini" in der Erdatmosphäre bei einem späteren dichten Vorbeiflug der Sonde an unserem Planeten. Doch die Mission verlief planmäßig, und schon bald trat der Streit um das Plutonium hinter die wissenschaftlichen Ziele des "Cassini"/"Huygens"-Projekts zurück.

brt/AFP/dpa

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spon-facebook-10000523851 15.09.2017
1. Das wohl bisher
grossartigste Program ist zuende gegangen. Die Boulevard Presse berichtet von kleinen gruenen Lebewesen, die mit Schaufel und Besen auf Saturn aufraeumten.
vish 15.09.2017
2. Mach's gut Cassini.
Und vielen Dank für die Erweiterung des menschlichen Horizonts.
nachdenk... 15.09.2017
3. Glück gehabt
Schön, dass das Plutonium 238 (genug um 1,2 Mrd. Menschen zu töten) nun „Teil des Saturn“ ist, und sich nicht beim Start schön in unserer Atmosphäre verteilt hat oder auf einem Saturnmond das dort ggf. mögliche Leben bedroht. Aber die Bilder sind schon klasse!
static2206 15.09.2017
4. Klasse und vor allem beeindruckend
Im Endeffekt baut man solche Sonden auf gut glück und hofft, dass sie ihre Arbeitsdauer überstehen. Umso beeindruckender ist es, wenn die Geräte weit über ihren Lebenszyklus funktionieren. (z.b. auch die Voyagersonden).
ingofischer 15.09.2017
5. Alle Achtung, aber was wäre eigentlich an Mikroben so schlimm
Ja was die Wissenschaft heutzutage bzw. schon vor 20 Jahren so alles zu Stande bringt, ist wirklich beachtlich. Warum es eigentlich so schlimm wäre, wenn (unbeabsichtigt) durch die Mikroben das einzigartige Leben der Erde im leblosen Rest des Universum verteilt werden würde. Dass die Diskussion um das Plutonium die eigentliche wissenschaftliche Arbeit derart überlagert finde ich persönlich zum Haar raufen. Tagtäglich wird der mit unvorstellbar großem Abstand einzigartigster Planet des Sonnensystems zugemüllt und verseucht. Und nun hat man Bedenken dass eventuell eine handvoll Plutonium auf einem weitentfernten "toten Materieklumpen" fallen könnte - ich versteh es nicht.
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