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Sonde "Dawn" bei Ceres: Was macht der weiße Fleck da?

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Kleinplanet: Ceres und sein frostiges Geheimnis Fotos
REUTERS/NASA/JPL-Caltech

Erstmals umkreist ein Forschungssatellit einen Zwergplaneten: Die Nasa-Sone "Dawn" hat Ceres erreicht. Forscher wollen untersuchen, wie viel Wasser es dort gibt - und das Rätsel eines mysteriösen Flecks lösen.

Kurze Frage an die Kreuzworträtselfans da draußen: Gesucht ist die römische Göttin des Ackerbaus mit fünf Buchstaben.

Die Antwort: Ceres.

Kennen Sie nicht?

Wetten, Sie kennen sie doch?

Wenn Sie morgens eine Schale Cerealien in sich hineinlöffeln oder im Spanienurlaub ein Cerveza bestellen, dann ist diese strohblonde Göttin verantwortlich dafür, dass diese Dinge so heißen. Sie hat auch einem Himmelkörper ihren Namen gegeben. Nun hat dieser Zwergplanet Besuch von der Erde: Die Nasa-Raumsonde "Dawn" hat sich am Freitag gezielt von seinem Schwerefeld einfangen lassen, um Ceres aus der Nähe zu erforschen.

Mit 900 Kilometern Durchmesser ist Ceres das größte Objekt im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Seit Monaten hatten die Xenon-Ionentriebwerke "Dawn" langsam aber stetig abgebremst, um dort anzukommen. Schon beim Anflug hatte die Sonde beeindruckende Bilder ihres Ziels geliefert. Es ist das erste Mal überhaupt, dass jetzt ein Zwergplanet von einem Forschungssatelliten umkreist wird.

"Wir gelangen zunächst auf die Nachtseite von Ceres", sagt Andreas Nathues vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. "In den nächsten Tagen wird der Kleinplanet für uns deswegen nur als kleine, dünne Sichel zu sehen sein." Nach und nach werden die Bilder dann besser, ab Ende April wird die Sonde den geheimnisvollen Himmelskörper aus 13.520 Kilometern Höhe untersuchen.

Nathues ist Chef eines Teams, das zwei Kamerasysteme an Bord von "Dawn" entwickelt hat. Insgesamt sechsmal sollen sie die komplette Oberfläche von Ceres fotografieren, fünfmal davon in Farbe.

"Wir fragen uns noch immer, was das ist"

Bisher wissen Forscher verblüffend wenig über den Kleinplaneten. Dabei wurde der schon vor mehr als 200 Jahren vom italienischen Astronomen Giuseppe Piazzi entdeckt, der ihn als Kometen identifizierte. Heute können ihn Amateur-Astronomen ohne größere Mühe in den Blick ihrer Teleskope nehmen. Doch selbst mit der besten Technik, etwa dem "Hubble"-Weltraumteleskop, ließen sich bisher nur grobe Strukturen auf dem Himmelskörper ausmachen - darunter ein großer weißer Fleck. "Wir fragen uns noch immer, was das ist", sagt Andreas Nathues.

"Dawn" soll diese Frage klären - und die Antworten versprechen spannend zu werden. Womöglich handelt es sich nämlich um Eis. Dass Ceres zu einem Viertel aus Wasser bestehen muss, ist bereits klar. Nur so lässt sich seine vergleichsweise geringe Dichte erklären. "Wir wissen noch nicht, in welcher Form das Wasser vorliegt", sagt Andreas Nathues. Gibt es dicke, im Inneren verborgene Eisschichten? Oder schwappt gar irgendwo in der Tiefe ein Ozean flüssigen - und extrem salzigen - Wassers? Und wenn ja, welche Kräfte sorgen dafür, dass dieses nicht gefroren ist?

Im vergangenen Jahr hatte ein Team um Michael Küppers von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) das Wasser von Ceres erstmals direkt nachgewiesen - als Moleküle in der Nachbarschaft des Kleinplaneten. Die Wissenschaftler hatten mit Daten des mittlerweile eingemotteten "Herschel"-Teleskops gezeigt, dass an mindestens zwei Stellen des Kleinplaneten insgesamt etwa sechs Kilogramm Wasser pro Sekunde ins All entweichen. Das klingt nicht nach viel - andererseits läuft der Prozess womöglich seit den Jugendtagen des Sonnensystems.

Jupiter schnappte Material weg

Vor rund vier Milliarden Jahren war Ceres auf gutem Weg, zu einem Planeten zu werden. Ganz ähnlich wie der Kleinplanet Vesta übrigens, den "Dawn" bereits ein Jahr lang untersucht hat. Doch der große Jupiter sorgte dafür, dass die beiden Körper nicht mehr wachsen konnten - weil er ihnen das meiste Baumaterial durch seine Gravitation wegschnappte.

"Ceres genau zu untersuchen, ist wie eine Art Geschichtsforschung im Weltall", sagt deswegen auch Jim Green, Direktor der Planetary Science Division der Nasa. Während sich das Antlitz anderer Gesteinsplaneten durch Vulkanismus - und im Fall unserer Erde auch durch die Plattentektonik - änderte, blieben Vesta und Ceres weitgehend intakt.

Mindestens 16 Monate lang soll "Dawn" nun an ihrem Ziel bleiben. Die Sonde soll der Oberfläche von Ceres dabei bis auf 400 Kilometer nahe kommen. Das ist ungefähr so weit wie die Internationale Raumstation von der Erde entfernt ist. Bei so intensiver Beobachtung, so die Hoffnung der Forscher, dürfte der Zwergplanet in den kommenden Monaten viele seiner Geheimnisse verlieren. "Es ist immer ein Puzzlespiel, wenn man nicht landen kann", sagt Ralf Raumann vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir viel herausbekommen."

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1. Keine Macht der Werbung
Untertan 2.0 06.03.2015
---Zitat--- Wenn Sie morgens eine Schale Cerealien in sich hineinlöffeln ---Zitatende--- Also ich halte nicht viel von Wortschöpfungen aus der Marketing-Abteilung und esse deshalb immer noch MÜSLI. Die römische Götten kenne ich deswegen trotzdem und selbst von dem gleichnamigen Planet habe ich bereits gehört.
2. Als Komet identifiziert? Nicht ganz.
kommanditente 06.03.2015
Ad hoc konnte Piazzi Ceres nicht als Planeten identifizieren, er sprach zwar von einem Kometen, hoffte aber, dass es sich um einen Planeten handle. Als solcher wurde er dann auch angenommen, wobei es, wie später auch bei Pluto, von Anfang an Vorbehalte dagegen gab. Diese führten dann einige Jahrzehnte später dazu, dass man Ceres (aber auch den danach entdeckten Vesta, Pallas und Juno) den Planetenstatus aberkannte und die neue Klasse der Asteroiden schuf.
3. Faszinierend
Montanabear 06.03.2015
Ich finde es immer faszinierend, wenn wir etwas Neues entdecken, erinnert es uns doch daran, dass es noch viel Unbekanntes gibt. Ja, ich möchte auch gern wissen, was der weisse Fleck bedeutet. (Und : Untertan 2.0 - auch ich finde die Wortschöpfung "Cerealien" abstoßend. Klingt irgendwie nach Hundefutter.)
4.
Tiananmen 06.03.2015
Zitat von Untertan 2.0Also ich halte nicht viel von Wortschöpfungen aus der Marketing-Abteilung und esse deshalb immer noch MÜSLI. Die römische Götten kenne ich deswegen trotzdem und selbst von dem gleichnamigen Planet habe ich bereits gehört.
Wenn Sie die römische Göttin Ceres kennen, dann haben Sie sich anscheinend nie Gedanken über ihren "Beruf" gemacht. Ceres war die Göttin der Feldfrüchte, insbesondere der Getreide. Deshalb heißen die Dinge, die Sie in Ihr Müsli tun *Cerealien*, sofern sie von Getreidearten abstammen. Die Getreideanteile heißen nämlich keinesfalls "Müsli". Erst das Gericht, das Sie unter Verwendung von Cerealien, Milchprodukten und (Trocken)Obst herstellen heißt dann "Müsli". Also nix mit Marketingabteilung. Wenn Sie das Marketing mit reinziehen wollen, dann eher bei Ceres griechischer Schwester, Demeter.
5. Cerealien
maximoseven 06.03.2015
@Tiananmen: Das ist zwar alles richtig. Tatsache ist aber auch, dass der Begriff vor zehn oder fünfzehn Jahren keineswegs gebräuchlich war. Gebräuchlich wurde er erst durch Marketingmaßnahmen. Produktebestandteile aus Getreide klingt halt irgendwie nicht so geschmeidig.
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