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Chemische Analyse: Marsboden ist lebensfreundlich

Die US-Sonde "Phoenix" hat erstmals den Marsboden chemisch untersucht - und spektakuläre Ergebnisse zur Erde gefunkt. Der Sand des Roten Planeten ist demnach keineswegs lebensfeindlich. Man könnte in ihm sogar Spargel und Bohnen anpflanzen.

Washington - Als "Phoenix" seinen zwei Meter langen Arm ausfuhr, ein wenig Marssand einsammelte und in sein kleines Bordlabor stopfte, konnten die Wissenschaftler noch nicht ahnen, was sie erfahren würden. Sie waren froh, dass die Operation nach einigen Widrigkeiten überhaupt geglückt war.

"Phoenix" füllte den Sand in einen Mini-Becher mit irdischem Wasser und rührte um. Sensoren analysierten die Brühe - und nun scheint klar: Die Oberfläche des Mars ist geeignet für die Existenz von Leben. "Der Boden auf dem Mars ähnelt einem normalen Gartenboden, in dem man Spargel anbauen kann", sagte Samuel Kounaves von der University of Arizona, der die Arbeit des Analyseofens an Bord von "Phoenix" kontrolliert.

In den Proben seien Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium oder Natrium enthalten. Auch grüne Bohnen oder Rüben könnten in einem solchen Boden gedeihen, meint Kounaves. "Wir sind absolut verblüfft von diesen Daten."

Sein Team sei überrascht, dass der Boden mit einem ph-Wert von 8 bis 9 relativ alkalisch ist. Auch ein hoher Salzgehalt wurde festgestellt - ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Teil der Oberfläche des Roten Planeten einst von Wasser bedeckt war, sagte Kounaves. Insgesamt ähnle der Marsboden in seiner chemischen Zusammensetzung den trockenen Hochtälern der Antarktis.

Für Leben schädliche Giftstoffe seien dagegen nicht aufgetaucht. "Es gibt nichts, was Leben ausschließen würde", sagte der Forscher. "Tatsächlich scheint der Mars ziemlich lebensfreundlich zu sein." In einem weiteren Experiment, bei dem die Bodenprobe auf hohe Temperaturen erhitzt wurde, seien Spuren von Wasserdampf gemessen worden. Organischer Kohlenstoff - eine Grundvoraussetzung für Leben - sei dabei aber nicht entdeckt worden.

David Paige von der University of California in Los Angeles zeigte sich dagegen weniger überrascht von den Ergebnissen. Ob der Marsboden tatsächlich lebensfreundlich sei, könne man noch nicht abschließend beurteilen, sagte der Planetologe, der nicht direkt mit dem "Phoenix"-Projekt zu tun hat. Die Existenz der Mineralien könne auch der natürlichen Verwitterung von Gestein geschuldet sein. "Es gibt noch viele offene Fragen über die Zusammensetzung des Marsbodens."

Die Marssonde "Phoenix" hatte Anfang Juni erste Bodenproben genommen. Die rund 350 Kilogramm schwere Sonde ist mit Instrumenten ausgestattet, die drei Monate lang die Zusammensetzung der Marsoberfläche analysieren sollen. Erst in der vergangenen Woche war "Phoenix" auf Eis im Marsboden gestoßen.

mbe/AFP/AP/rtr

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Bodenproben: "Phoenix" findet lebensfreundlichen Mars vor

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