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Chinesische Sonde auf dem Mond: Der "Jadehase" beginnt seine Erkundungsfahrt

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Chinas Sonde "Chang'e-3" ist auf dem Mond angekommen. Es ist das erste Mal seit fast 40 Jahren, dass ein Raumfahrzeug auf dem Erdtrabanten gelandet ist. Am späten Abend begann ein Roboter namens "Jadehase" seine Erkundungsfahrt.

Nicht nur für Weltraumenthusiasten ist es ein historischer Tag. Als drittes Land der Welt hat China am Samstag eine unbemannte Sonde auf dem Mond abgesetzt. "Chang'e-3" setzte kurz nach 14 Uhr MEZ auf. Im Kontrollzentrum in Peking brach spontaner Jubel aus. "Die Landung katapultiert die Chinesen in die erste Liga der Raumfahrtnationen", sagt Mondforscher Harald Hiesinger von der Universität Münster.

Das Manöver in der Mondregion mit dem malerischen Namen Regenbogenbucht (lateinisch: Sinus Iridum) verlief nach den bisher bekannten Informationen ohne Probleme. Staatliche Medien berichteten von einer sanften Landung. Seit dem Nikolaustag hatte "Chang'e-3" den Mond umkreist und war ihm dabei zwischenzeitlich bis auf 15 Kilometer nahegekommen. Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) hatte die Landung mit ihrem Kommunikationsnetzwerk unterstützt.

Der Landeplatz Sinus Iridum war mit Bedacht ausgewählt: Vor knapp vier Milliarden Jahren war dort ein mächtiger kosmischer Brocken eingeschlagen. Weil im Anschluss daran Lava aus unterirdischen Spalten aufstieg, sind große Teile der Regenbogenbucht sehr eben. Und wäre beim Abstieg dennoch ein Hindernis im Weg gewesen, hätte sich "Chang'e-3" noch aus 100 Metern Höhe einen neuen Landeplatz suchen können.

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Chinesische Sonde: Die Mondfee und ihr Jadehase
"Das Gebiet ist wissenschaftlich interessant"

Nicht nur die Technik an Bord, auch die Ausmaße der Sonde sind beeindruckend: Auf der Erde wiegt das Gefährt 1,2 Tonnen. Die Mondfähre hat außerdem ein solarbetriebenes Roboterfahrzeug namens "Yutu", zu Deutsch: "Jadehase", an Bord, das am späten Abend (MEZ) über eine Rampe auf die Mondoberfläche rollte. Der Name ist das Ergebnis einer Online-Abstimmung - und einigermaßen passend: Chang'e ist in der chinesischen Mythologie die Mondfee, der Jadehase ihr Gefährte.

Auf dem Mond soll sich "Yutu" notfalls auch in unwegsamem Gelände einen Weg bahnen können. "Das ausgewählte Gebiet ist wissenschaftlich interessant", sagt Mondforscher Hiesinger. Mit dem Krater Laplace-A liegt ein mögliches Reiseziel in der Nähe. Hier ließe sich anhand des ausgeworfenen Gesteins untersuchen, wie dick die Basaltschichten sind - und ob sich ihre Zusammensetzung in der Tiefe ändert. Auch ein sogenannter wrinkle ridge, wo sich verschiedene Mondgesteine übereinander geschoben haben, liegt nicht weit entfernt.

Die sechsrädrige Maschine soll bis zu zehn Kilometer weit fahren können, mit mehrfachen Pausen in der Dunkelheit der Mondnacht. Der Mond-Rover kommt wie eine etwas kleinere Version des Nasa-Marsmobils "Curiosity" daher. Mehrere hochauflösende Kameras haben die Umgebung im Blick, ein Radargerät analysiert den Untergrund. Roboterarme sammeln Bodenproben, die anschließend mit Spektrometern an Bord analysiert werden können. Wie viel der gesammelten Daten die Chinesen dann mit internationalen Wissenschaftlern teilen, steht auf einem anderen Blatt.

Chinas Mondpläne gehen noch weiter

Seit August 1976 ist keine von Menschen gebaute Maschine mehr auf dem Mond gelandet. Damals setzten die Sowjets die wuchtige "Luna 24" im Meer der Gefahren ab. Anschließend gelang es ihnen, 170 Gramm Mondgestein einzusammeln und mit einer kleinen Kapsel zurück zur Erde zu schicken. Ähnliches wollen bald auch Chinas Raumfahrtingenieure hinbekommen. Dafür tüfteln sie an einer Mission namens "Chang'e-5", die gegen Ende des Jahrzehnts mindestens zwei Kilogramm lunares Beutegut bergen soll.

Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Pekings Mondpläne sogar noch weiter gehen. Immer wieder ist davon die Rede, dass China früher oder später auch Astronauten auf den Erdtrabanten schicken wird. Folgerichtig wäre dieser Schritt allemal, mehr als 40 Jahre nachdem zuletzt ein Mensch in der dortigen Einöde herumstapfte.

Die USA haben den Mond der chinesischen Konkurrenz überlassen - und dem Enthusiasmus privater Raumfahrtunternehmer. Beim Wettbewerb "Google Lunar X-Prize" wollen mehrere Teams im Jahr 2015 einen Landeversuch wagen. Insgesamt geht es um eine Prämie von 30 Millionen Dollar. Manche Teilnehmer wollen später auch auf dem Mond Geschäfte machen. Die Firma Moon Express etwa plant den Abbau von Rohstoffen.

Doch die Flugtickets für Mondraketen sind teuer. Daher ist es längst noch nicht klar, ob überhaupt eines der Teams tatsächlich sein Wägelchen fristgerecht im Mondstaub rollen lassen wird. In China genießt das Raumfahrtprogramm dagegen die Unterstützung der Staats- und Parteispitze. Den Mond zu erreichen sei "seit alters her ein Wunsch der chinesischen Nation" gewesen, hieß es kürzlich in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zur "Chang'e-3"-Mission. Doch damit nicht genug: "Chinas Erforschung des Weltraums wird nicht am Mond aufhören. Das Ziel ist der tiefe Weltraum."

Bei so viel Ehrgeiz haben kürzlich auch die Organisatoren des "Google Lunar X-Prize" reagiert. Ursprünglich sollten die Prämien für die Privatteams um fünf Millionen Dollar gekürzt werden, wenn ihnen auf dem Weg zum Mond eine staatliche Mission zuvorkommt. Doch diese Regel wurde nun aufgehoben. Der Veranstalter des Wettbewerbs, eine gemeinnützige Stiftung, schüttet trotzdem die volle Summe aus - wohl auch, weil keiner der Privatiers ernsthaft mit der Finanzkraft der Chinesen konkurrieren kann.

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1. Meinen Glückwunsch!
rigo-de-hain 14.12.2013
zu dieser prima Leistung! Ich wünschte Deutschland würde mehr tun, um die Weiten des Alls zu erforschen. Wenn wir wirklich eine friedliche und zukunftsorientierte Nation sein wollen, müssen wir nach Star Trek Manier leben.
2. glückwunsch !!
superspeedy 14.12.2013
ich finde es klasse das der mond wieder in den focus rückt! ganz egal welche nation daran beteiligt ist. hoffendlich gibt es bald die erste mondbasis !!!
3. find ich gut
klausm0762 14.12.2013
Ein schöner Beleg dafür, dass die Chinesen echt was können, und nicht nur kopieren, auch wenn Ihnen das Image noch länger anhaften wird.
4. Lunochod 1 und Apollo 15
shalom-71 14.12.2013
Zur Erinnerung: Das erste sowjetische Mondfahrzeug (unbemannt) Lunochod 1 landete auf dem Mond am 17. November 1970. Das erste US-Mondfahrzeug landete zusammen mit der bemannten Mission Apollo 15 am 30. Juli 1971 auf dem Mond.
5. Auch meinen Glückwunsch!
a.led. 14.12.2013
Nun haben wir drei Nationen, die USA, Russland und nun China, die auf dem Mond wohl irgendwann gemeinsam spazieren gehen. Aber im Augenblick ja wohl noch nicht! Deswegen hat die Mond Fee bestimmt ihren Hasen mit dabei!? Eine Super Leistung! Also noch einmal herzlichen Glückwunsch an China!
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DPA
Trat der erste Mensch mit dem rechten oder dem linken Fuß auf den Mond, was taten die Astronauten nach der Landung als erstes - und warum gibt es kaum Fotos von Neil Armstrong auf dem Erdtrabanten?

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