"Corot"-Mission Planetenjäger unterwegs ins All

Kleinste Helligkeitsschwankungen können ferne Planeten verraten. "Corot" hat den bislang besten Blick dafür. Jetzt ist der europäische Satellit vom Weltraumbahnhof Baikonur aus gestartet. In den nächsten zweieinhalb Jahren soll er dutzende fremde Welten entdecken - vielleicht sogar ferne Erden.


Baikonur - Der Planetenjäger ist auf dem Weg Richtung Erdumlaufbahn. Gegen halb vier Uhr MEZ startete "Corot" an der Spitze einer russischen Sojus-2-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus. Der knapp eine halbe Tonne schwere, vier Meter lange französische Satellit trägt ein Weltraumteleskop in sich, mit dem europäische Forscher nach sogenannten Exoplaneten suchen wollen.

"Corot" ist das erste weltraumgestützte Teleskop für diese Aufgabe. Die Mehrheit der Planetensucher benutzt derzeit noch Weitwinkel-Teleskope und Spezial-Spektroskope auf der Erde. Diese Messungen werden allerdings von der Erdatmosphäre gestört.

Die Idee, dass es Planeten - und auf diesen möglicherweise sogar Leben - außerhalb unseres Sonnensystems gibt, fasziniert Science-Fiction-Fans seit langem. Eine wissenschaftliche Basis hat sie erst seit rund zehn Jahren: Mit Hilfe von Super-Teleskopen konnten Genfer Forscher 1995 einen ersten Exo-Planet von der der Erde sichten - als winzigen dunklen Punkt vor hellem Hintergrund. Forscher waren begeistert: Die Milchstraße könnte Milliarden Planeten besitzen, mutmaßten sie. Auch erdähnliche darunter müssten keine Rarität sein.

Doch Exo-Planeten sind bislang nur beim so genannten Transit zu sehen, wenn sie vor ihren hell strahlenden Hauptsternen vorbeifliegen und von außen betrachtet kurzfristig einen Teil davon verdunkeln.

"Kleines Projekt" - größere in der Warteschleife

"Corot" soll genau diese Helligkeitsschwankungen messen - von einer Bahn in 896 Kilometern Höhe über der Erde. Corot kann die Planeten-Suche nun buchstäblich in eine neue Dimension bringen: Ganze 120.000 Sterne soll der Satellit mit Hilfe seines 30-Zentimeter-Teleskops unter die Lupe nehmen. Zudem wird die Mission helfen, den Aufbau von Sternen zu erforschen.

Die Mission steht unter der Leitung der französischen Raumfahrtagentur CNES. Die Europäischen Raumfahrtagentur ESA hat unter anderem die optischen Elemente des 30-Zentimeter-Teleskops im Herzen des Satelliten geliefert. Weitere Partner sind Belgien, Brasilien, Deutschland und Spanien. Aus der Bundesrepublik stammen unter anderem die Spiegel in der empfindlichen Optik von "Corot".

"Das ist ein kleines Projekt mit kleinen Mitteln" sagt Sternenforscherin Annie Baglin, die für "Corot" verantwortliche Wissenschaftlerin des Programms. "Aber es ist der Kundschafter, der künftigen Missionen zeigen wird, welche Art von Stern sie suchen müssen."

"Einige Dutzend" Exo-Planeten werde "Corot" sicher aufspüren, sagt Baglin. Dabei sputen sich die Europäer mit dem mehrheitlich von Frankreich getragenen Programm. Denn in einem echten Forschungs-Wettlauf wollen auch die USA Ende 2008 die "Kepler"-Sonde starten, die sich aus der Nachbarschaft der Erde lösen und in einer Sonnen-Umlaufbahn gezielt nach Exo-Planeten von der Größe unserer Erde suchen wird. Die technisch ausgefeiltere Mission "Terrestrial Planetary Pathfinder" (TPF), wurde indes für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Erst der Fund einer großen Zahl von Planeten, die ihre Sterne in der habitablen, "grünen" Zone umkreisen, könnten helfen, die Mittel für ein solches Großprojekt sicherzustellen.

Bei der fünf Mal teureren "Kepler"-Mission würden die Amerikaner "sicher andere 'Erden' sehen", räumt Baglin ein. Die Franzosen seien ihren Rivalen aber seit zwei Jahrzehnten auf dem Gebiet der Exo-Planeten voraus - und diesen Vorsprung wollten sie sich nicht nehmen lassen.

stx/AFP/ddp/dpa



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