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11. August 2012, 13:42 Uhr

"Curiosity"-Mission

Nasa-Ingenieur wird zur Pop-Ikone

Die erfolgreiche Landung des Mars-Rovers "Curiosity" ist nicht nur in technischer Hinsicht ein Erfolg. Sie hat der Nasa auch einen beispiellosen Image-Schub beschert. Die beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure sind plötzlich Popstars der Moderne.

Der dunkle Irokese mit blauen und roten Strähnen durchzogen, an den raspelkurz geschnittenen Seiten schimmern Sternchen - bei Schwiegermüttern dürfte Bobak Ferdowsi zunächst Befremden auslösen. Dabei besteht nicht der geringste Grund zur Sorge, denn der 32-Jährige ist alles andere als ein Tunichgut. Ferdowsi ist Absolvent der Washington University und des legendären Massachusetts Institute of Technology (MIT) und gehört zu jener kleinen Schar von hochqualifizierten Ingenieuren, die den bemerkenswertesten Weltraumflug der letzten Jahrzehnte gesteuert haben.

Doch er ist nicht nur an dem Erfolg der Mars-Mission beteiligt. Der junge Mann hat der Nasa mit seinem unkonventionellen Auftritt quasi nebenbei zu einem ganz neuen Image verholfen. Bislang galt die US-Weltraumagentur als weltfremder Club von Nerds, die zwar seitenlange komplizierte mathematische Formeln herunterbeten konnten, aber zu ungelenk waren, um Wasser zu rühren. Und überdies eher rückständig und risikoscheu.

Nach der Punktlandung auf dem Mars und der Live-Übertragung aus dem Kontrollzentrum ist das nun völlig anders. Plötzlich jubeln nicht nur diejenigen, die immer noch beseelt sind von den unscharfen Aufnahmen der Apollo 13. "Curiosity" ist vielmehr auf dem besten Wege, zur Ikone der Popkultur aufzusteigen. Rund 910.000 Internet-User folgen dem kleinen Rover schon bei Twitter und rund 250.000 haben mit ihm Freundschaft bei Facebook geschlossen.

Ferdowsi startet derweil eine ganz ähnliche Karriere. Er ist plötzlich Aushängeschild der Nasa-Mannschaft, mehr noch als sein Banknachbar Steve Collins, der aussieht wie ein Hippie aus den Siebzigern. Ein wenig unangepasst, aber dem Vaterland aufs Innigste verbunden. Lässig, und dabei hoch konzentriert, sah man ihn während der Live-Übertragung der Mars-Landung minutenlang im Fernsehen. Und anschließend jubeln wie die Goldmedaillen-Gewinner in London - so lieben die Amerikaner ihre Helden.

Auch die Internetgemeinde schloss Ferdowsi schnell ins Herz. Die Zahl seiner Follower bei Twitter stieg von 200 in kürzester Zeit auf 46.000. Wenig Ernsthaftes ist dabei, Gott sei Dank, dafür viel fröhlicher Jubel und etliche schmachtende Liebeserklärungen - weit weg vom Ernst, den die tägliche Arbeit in der Kommandozentrale mit sich bringt.

Ferdowsi selbst zeigt sich von dem ungewöhnlichen Echo ziemlich überrascht. "Ich hätte nie gedacht, dass ein Irokesenschnitt von so großem Nutzen für die Raumfahrt sein könnte", sagte er vor wenigen Tagen der "Los Angeles Times". "Aber wenn es der Welt und speziell den Jüngeren den Eindruck vermittelt, Wissenschaft ist cool, dann freut mich das sehr."

mik

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