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"Curiosity"-Messungen: In Urzeit-See auf dem Mars war Leben möglich

Gale-Krater: Habitat für Mikroben? Fotos
Science/ AAAS

War der Mars einst von Mikroben bevölkert? Zumindest gab es einen Urzeit-See mit den passenden Bedingungen, wie Messdaten des Mars-Rovers "Curiosity" jetzt zeigen. Spuren von Leben hat er aber nicht gefunden.

Pasadena/Katlenburg-Lindau - In einem Urzeit-See auf dem Mars haben einst lebensfreundliche Bedingungen geherrscht. Das schließen Forscher aus den Messdaten des Mars-Rovers "Curiosity". Der heute ausgetrocknete See hätte demnach vor Milliarden Jahren Mikroorganismen eine Heimat bieten können, wie Forscher um John Grotzinger vom California Institute of Technology (Caltech/Pasadena) im US-Fachjournal "Science" berichten. Ob in dem Gewässer allerdings jemals etwas gelebt hat, ist ungewiss. Spuren von vergangenem Mars-Leben hat "Curiosity" nicht gefunden.

Der Rover hatte eine fünf Meter tiefe Mulde namens Yellowknife Bay im Gale-Krater untersucht und war dort auf ein Ensemble von feinen, mittelgroßen und groben Sedimenten gestoßen, wie sie sich in ruhigem Wasser formen. Die Messungen belegten, dass der Gale-Krater vor rund 3,6 Milliarden Jahren mindestens einen See beherbergt habe, erläuterte das an der Forschung beteiligte Imperial College London. Im Jahr 2004 hatte der Nasa-Rover "Opportunity" Beweise für einen Salzsee auf dem Mars gefunden.

In einer Serie von insgesamt sechs Fachaufsätzen beschreiben mehrere Teams die "Curiosity"-Messungen in "Science". Der See hat demnach einige zehn- bis hunderttausend Jahre existiert. Er war ruhig, bestand aus Süßwasser und besaß einige biologische Schlüsselelemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel. In einer solchen Umgebung könnten beispielsweise Mikroorganismen gediehen sein, die ihre Energie aus der Zersetzung von Gestein gewinnen, sogenannte Chemolithoautotrophe.

"Keine Anzeichen von urzeitlichem Leben"

"Es ist ein aufregender Gedanke, dass vor Milliarden Jahren urzeitliches mikrobielles Leben in den ruhigen Gewässern des Sees existiert haben könnte und eine reiche Auswahl von Elementen in Energie umgewandelt hat", unterstrich Sanjeev Gupta aus dem Autorenteam in der Mitteilung der Londoner Hochschule. Er schränkte aber ein: "Es ist wichtig zu betonen, dass wir keine Anzeichen von urzeitlichem Leben auf dem Mars gefunden haben. Wir haben entdeckt, dass der Gale-Krater mindestens einmal in seiner fernen Vergangenheit, vor Milliarden Jahren, einen See besessen hat, der vermutlich für mikrobielles Leben geeignet war. Das ist ein großer positiver Schritt in der Marserkundung."

Die weitere Erkundung des Gebiets könne möglicherweise den Schlüssel zur Beantwortung der Frage liefern, ob Leben auf dem Roten Planeten existiert habe. Über Indizien für einst lebensfreundliche Bedingungen auf dem Mars hatten Wissenschaftler schon mehrfach berichtet - zuletzt im März 2013. Hoffnung auf die Entdeckung von Mikroben machten auch die Nachweise von Methan und Wasser.

Der deutsche Marsforscher Walter Goetz, der ebenfalls mit "Curiosity"-Daten arbeitet, an der vorliegenden Studie aber nicht beteiligt war, ergänzte, dass die Erforschung derartiger Tonminerale auf dem Mars schon auf eine knapp zehnjährige Geschichte zurückblicken kann. "Das lokale Vorkommen von Tonmineralen lässt auf pH-neutrale, wässrige Verwitterung und damit auf lebensfreundliche Bedingungen auf dem jungen Mars schließen. Ganz offensichtlich ist es jedoch zu keiner Biosphäre gekommen, die in irgendeiner Form mit der irdischen vergleichbar wäre", erläuterte der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau.

Mangel an organischen Molekülen

"Die Tonminerale sind auf dem Mars nicht gleichmäßig verteilt, sondern kommen nur in ganz bestimmten Regionen vor. Yellowknife Bay war die erste Chance, ein solches Gebiet aus der Nähe zu studieren." Goetz hält es für unwahrscheinlich, dass es jemals Leben in dem Urzeit-See gegeben hat. "Gemäß einer weit verbreiteten Hypothese könnte sich Leben auf dem frühen Mars an der Grenzfläche zwischen Atmosphäre und Kruste entwickelt haben, da der frühe Mars gemäß der klassischen Lehrmeinung erdähnlich war. Danach könnte dieses vermeintliche Leben in die Tiefe abgewandert sein", erläuterte Goetz.

Problematisch sei allenfalls, dass an der Oberfläche keine Indizien solchen Lebens zu finden seien - insbesondere gebe es einen auffallenden Mangel an organischen Molekülen: "Ob diese nicht da sind oder ihre Konzentration unter der Empfindlichkeitsgrenze der Instrumente liegt, können wir nicht sagen."

hda/dpa

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1. Eine Frage...
SilverTi 09.12.2013
... stellt sich allerdings: warum ist der See ausgetrocknet? Mars liegt ja wohl ein Stück außerhalb der habitablen Zone... heißt das denn, dass er früher näher an der Sonne war, somit in der habitablen Zone lag und deswegen Wasser eine Weile lang behalten konnte?
2. Zwecklos
herumnöler 09.12.2013
Wenn ich so ueber ein halbes Jahr die Artikel in SPON lese, wird mir klar, dass ich nur meine Zeit verschwende. Das ist Meinungsmache, nicht Information. Dazu finden sich in buchstaeblich jedem Artkel Fehler oder zumindest (gewollte?) Ungenauigkeiten, die dem Zeitdruck zu schulden sind. So nicht! Dann verzichte ich eher auf schnelle Information und warte drei Tage ab, bis sich alles gesetzt hat. Das Wichtige, was uebrigbleibt, erfahre ich eh auf andere Weise.
3. optional
Silbad 09.12.2013
Nein, der Mars hat durch seine geringe Größe den größten Teil seiner Atmosphäre verloren; bei dem heutigen extrem niedrigen Atmosphärendruck auf der Oberfläche kann es kein flüssiges Wasser geben, das fängt bereits weit unter über dem Gefrierpunkt an zu verdampfen ("sublimieren").
4. Sehr gute Frage...
megamekerer 09.12.2013
Zitat von SilverTi... stellt sich allerdings: warum ist der See ausgetrocknet? Mars liegt ja wohl ein Stück außerhalb der habitablen Zone... heißt das denn, dass er früher näher an der Sonne war, somit in der habitablen Zone lag und deswegen Wasser eine Weile lang behalten konnte?
Eigentlich ist die Frage längst beantwortet, aber die Wissenschaftler können es sicher nicht beweisen und daher sind sehr zurückhalten, besonderes wenn die Vermutung bestätigt wird, dann wird der Erde auch eines Tages das gleiche Schicksal ergehen wie Mars. Nun zu der Lösung, man vermutet dass Mars eine ähnlich Atmosphäre besaß wie die Erde. Irgendwann ist die Atmosphäre auf dem Mars wegen seine geringe Masse ständig dünner geworden und damit durchlässiger für den Dunst des Wassers. Auch die Erde verliert permanent Wasser, aber nicht in so eine hohe Geschwindigkeit wie auf dem Mars, es gibt auch keine Berechnungen wann auf die Erde so etwas passieren könnte, aber sicher sind die Wissenschaftler daran, dass wir erst verdursten bevor die Sonne als rote Riese uns verkohlt.
5.
gurrke 09.12.2013
Der Mars hat aus irgendeinem Grund sein Magnetfeld verloren. So kann der Sonnenwind die Atmospähre wegblasen.
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