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Explosion des Raumtransporters "Cygnus": 200 Millionen Dollar verbrannt

Das Flammeninferno auf der Startrampe in Virginia wird mindestens 200 Millionen Dollar kosten. Der unbemannte Raumtransporter "Cygnus" war beim Start explodiert. Die Versorgung der Raumstation ISS soll aber nicht gefährdet sein.

Virginia - Die "Cygnus"-Versorgungsmission für die internationale Raumstation ISS ist am Dienstagabend zum spektakulären Fiasko geraten: Wenige Sekunden nach dem Start in Wallops im US-Bundesstaat Virginia explodierte die Trägerrakete "Antares", die den unbemannten Raumtransporter ins All hätte schießen sollen. Laut der US-Raumfahrtbehörde Nasa gab es keine Verletzten. "Absolut dringend" benötigter Nachschub für die ISS-Besatzung sei durch das Flammeninferno nicht zerstört worden.

Die "Antares"-Rakete war um 18.22 Uhr Ortszeit (23.22 Uhr MEZ) gezündet worden und Augenblicke später infolge einer "katastrophalen Unregelmäßigkeit" zerborsten, wie die Nasa-Kontrollstation mitteilte. Die genaue Ursache blieb zunächst unklar. Die Rakete war in der Luft explodiert und dann wieder auf die Erde gestürzt. Beim Aufprall muss es den Bildern zufolge erneut zu einer Explosion gekommen sein: Die Aufnahmen zeigen, wie sich ein Feuerball auftürmt und Funken sprühen.

Der Raumfrachter des privaten Unternehmens Orbital Sciences sollte etwa 2,2 Tonnen Material zur Internationalen Raumstation ISS bringen - so viel wie bei keiner der bisherigen Missionen. Zur Fracht gehörten Essen für die auf der ISS stationierten Astronauten und wissenschaftliche Instrumente, darunter zahlreiche kleine Satelliten.

Frank Culbertson, Manager bei Orbital Sciences, sagte, dass die Probleme zehn bis zwölf Sekunden nach dem Start begonnen hätten. Nach 20 Sekunden sei alles vorbei gewesen. Das Bodenpersonal hatte nach einer ersten Explosion den Befehl zur völligen Zerstörung des Fluggeräts gegeben. Mit einer solchen Maßnahme soll etwa verhindert werden, dass Raketenteile auf bewohntes Gebiet einschlagen. Es gehe nun darum, die Startrampe "so schnell wie möglich" zu reparieren.

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Explosion beim Start: Gigantischer Feuerball
Wie lange die Reparaturen und die Suche nach der Unglücksursache dauern werden, könne man derzeit nicht sagen. Nach Culbertsons Aussage war die Mission mit mehr als 200 Millionen Dollar versichert. Hinzu kämen noch die Reparaturkosten.

Unabhängigkeit von Russland ab 2017

"Wir werden hoffentlich bald verstehen, was passiert ist", sagte Orbital Sciences-Chef Culbertson nach der Explosion. "Wir haben das in unserer Branche alle schon erlebt, und wir haben gesehen, wie sich andere Teams davon erholt haben - und das werden wir auch."

In der ISS sind zurzeit sechs Raumfahrer stationiert. Drei von ihnen, darunter der Deutsche Alexander Gerst, sollen in zwei Wochen nach 165 Tagen auf der ISS zur Erde zurückkehren. Ihre Nachfolger, ein russischer Kosmonaut und zwei US-Astronauten, sollen zwei Wochen später auf der Raumstation eintreffen. "Die Mannschaft ist in keiner Gefahr", sagte Nasa-Topmanager William Gerstenmaier nach dem Unglück. Die Fracht an Bord von "Cygnus" sei für die Mannschaft der ISS "nicht unbedingt notwendig".

Die Nasa hatte 2011 ihr Shuttle-Programm nach rund 30 Jahren beendet. Seitdem sind US-Astronauten auf russische Raumkapseln angewiesen. Zur Versorgung der Astronauten und zur Lieferung wissenschaftlicher Ausrüstung setzten die USA seitdem auf private Firmen.

Im Rahmen des knapp zwei Milliarden Dollar schweren Vertrags sollte es bis 2016 mindestens sieben weitere "Cygnus"-Missionen geben. Neben "Cygnus" greift die Nasa auf den Raumfrachter "Dragon" der Firma SpaceX zurück. Der nächste Start von "Dragon" sei im Dezember geplant, teilte die Nasa mit.

Ab 2017 wollen die USA ihre Astronauten wieder selbst zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Die Abhängigkeit von russischen "Sojus"-Kapseln soll dann beendet sein. Dabei setzt die Nasa auf die Privatwirtschaft: Mit der Entwicklung der Transport-Shuttles wurden die US-Firmen Boeing und SpaceX beauftragt.

hda/AP/AFP/dpa

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Alexander Gerst: Meisterleistung beim Spacewalk


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