Dänemark Tüftler schießen Rakete 6,5 Kilometer in den Himmel

Sie träumen davon, eine selbst gebaute Rakete ins All zu schicken - nun sind dänische Amateure diesem Ziel ein Stück näher gekommen. Für ihr Flugobjekt nutzten sie Material aus Kaffeemaschinen.

Die selbst gebaute, 178 Kilogramm schwere Rakete
DPA / Carsten Olsen / www.copsub.com

Die selbst gebaute, 178 Kilogramm schwere Rakete


Sie nennen sich selbst "Raumfahrt-Amateure" und haben sich im Verein "Copenhagen Suborbitals" zusammengeschlossen. Die 50 bis 60 Freiwilligen arbeiten bereits seit einigen Jahren darauf hin, als erste Amateure überhaupt einen Menschen ins Weltall zu schicken.

Nun ist es ihnen gelungen, eine ihrer Raketen sechseinhalb Kilometer von der Ostsee aus in die Luft zu schießen. Am Samstag startete die Rakete "Nexø-II" östlich von Bornholm aus internationalen Gewässern, weil es - wie die Tüftler erklärten - nahezu unmöglich sei, von einem Staat die Genehmigung für einen Start an Land zu bekommen. Laut Nachrichtenagentur Ritzau überwachten acht Schiffe den See- und Luftraum über einem großen abgesperrten Areal auf der Ostsee.

"Alles klappte perfekt"

Für die Hobbytüftler ist das ein wichtiger Schritt zum großen Ziel. Das ist zwar noch lange nicht erreicht, denn die Grenze zwischen Erdatmosphäre und Weltraum liegt in einer Höhe von etwa hundert Kilometern. Doch um die Höhe gehe es zunächst gar nicht, sagte Vereinssprecher Mads Wilson dem dänischen Fernsehen.

Wichtig sei, dass die Rakete gerade fliege, der Antrieb 40 Sekunden lang durchhalte, dass der Fallschirm sich richtig öffne und die Rakete wieder in der Ostsee lande. "Es lief fantastisch. Nichts ging schief. Eigentlich erwarten wir, dass etwas schiefgeht, wenn wir einen Start haben, aber diesmal klappte alles perfekt", sagte Techniker Jørgen Skyt nach der Landung der Rakete in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm.

Theoretisch, so hatten die Tüftler es berechnet, hätte die 178 Kilogramm schwere "Nexø-II" sogar zwischen zehn und 15 Kilometer hoch fliegen können. Für ihre Raketen nutzen die Amateure unter anderem Material von herkömmlichen Druckern und Kaffeemaschinen. Raketen seien nicht nur etwas für Staaten mit Milliardenbudgets, sagte Wilson. "Wir zeigen, dass man mit herkömmlichem Material unglaublich weit kommen kann."

Distanz zu Peter Madsen

Vor mehr als sieben Jahren haben die "Copenhagen Suborbitals" begonnen, Raketen zu basteln. Seitdem haben sie fünf Raketen und Raumkapseln gebaut und von einem Schiff in der Ostsee abgeschossen. Im Jahr 2011 hatten sie bereits erfolgreich eine selbst gebaute Rakete etwa acht Kilometer in die Höhe bekommen. "Nexø-I" wurde im Juli 2016 gestartet, kam allerdings nur 1500 Meter hoch, bevor ihr der Treibstoff ausging.

Ihren Traum haben die Tüftler von Peter Madsen übernommen, der den Verein im Jahr 2008 gründete und sechs Jahre später im Streit verließ. Madsen geriet im vergangenen Jahr wegen des grausamen Mordes an Kim Wall in die Schlagzeilen. Ein Gericht verurteilte ihn im April zu lebenslanger Haft.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 47-Jährige die schwedische Journalistin Wall an Bord seines U-Boots sexuell missbraucht, ermordet und zerstückelt hat. Die "Copenhagen Suborbitals" distanzieren sich klar von ihm.

kha/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
aurichter 04.08.2018
1. Und jetzt
muss man sich mal vorstellen, diese klugen Köpfe hätten Elon Musik ähnliche finanzielle Möglichkeiten. Vielleicht ist das Ergebnis ihrer Arbeit aber auch gerade diesem Mangel geschuldet, da Kreativität extrem gefordert wird. Ich bewundere diese Tüftler.
upalatus 04.08.2018
2.
Zitat von aurichtermuss man sich mal vorstellen, diese klugen Köpfe hätten Elon Musik ähnliche finanzielle Möglichkeiten. Vielleicht ist das Ergebnis ihrer Arbeit aber auch gerade diesem Mangel geschuldet, da Kreativität extrem gefordert wird. Ich bewundere diese Tüftler.
Für was hohe finanzielle Möglichkeiten? Was die durchaus findigen Hobbyraketler da versuchen und machen, über das Stadium sind die renommierten Hersteller längstens hinaus. Ein ideenreichen Bastler wird, sofern er sich den höheren Aufgaben gewachsen sieht, sicher gut Aufnahme finden in einer Raketenfirma.....
cocommentator 04.08.2018
3. "Für ihr Flugobjekt nutzten sie Material aus Kaffeemaschinen."
Warum steht dazu nichts im Artikel? Was wurde benutzt? Wozu? Wäre schön, das auch zu erfahren.
lupo62 04.08.2018
4. Nettes Hobby
Um einen Körper in eine stabile Umlaufbahn zu bekommen, ist nicht die erreichte Höhe maßgebend, sondern die erreichte Geschwindigkeit. Die Erdrotation kann bei äquatornahen Startplätzen mithelfen (in der Ostsee also weniger), aber 11,2 km/sec müssen erreicht werden. Das ist machbar, wie wir seit dem Sputnik wissen, aber mit einem Aufwand, den sich eigentlich nur Staaten oder Milliardäre leisten können. Bei größeren Reichweiten wächst auch die Gefahr, dass solch eine Rakete in Russland oder den USA herunterkommt und dann einen Luftalarm auslöst. Das machen die garantiert nur ein Mal.
larsmach 04.08.2018
5. "Umlaufbahn"? Ein Schritt nach dem anderen!
Zitat von lupo62Um einen Körper in eine stabile Umlaufbahn zu bekommen, ist nicht die erreichte Höhe maßgebend, sondern die erreichte Geschwindigkeit. Die Erdrotation kann bei äquatornahen Startplätzen mithelfen (in der Ostsee also weniger), aber 11,2 km/sec müssen erreicht werden. Das ist machbar, wie wir seit dem Sputnik wissen, aber mit einem Aufwand, den sich eigentlich nur Staaten oder Milliardäre leisten können. Bei größeren Reichweiten wächst auch die Gefahr, dass solch eine Rakete in Russland oder den USA herunterkommt und dann einen Luftalarm auslöst. Das machen die garantiert nur ein Mal.
Bevor man an Umlaufbahnen denken kann, um die Gravitation auszugleichen, gilt die Mühe doch eher einem stabilen Antrieb mit Kreiselkompass, Aktoren usw.. Damit kann man seine Rakete dann starten, fliegen lassen oder landen - wenn über der Ostsee gerade keine steife Brise weht.
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