60 Jahre US-Raumfahrt Der Bilderschatz der Nasa

60 Jahre Nasa, 50 Jahre Mondlandung, die Geschichte eines neuen Zeitalters: Ein neuer Bildband bringt das beeindruckende Gefühl von damals zurück - mit seltenen Einblicken.

Nasa / Taschen

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In einer Schublade meines Büros liegt ein Super-8-Film, den ich Anfang der Siebzigerjahre geschenkt bekam. Er zeigt, auf knappe drei Minuten Stummfilm herunterkondensiert, die Geschichte der Apollo-11-Mondlandung.

Ich kenne ihn auswendig: Die Saturn V hebt ab, eine Stufe fällt zurück zur Erde. Kurze Sequenzen in der engen Kapsel, das Landemodul trennt sich vom Kommandomodul und gleitet herab zur Mondoberfläche. Der Boden kommt näher, der Schatten des Moduls wächst auf dem Boden, bis er den Bildschirm ausfüllt. Schemenhafte Bilder, Fuß auf Leiter, nähert sich Boden. Mann auf dem Mond, Flagge gehisst, Rückflug, Andocken am Kommandomodul - und dann kam auch schon das Aufsetzen im Wasser, zurück auf der Erde.

15 Meter Kodachrome-Material, darauf das bis dahin größte Abenteuer der Menschheit: Apollo 11! Raumfahrt! Raketen! Die Nasa!

Der Projektor sang das Hohelied des Fortschritts und klang doch wie eine Nähmaschine. Man roch den Staub, der auf der Birne verbrannte, bis sich das letzte Stück Film auf die Fangspule wickelte und solange wehend schlug, bis man den Projektor ausschaltete: fffft, fffft, fffft, fffft...

Man muss sich manchmal klarmachen, wie lang all das her ist. Als die Nasa gegründet wurde, als Neil Armstrong den Mond betrat, da war das meistverbreitete elektronische Medium noch immer das Radio. Erst mit Apollo begann die Zeit des Massen-TV, Super-8 wurde durch Video ersetzt, der Heim-PC sollte noch einige, die DVD noch etliche Jahre brauchen.

Für viele von uns war Apollo 11 der Startschuss zu einem sich ankündigenden neuen Zeitalter - und die Nasa war ein einziges, großes Wow!

Alles daran war cool: die Astronauten, Wernher von Braun, die Erweiterung unseres Horizonts ins All. Die Nasa impfte uns mit dem Glauben an die Machbarkeit aller Dinge. Geboren aus dem "Space Race", der knallharten technologischen Konkurrenz zur Sowjetunion, füllte die Nasa unsere Träume mit Visionen einer friedlichen Eroberung des Alls. Apollo 11 war der Startpunkt eines Jahrzehnts, in dem Sternenträume den Gegenpol zum politischen Irrwitz des gar nicht so Kalten Krieges setzten.

Die Bilder davon wurden Teil unseres kollektiven, kulturellen Bewusstseins. Stellen Sie sich vor: Fußabdruck im Mondstaub. Astronauten mit Flagge. Erde steht wie ein blau strahlender Halbmond über dem Mondhorizont. Die prachtvolle, verletzlich wirkende Erdkugel vor dem Hintergrund der absoluten Dunkelheit des Alls. Wir alle haben die Bilder im Kopf.

Heute begegnet man ihnen wie alten Bekannten. Sie sind immer noch schön, aber das Wow des ersten, beeindruckenden Mals ist verflogen. Außer bei Bildern und Geschichten, die man noch nicht kennt: "Das Nasa Archiv" ist voll davon.

So heißt ein prachtvoller Bildband, der Mitte Februar im für solche Bücher bekannten Taschen-Verlag erschienen ist: 468 Seiten dick, Hardcover, verständliche, aber stolze 100 Euro teuer. Was man dafür bekommt: "Die Geschichte des US-Weltraumprogramms in Bildern", wirbt der Verlag, "60 Jahre im Weltraum mit der Nasa".

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Piers Bizony (Hrsg.):
Das Nasa Archiv

60 Jahre im All

Taschen Verlag; 468 Seiten; 100,00 Euro

Das kann man nüchtern so sehen. Man bekommt aber auch ein Echo des Wow der frühen Jahre, ein Stück des Gefühls dafür, warum das alles einmal derart beeindruckend war. Das Buch ist eine Reminiszenz an Zeiten, als Weltraumbehörden gut waren und Astronauten Helden und 200 Milliarden Dollar Kosten - umgerechnet auf den heutigen Geldwert - ein zwar irrsinnig großes, aber lohnendes Investment für einen "gewaltigen Sprung" der Menschheit (Neil Armstrong).

"Das Nasa Archiv" erinnert uns daran, wie schwärmerisch, wie staunend wir all dem begegneten. Und natürlich geht der Fundus der Bilder weit über die hinaus, die wir so sehr verinnerlicht haben: Das schafft neue Perspektiven. Begleitet wird das von intelligenten Essays sowie passenden bis packenden Aussagen von Zeitzeugen: Erlebnisse, Anekdoten, persönliche Erinnerungen. Es macht "Das Nasa Archiv" zu einem Blätter-und Schwelgebuch, in dem auch Kenner der Materie noch Entdeckungen machen. Mehr Familienalbum als Geschichtsbuch.

Ein absolutes Wow ist dabei wie so oft beim Kunstbuchverlag Taschen die Ausstattung des Buches: Wo ich das denn hinstellen wolle, fragte meine Frau, "da müssen wir ja ein neues Wohnzimmer drumherum bauen". So kann man das beschreiben: Mit mehr als fünfeinhalb Kilo Gewicht, 33 Zentimeter Kantenlängen und gut sieben Zentimeter Dicke ist "Das Nasa Archiv" kein Taschenbuch.

Die Opulenz ist aber nicht nur physisch, sondern auch visuell. Um Fotos so groß und beeindruckend zu zeigen, braucht man Fläche. Die breitesten Panoramen in diesem Schmöker bringen es auf rund 60 Zentimeter. Papier und Druck sind hochwertig, und um den richtigen Raumfahrt-Eindruck zu hinterlassen, scheuten die Buch-Designer auch den Einsatz metallischer Farben nicht. All das ist zwar unpraktisch, aber wirklich schön: So ein Buch liest man ja nicht in der U-Bahn, sondern auf den Knien balanciert im Sessel.

Ein absolut perfektes Buch zum Thema ist "Das Nasa Archiv" trotzdem nicht. Auch in Deutschland erscheint es in englischer Sprache, deutsche Übersetzungen der Texte liegen ihm nur als Beiheft bei. Das mag viele nicht stören, mancher aber umständlich und nicht so toll finden. Es ist aber ein wohl nötiges Zugeständnis an die Realitäten des Marktes: So ein Buch erreicht keine Massen. Für Liebhaber aber ist es ein echter Tipp.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
idleberg 24.02.2019
1.
Für mich hat die NASA einen großen Teil des Gefühls von Zukunft verloren, als man 1992 das fantastische "Wurm" Logo ersetzt hat. Halte ich immernoch für einen Fehler.
granitfindling 24.02.2019
2. Menschen auf dem Mond...
.. sind eventuell historisch mal wie die Pyramiden oder die sixtinische Kapelle: Man könnte es vielleicht heute noch, aber bringt die Kraft dazu nie mehr auf. Insofern einzigartig, eine amerikanische Kulturleistung, neben dem Jazz, von bleibender Weltbedeutung. Ich bin durchaus davon geprägt worden, konnte mit 7 Jahren schon die Bedeutung des Apogäumsmotor erklären. Auch das Durchhaltevermögen und die Fachkenntnis der damaligen Kommentatoren (besonders Günter Siefarth) der Mondlandung war beeindruckend. Insgesamt waren das durchaus Sternstunden. Besonders verglichen mit den derzeitigen Projekten der USA oder der restlichen Menschheit.
sascha-hh75 24.02.2019
3.
...wurde das "wow" nicht auch dafür erfunden? :-) in einem NASA- linguistik- zentrum? wenn ich mal wieder bei Thalia vorbeikomm und das Auto nahbei steht, wird ichs mitnehmen. und mondlandeverschwörungstheorieexperten haben auch wieder alle Hände voll zu tun, und werden die welt wieder mit ihrem infantilem mist beglücken, da passt doch einfach alles.
quark2@mailinator.com 24.02.2019
4.
Nicht nur der Weltraum war damals noch wow, das ganze "can do"-Spirit ist im Moment in China und das ist es genau, was mir hier fehlt. Kein europäischer Politiker sorgt mal dafür, daß man das Gefühl hat, an etwas teilzuhaben, was ordentlich gemanaged auf was Tolles zusteuert. Trotz all der wirtschaftlichen Stärke fühlt es sich permanent an wie eine Dauerverwaltung des Mangels. Und warum eigentlich ? Warum wurde der Transrapid nicht von Madrid über Paris, Berlin, Warschau, Minsk nach Moskau gebaut ? Oder irgendsowas. Die Hochhäuser entstehen in Dubai, Tokio und Shanghai, China baut mal eben 10000 km Hochgeschwindigkeitszugstrecke und 60 Airports etc. ... Das Einzige, was ich überhaupt sehe, sind Googles technologische Erfolge. Da hat Europa aber auch keinen Anteil dran. Was ist das hier für eine Kummerecke der Welt :-( ? Wieso können wir keine Personen ins All transportieren ?
three-horses 24.02.2019
5. Alles Aberglaube.
Zitat von granitfindling.. sind eventuell historisch mal wie die Pyramiden oder die sixtinische Kapelle: Man könnte es vielleicht heute noch, aber bringt die Kraft dazu nie mehr auf. Insofern einzigartig, eine amerikanische Kulturleistung, neben dem Jazz, von bleibender Weltbedeutung. Ich bin durchaus davon geprägt worden, konnte mit 7 Jahren schon die Bedeutung des Apogäumsmotor erklären. Auch das Durchhaltevermögen und die Fachkenntnis der damaligen Kommentatoren (besonders Günter Siefarth) der Mondlandung war beeindruckend. Insgesamt waren das durchaus Sternstunden. Besonders verglichen mit den derzeitigen Projekten der USA oder der restlichen Menschheit.
"Sternstunden"...woher haben sie das denn. Die Amis waren nie auf dem Mond. Alles Tricks und Fakes. Alles als Müll ensorgt. Die Spuren im Mond, alles Gips, dei Farbe blättert schon ab. Die Star-Spangled Banner ist von der Lady Liberty geklaut worden..das Datum 28. "Oktober 1886" steht immer noch drauf. Und mit unter 48 Stars und Stripes auch weit unter fünfzig. Und die aus China lügen auch. Die sind nicht in dem Schatten von Mondle gelandet aber direkt neben dem Amis Betrug. Haben nach was brauchbarem gesucht, gefundem haben die aber nur das Haufen aus der Mülltone. So die Geschichte.
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