Weiße Flecken auf Ceres "Eine der außergewöhnlichsten Strukturen im Sonnensystem"

Die Raumsonde "Dawn" ist dem Zwergplaneten Ceres schon sehr nah. Neue Aufnahmen von der Oberfläche zeigen erneut die mysteriösen weißen Flecken. Ihr Rätsel konnten die Astronomen noch nicht lösen.

NASA/ JPL-Caltech/ UCLA/ MPS/ DLR/ IDA

Je näher die Raumsonde "Dawn" dem Zwergplaneten Ceres kommt, desto näher rückt die Lösung eines Rätsel, das Forscher derzeit umtreibt: Was steckt hinter den weißen Flecken, die Astronomen auf Aufnahmen der Oberfläche von Ceres ausgemacht haben? Sind sie Zeichen von relativ frischem Eis auf dem Zwergplaneten? Oder Hinweise auf Salz, das das Sonnenlicht reflektiert und so für die extrem hellen Bereiche auf den Ceres-Bildern sorgt?

Seit Ende April umkreist "Dawn" den Zwergplaneten Ceres, Tausende Fotos hat die Nasa-Sonde seitdem zur Erde gefunkt. Je näher sie dem Planeten kommt, desto genauer sind auch die weißen Flecken zu erkennen. Bereits Anfang Mai zeigten Aufnahmen, dass sie feiner strukturiert sind als bis dahin angenommen.

Lösung des Rätsels bis Ende Juni ?

Im Juni hat "Dawn" eine Umlaufbahn von nur noch 4400 Kilometern über der Oberfläche erreicht. Forscher haben die ersten Aufnahmen der Kamerasysteme der Sonde bereits analysiert. Sie entstanden am 6. Juni und bilden die Oberfläche von Ceres mit einer Auflösung von 400 Metern pro Pixel ab.

Dabei hatten die Astronomen Glück: Erstmals seit mehreren Wochen lag wieder der hellste Fleck auf der Nordhalbkugel im Gesichtsfeld der Kamera. Deutlicher als je zuvor ist zu erkennen, dass der Fleck sich aus mehreren Flecken verschiedener Größe zusammensetzt. Welches Material dort vorliegt, sei aber weiter unklar, sagt Andreas Nathues vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), der das Kamerateam leitet. "Sicherlich handelt es sich um eine der außergewöhnlichsten Strukturen in unserem Sonnensystem."

Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter Leitung des MPS in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut.

Unterschiedliche Strukturen der Krater

Weitere Aufnahmen von "Dawn" bestätigen den Eindruck von der geologischen Vielfalt auf Ceres, heißt es beim MPS. Zu sehen sei etwa der größte Krater der Südhalbkugel. Der Einschlag und das Material, das als Folge aus tieferliegenden Schichten herausgeschleudert wurde, habe unterschiedlichste geologische Strukturen erzeugt. Tiefe Furchen verliefen strahlenartig vom Kraterrand nach außen und durchbrechen einen dunkleren Bereich, der den Krater ringförmig umgibt. Dort könnte ausgeworfenes Material niedergegangen sein. Der Kraterrand ist zudem stellenweise terrassiert.

Noch bis zum 28. Juni wird "Dawn" Ceres aus der nun erreichten Höhe kartografieren. Bis dahin ist das Rätsel der weißen Flecken hoffentlich geklärt.

nik

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