Zwergplanet Ceres Sonde fotografiert Grenzstein im All

Die Sonde "Dawn" hat den Zwergplaneten Ceres erreicht - und erste Daten erstaunen Forscher: Der Brocken markiert eine Grenze im Weltall.

Aus Wien berichtet

NASA/ JPL-Caltech/ UCLA/ MPS/ DLR/ IDA

Etwa 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, in den dunklen Weiten zwischen den Planeten Mars und Jupiter, schwebt der rätselhafte Zwergplanet Ceres. Selbst die besten Teleskope liefern nur verschwommene Bilder des dunklen Vagabunden, der noch nicht mal so dick ist wie Deutschland lang von Nord nach Süd.

Anfang März aber, nach acht Jahren Reise, hat die Sonde "Dawn" (zu Deutsch: Dämmerung) Ceres erreicht. Nun hat sie erstaunliche Daten zur Erde gefunkt.

"Dawn" macht es allerdings spannend. Beim Einschwenken in ihre finale Umlaufbahn nähert sich die Sonde dem Zwergplaneten von hinten, sie fliegt also im Schatten des Himmelskörpers. Auf scharfe Fotos im Sonnenlicht muss die Menschheit also weiterhin warten. Doch die Vermessung der Planetenlandschaft hat begonnen: "Dawn" schickt unentwegt Strahlung auf Ceres. Sie prallt zurück zur Raumsonde - und erlaubt Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Oberfläche.

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Ceres, benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus, ist eine Art Grenzstein im All. Sie bilde den Übergang zwischen innerem und äußerem Sonnensystem, berichteten Wissenschaftler am Montag auf der Jahrestagung der European Geosciences Union (EGU) in Wien.

Verblüffend wenig Spuren von Asteroiden-Bombardement

Ceres unterscheide sich grundsätzlich von ihrer Nachbarin Vesta, die "Dawn" vor drei Jahren besucht hat. Der Zwergplanet liegt der Erde näher, seine Beschaffenheit ähnelt jener der sonnennahen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars, auf denen viel Basaltgestein liegt. Ceres indes scheint den äußeren Planeten zu ähneln, auf denen Kohlenstoffverbindungen dominieren, sagte Martin Hoffmann vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung auf der EGU-Tagung.

Die Forscher rätseln vor allem über folgende Entdeckungen:

  • Auf Ceres gibt es weitaus weniger Krater als auf ihrer Nachbarin Vesta. War sie dem Bombardement von Asteroiden weniger stark ausgesetzt? Aber warum? Beide Planeten liegen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
  • Worum handelt es sich bei den mysteriösen hellen Flecken? Derart kleine isolierte Leuchtpunkte seien noch nirgends gesichtet worden, sagt Christopher Russell von der University of California in Los Angeles. "Sie faszinieren uns", sagte der Leiter der "Dawn"-Mission auf der Wiener Tagung.
  • Die Planetenoberfläche ist abwechslungsreicher als erwartet. Furchen schneiden durch den Boden, steile isolierte Berge ragen empor. "Wir sehen überraschende Vielfalt, müssen viel lernen", sagt Russell. "Ceres war kein toter Brocken, seine Landschaft wurde immer wieder verändert." Einschläge kosmischer Felsbrocken, Gesteinsverschiebungen oder vulkanische Umwälzungen kommen als Ursache in Frage.

Ceres' Flugverhalten hatte bereits verraten, dass sie vergleichsweise schwer ist. Offenbar enthalte sie weitaus mehr Gestein als andere Zwergplaneten. Ihre äußeren Schichten indes scheinen aus poröserem Material zu bestehen. Vermutlich überziehe eine Eislandschaft den Planeten. Auch unter der Oberfläche lägen wohl stattliche Mengen Wasser. "Dawn" soll nun nach Fontänen suchen, nach sogenannten Plumes.

Bereits Ende des Monats könnte sich manches Mysterium aufklären. "Dawn" schiebt sich auf die Sonnenseite, Forscher hoffen dann auf die ersten detaillierten Fotos von Ceres.

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Seite 1
shalom-71 13.04.2015
1. Fehler gefunden
Es muss heissen "Dawns Flugverhalten" und nicht "Ceres' Fluigverhalten".
Malshandir 13.04.2015
2. Leuchten
Na warten wir mal auf die ersten Ausserirdischenverfechter. Bei dem Licht handelt es sich selbstverstaendlich um eine Bewohnte Siedlung von Ausserirdischen, die nachts das Licht anhaben.
netroot 13.04.2015
3. Klugschiß gefällig?
Dawn heist nicht Dämmerung - sondern MORGENdämmerung. Denn es gibt auch noch Dusk, welches die des Abends ware.
DJ Doena 13.04.2015
4.
Dawn ist die Dämmerung, ja, aber eine spezifische, nämlich die Morgendämmerung.
flaviussilva 13.04.2015
5. Antwort !
Zitat von MalshandirNa warten wir mal auf die ersten Ausserirdischenverfechter. Bei dem Licht handelt es sich selbstverstaendlich um eine Bewohnte Siedlung von Ausserirdischen, die nachts das Licht anhaben.
Dann wollen die Ausserirdischen aber gefunden werden, ansonsten hätte die Sonde schon längst nen technischen Defekt gehabt :-)
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