Der Einschlag des 372 Kilogramm schweren Kupferprojektils hat riesige Mengen Staub und Gas aus dem Kometen "Tempel 1" gerissen und ins All geschleudert. Unmittelbar nach dem Aufprall des Geschosses hat die Nasa-Sonde "Deep Impact" das Schauspiel aus nächster Nähe beobachtet und spektakuläre Bilder zur Erde gefunkt.
"Unser Experiment ist sehr, sehr gut verlaufen", sagte Pete Schultz von der Brown University in den USA. "Wir haben einen Kometen erwischt, und wir haben ihn hart erwischt." Der Aufschlag, der sich 133 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ereignete, lasse auf eine weiche Oberfläche des Kometen schließen. Darunter könnte laut Schultz Eis eingeschlossen sein, das wiederum das Urmaterial unseres Sonnensystems beinhaltet. Wissenschaftler erhoffen sich von der Analyse der Staubwolke und des Inneren von "Tempel 1" neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems.
Die Attacke auf "Tempel 1" wurde von zahlreichen Observatorien im All und überall auf der Erde verfolgt. Die Teleskope der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile schossen phantastische Bilder. Die Wolke habe sich halbmondförmig ausgebreitet und am frühen Dienstagmorgen einen Durchmesser von 20.000 Kilometern erreicht, sagte Eso-Astronomin Monika Petr-Gotzens. Das Material sei nach dem Einschlag mit einer Geschwindigkeit von 500 Kilometern pro Stunde weggeflogen. Andere Berechnungen ergaben gar ein Auswurftempo von 700 bis 1100 km/h.
Bei ersten Spektralanalysen seien Zyanid sowie weitere Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen im Auswurf des Kometen entdeckt worden, sagte Petr-Gotzens. Solche Stoffe und Wasser seien auch in der gewöhnlichen Gashülle vorhanden, die einen Kometenkern umgibt. Der Einschlag des Projektils habe jedoch die Aktivität auf "Tempel 1" deutlich erhöht. "Das Material an dieser Stelle schlummerte unter der Oberfläche und findet nun seinen Weg nach außen."
Das Weltraumobservatorium XMM-Newton hat unterdessen wie erwartet Wasser auf "Tempel 1" entdeckt. Wie die Esa mitteilte, decke sich dies mit vorherigen Beobachtungen der europäischen Raumsonde "Rosetta".
Auch das Weltraumteleskop Hubble lieferte zahlreiche Daten der Himmelskollision. "Die Wolke besteht aus einer Mischung von Wassereis und Kohlendioxideis sowie aus Substanzen, die wir noch nicht identifizieren konnten", sagte Rudolf Albrecht von der Europäischen Koordinationsstelle des Hubble-Weltraumteleskops in München. Die noch nicht identifizierten Stoffe seien neuartig für Kometen und bislang auch nicht in ihren Gashüllen entdeckt worden. "Das ist Material, das seit Milliarden von Jahren sozusagen im Tiefkühlfach lag", erklärte Albrecht.
Der "Impactor" sei vermutlich nicht sehr tief in "Tempel 1" eingedrungen, meint der Forscher. Darauf lasse die Form der Wolke schließen: Ihre Ausdehnung sei nicht kegelförmig gewesen, wie zunächst erwartet, sondern habe die Form einer Halbkugel gehabt.
Der Aufschlag habe einer Energie von 4,5 Tonnen TNT entsprochen. "Die Energie wurde in Wärme verwandelt und hat vermutlich zu einer Dampfexplosion geführt", meint Albrecht. Die Verdampfung habe nur Bruchteile einer Sekunde gedauert, dann seien die Substanzen sofort wieder auf unter minus 100 Grad Celsius abgekühlt und gefroren.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Weltall | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH