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Angst vor Ideenklau: Raumfahrtzentrum will China-Kooperation begrenzen

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Chinas Raumfahrt: Attraktiver Partner, schwieriger Partner Fotos
DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet derzeit an einer neuen Strategie zu Kooperationen mit China - und deren Grenzen. Auch aus Angst vor Ideenklau sollen die deutschen Forscher vorsichtiger sein.

Die Ehrengäste aus Deutschland saßen auf den besten Beobachtungsplätzen, als sich "Shenzhou 8" auf seinen historischen Weg machte. In der Nacht zum 1. November 2011 donnerte das unbemannte chinesische Raumschiff vom Kosmodrom Jiuquan ins All, getragen von einer Rakete des Typs "Langer Marsch 2F". Die Delegation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) klatschte "kräftig Beifall" für die Leistung, wusste Peter Preu vom DLR-Raumfahrtmanagement später zu berichten.

Schließlich gab es einiges zu feiern. An Bord des Raumschiffs war die Frucht einer besonderen Kooperation: die Versuchsanlage "Simbox" mit 17 biologischen und medizinischen Experimenten - und damit das erste gemeinsame Raumfahrtprojekt von Deutschland und China.

Dem DLR war bei der Zusammenarbeit mit der aufstrebenden Raumfahrtnation China ein Coup geglückt. Doch inzwischen ist man vorsichtig geworden: Die Kooperation mit dem Reich der Mitte soll in bestimmten Bereichen beschränkt werden. Das sieht ein Strategiepapier vor, an dem die Luft- und Raumfahrtforscher derzeit schreiben.

Die sogenannte Internationalisierungs-Strategie legt fest, in welchen Feldern die Forscher des Hauses weiterhin mit China kooperieren dürfen - und in welchen eben nicht. Ratsuchende Wissenschaftler verschiedener Bereiche sollen sich an grünen, gelben und roten Ampeln orientieren.

"Immer den Einzelfall bewerten"

In der Grundlagenforschung wird es demnach wohl auch in Zukunft Zusammenarbeit geben, bei der Medizin auch. Doch bei der Entwicklung von Technologie will sich Deutschland stärker als bisher von China abschotten. Konkret geht es unter anderem um die Robotik, bei der die DLR-Forscher international in der Spitzenliga spielen.

Hier hat man Angst vor Technologieklau, zum Beispiel bei Systemen zur Reparatur von Satelliten im Orbit. Besonders brisant: Diese Technik ließe sich auch militärisch nutzen. Es gebe "Kooperationen im Bereich der Robotik", da sei das DLR "etwas vorsichtig", so DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner kürzlich bei einem Pressegespräch in Berlin.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE drückt er sich bewusst diplomatisch aus: Zusammenarbeit über Grenzen hinweg bringe den Wissenschaftlern viele Vorteile. Diese dürften aber "nicht dazu führen, dass man die Augen vor eventuell besonderen Punkten wie dem Beachten von Menschenrechten oder den Umgang mit Schutzrechten verschließen darf."

Für seine wichtigsten internationalen Kooperationen hat das DLR Verträge mit anderen Raumfahrtorganisationen geschlossen, mit der Nasa zum Beispiel. Aber auch mit den Kollegen in Russland oder Japan. Mit den Chinesen gibt es so ein Abkommen dagegen nicht, hier werden einzelne Projektverträge geschlossen.

"Aufgrund der vielfältigen eigenen Hochtechnologieentwicklungen", so sagt DLR-Chef Wörner, sehe sich sein Haus "in einer besonderen Verantwortung". In der Kooperation mit China gelte es, "immer den Einzelfall zu bewerten". Gefragt sei ein "Vorgehen mit Augenmaß". Sein Haus stimme "seine Positionen mit der Bundesregierung ab".

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium in Berlin sah sich innerhalb von einer Woche zunächst nicht in der Lage, eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zum Thema zu beantworten. Später erklärte das Ministerium dann, wissenschaftliche Kooperationen lägen "im Ermessen und in der Verantwortung der staatlich geförderten außeruniversitären Forschungseinrichtungen" - und zwar "im Rahmen ihrer satzungsgemäßen Aufgaben". Zu beachten seien "die einschlägigen internationalen und nationalen exportkontrollrechtlichen Bestimmungen".

Esa schwankt zwischen Enthusiasmus und Vorsicht

Im Grundsatz ist China ein spannender Raumfahrt-Partner. Das Land verfolgt ein ambitioniertes Programm auf seinem Weg ins All. Das hat die Mondmission "Chang'e 3" noch einmal eindrücklich belegt. In den USA fehlen dagegen Geld und politische Unterstützung für spektakuläre All-Abenteuer. In Russland macht allzu oft die Technik Probleme. Und die Staaten der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) haben sogar Schwierigkeiten, das Geld für den Weiterbetrieb der Internationalen Raumstation (ISS) zusammenzubekommen.

Esa-Chef Jean-Jacques Dordain hat sich immer wieder für eine Einbeziehung Chinas in die ISS ausgesprochen. Doch das wird nicht passieren - weil die Amerikaner blockieren. Der Nasa ist per Gesetz jede bilaterale Zusammenarbeit mit China verboten. Also denkt man in Europa über eigene Projekte mit den Chinesen nach.

So soll es Kooperationen bei der Weltraummedizin und im Astronautentraining geben. Das hat Thomas Reiter, Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt und Betrieb, kürzlich angekündigt. Unter anderem soll ein chinesischer Mediziner dabei sein, wenn Astronaut Alexander Gerst nach sechs Monaten im All in Köln medizinisch untersucht wird.

Der Hauptgewinn einer Kooperation mit China wäre für die Europäer wohl ein Ticket für ein chinesisches Raumschiff, im nächsten Jahrzehnt vielleicht. Allerdings ist man auch im Esa-Hauptquartier in Paris vorsichtig. Der verantwortliche Mitarbeiter Karl Bergquist stellt auf Anfrage klar: In der Weltraumtechnik gebe es Bereiche, die kommerziellerer Natur seien als andere. Telekommunikation gehöre dazu, aber auch die Entwicklung von Raketen und anderer Technologie. Und hier kooperiere man nicht mit dem Reich der Mitte.

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" lernt allerdings ein Mitglied des europäischen Astronautencorps schon mal Chinesisch. Man weiß ja nie, wie umfassend die Zusammenarbeit dann doch einmal wird.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. China Kooperation weiterhin beschränken
truthonly 20.02.2014
Ich bin 100%er Befürworter von Raumfahrt und es ist Fakt das viele Erfolge innerhalb diese Forschungssektors in den vergangenen Jahrzehnten aus internationaler Kooperation entstanden sind welche nicht in diesem Zeitraum entstanden wären ohne diese Kooperationen, je mehr gute Köpfe, desto besser. Die Finanzierung der Forschung durch Steuergelder ist jedoch auch als ein Invest zu sehen in Technologien welche gewinnbringend in die deutsche Wirtschaft einfließen und einfließen werden. China hat in den letzen Jahrzehnten gezeigt, dass dort Begriffe wie zB geistiges Eigentum, Patentrechte ua einen anderen, wenn nicht gar nicht vorhandenen, Stellenwert haben als in den Ländern der westlichen Welt welche die Einhaltung dieser Grundsätze als gegeben und wesentlich ansieht. Eine Begrenzung der Mitwirkung Chinas an Forschungsprojekten in der Raumfahrt ist zwar von der wissenschaftlichen Seite aus betrachtet eine Einschränkung der Möglichkeiten, da das dort vorhandene wissen-schaftliche Potential nicht einfließt, jedoch ist diese Einschränkung ein Weg der leider zZ gegangen werden muss um zu verhindern das wirtschaftlich verwertbare Resultate ausserhalb der international geltenden Richlinien, eben durch China, verwertet werden können. PS: Ich bitte um Verständniss das ich Fragen wie zB "was bringt den Raumfahrt" uä nicht beantworten werde da diese Informationen öffentlich und für alle im www zur Verfügung stehen.
2. Richtig so!!
artjoel 20.02.2014
Vorsicht ist immer Angebracht!
3. jeder hat seinen Preis
abcstudent 20.02.2014
sobald die Chinesen ihren Geldbeutel öffnen, um vlt Forschung zu unterstützen für die die Forscher in Deutschland keine Gelder bekommen, ist dieses Thema gegessen. Im schriftl. Spiegel gab es mal einen Artikel darüber. Warum viele Deutsche in die Usa abwandern
4. gottchen! ja gehts noch?
Luna-lucia 20.02.2014
Zitat von sysopDLRDas Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet derzeit an einer neuen Strategie zu Kooperationen mit China - und deren Grenzen. Auch aus Angst vor Ideenklau sollen die deutschen Forscher vorsichtiger sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/deutsche-all-technik-dlr-arbeitet-an-neuer-china-strategie-a-953241.html
wer fährt mit einem "Mini" auf dem Mond rum? > Ohhjaaaaaa > Die Chinesen! Aber sicher nicht mit geklautem Wissen, sondern mit selber denken! Und wer bezahlt das ganze? Europa mal sicher nicht! Und Ami-Land ist ohnehin voll pleite.
5. haben die DLR-Forscher
Luna-lucia 20.02.2014
Zitat von sysopDLRDas Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet derzeit an einer neuen Strategie zu Kooperationen mit China - und deren Grenzen. Auch aus Angst vor Ideenklau sollen die deutschen Forscher vorsichtiger sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/deutsche-all-technik-dlr-arbeitet-an-neuer-china-strategie-a-953241.html
auch Raketen, mit denen sie funktionierende Mondfahrzeuge - das sind doch auch "Robots" oder nicht! - dort hin bringen, sicher absetzen, und vorgesehene Experimente einwandfrei durchführen können?
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