Mammutprojekt SKA: Deutschland beteiligt sich an Riesenteleskop

Überraschung in Kapstadt: Deutschland wird nun doch an der größten Teleskopanlage der Welt mitarbeiten. Auch eine Beteiligung an der Finanzierung sei denkbar, sagte Forschungsministerin Schavan. Um den künftigen Standort des Riesenteleskops streiten sich Australien und Südafrika.

SKA-Schüssel: Das größte Radioteleskop der Welt soll Geheimnisse des Weltalls lüften Zur Großansicht
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SKA-Schüssel: Das größte Radioteleskop der Welt soll Geheimnisse des Weltalls lüften

Kapstadt - Das neue Superauge der Astronomie soll ab 2016 gebaut werden: Das Square Kilometre Array, also Quadratkilometer-Anordnung oder kurz SKA. Die aus vielen einzelnen Radioteleskopen bestehende Anlage soll 50-mal empfindlicher und 10.000-mal schneller sein als die derzeit besten Observatorien der Welt.

Deutschland gehört bislang nicht zu den Projektpartnern, aber das soll sich ändern. Man werde der SKA-Organisation beitreten, die unter anderem für die Vorbereitungsphase zur Aufstellung das SKA zuständig sei, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in Kapstadt. Eine Vollmitgliedschaft sei zwar noch nicht vorgesehen. Eine "aktive finanzielle Partnerschaft" bei dem Projekt sei jedoch nicht ausgeschlossen, erläuterte Schavan zum Start des "Deutsch-Südafrikanischen Jahres der Wissenschaft 2012/2013".

Derzeit tobt heftiger Wettbewerb zwischen Südafrika und Australien um den künftigen Standort des auf 1,5 Milliarden Euro geschätzten Projekts. Bis Mitte Mai erwarte sie eine Entscheidung, sagte Südafrikas Wissenschaftsministerin Naledi Pandor. Sie warnte vor einem faulen Kompromiss wie etwa der Aufteilung des Projekts auf beide Kontinente. "Es muss nach wissenschaftlichen Kriterien entschieden werden, welches der bessere Standort ist", so die Ministerin.

Teleskope sich über fünf Spiralarme verteilt

Darüber entscheiden müssen die SKA-Vollmitglieder China, Großbritannien, Italien, Kanada und die Niederlande. Mögliche Standort-Länder dürfen nicht mitstimmen. Schavan wollte die Frage, ob sie Südafrika im Wettbewerb um das Riesenteleskop unterstütze, nicht direkt beantworten. Sie glaube aber, dass "es die richtige Zeit ist, die wissenschaftliche Infrastruktur in Afrika zu stärken". Der Kontinent wäre "eine gute Wahl mit Blick auf die Forschungs-Infrastruktur". Südafrika bewirbt sich gemeinsam mit acht anderen afrikanischen Staaten um den SKA-Standort, Australien tut dies gemeinsam mit Neuseeland.

Der Baubeginn für SKA ist für 2016 geplant, acht Jahre später soll die Anlage voll einsatzfähig sein. Die Antennen, die Radiowellen aus dem All empfangen, sollen im zentralen Bereich des Teleskopgeländes dicht nebeneinander stehen. Die weiter außen stehenden Teleskope verteilen sich über fünf Spiralarme, wobei die Abstände zum Zentrum immer größer werden. Einige der Antennen sollen bis zu 3000 Kilometer vom zentralen SKA-Bereich entfernt sein.

Das Riesenteleskop soll aus 3000 schüsselförmigen Empfängern für hohe Frequenzen und aus Detektoren für mittlere und niedrige Radiofrequenzen bestehen. SKA soll dann den Bereich von 70 Megahertz bis 10 Gigahertz abdecken. Astronomen erhoffen sich so extrem präzise Einblicke in bislang kaum beobachtbare Gebiete des Universums.

Eines der bekanntesten Radioteleskop-Netzwerke, das Very Large Array, steht im US-Bundesstaat New Mexico. Es besteht aus 27 Schüsseln von je 25 Metern Durchmesser. Ein noch größeres Teleskop, das Atacama Large Millimeter Array (Alma), wird derzeit im Norden von Chile errichtet. Eine erste Aufnahme lieferte Alma im Oktober. Die Gesamtkosten liegen dort bei 800 Millionen Euro.

Doch es geht auch deutlich günstiger: Das noch in Bau befindliche Radioteleskop "Lofar" wird nur rund 150 Millionen Euro kosten. Es besteht aus 25.000 über ganz Europa verteilten, vergleichsweise simplen Antennen.

hda/dpa

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