"Discovery"-Außeneinsatz: Astronauten reparieren Raumstation

Astronauten des Space Shuttles "Discovery" absolvieren in diesen Stunden ihren zweiten Weltraumspaziergang. Zunächst soll nicht die Raumfähre selbst, sondern die Internationale Raumstation ISS gewartet werden. Eine Reparatur des Hitzeschilds am Shuttle wäre dagegen weit riskanter.

US-Astronaut Steve Robinson (l.) und Soichi Noguchi bei Arbeiten an der ISS: Wechsel des Gyroskops
AP/ NASA TV

US-Astronaut Steve Robinson (l.) und Soichi Noguchi bei Arbeiten an der ISS: Wechsel des Gyroskops

Cape Canaveral - Ganz ohne Verspätung geht derzeit offenbar nichts bei der Nasa. Auch der ursprünglich für 10.14 MESZ geplante Ausstieg zweier Astronauten der US-Raumfähre "Discovery" aus der Internationalen Raumstation ISS hat sich zunächst verzögert. Die Ausrüstung und Technik müssten vor dem Einsatz besonders sorgfältig geprüft werden, sagte ein Nasa-Mitarbeiter im russischen Flugleitzentrum bei Moskau.

Rund eine halbe Stunde nach dem Zeitplan begannen der Amerikaner Stephen Robinson und der Japaner Soichi Noguchi mit ihrem etwa sechsstündigen Außeneinsatz. Die beiden Astronauten sollen ein defektes Instrument an Bord der ISS austauschen. Das sogenannte Gyroskop dient dazu, die Raumstation auf einer stabilen Umlaufbahn um die Erde zu halten. Es ist etwa so groß wie eine Waschmaschine und wiegt auf der Erde rund 300 Kilogramm. Die Nasa überträgt den Weltraum-Spaziergang live auf der Nasa-TV-Internetseite.

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"Discovery": Schäden am Hitzeschild

Möglicherweise steht der "Discovery"-Besatzung in den nächsten Tagen ein weiterer, bei weitem risikoreicher Außeneinsatz bevor. Bei jüngsten Inspektionen des an die ISS angedockten Shuttles war festgestellt worden, dass sich an zwei Stellen am Bauch der "Discovery" Füllstreifen aus den Fugen zwischen den Hitzekacheln gelöst haben.

An einer Stelle steht der Streifen zweieinhalb Zentimeter weit ins All ab, sagte Nasa-Mitarbeiter Steve Poulos. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre könne dies zu einer Temperatursteigerung um 15 bis 25 Prozent führen. Im Normalfall müssen die Hitzekacheln an der Unterseite der "Discovery" bis zu 1400 Grad Celsius aushalten.

Füllmasse wird zum zweiten Dauerproblem

Im Unterschied zu den anderen bisher entdeckten Schäden sei die herausstehende Füllmasse nicht das Ergebnis eines Trümmerteil-Treffers. Vielmehr habe wahrscheinlich der Kleber nachgegeben, der die Füllmasse an der metallenen Außenhülle des Raumschiffs festhalten soll, sagte Poulos.

Astronaut Soichi Noguchi bei Außenarbeiten an der ISS: Stundenlang im All
AP/ NASA TV

Astronaut Soichi Noguchi bei Außenarbeiten an der ISS: Stundenlang im All

Damit hat die Nasa neben der Schaumstoff-Isolierung des Haupttanks das nächste technische Grundsatzproblem mit den Shuttles. Man werde nun daran arbeiten, die Füllmasse zu verbessern, um künftige Probleme zu vermeiden, kündigte Poulos an.

Schäden an der Füllung zwischen den Hitzekacheln hatten sich schon früher bei Shuttle-Missionen gezeigt, aber bis zum 1. Februar 2003 keine Folgen gehabt. "Erst der Absturz der 'Columbia' hat uns gezeigt, dass wir Russisches Roulette mit den Astronauten gespielt haben", sagte der stellvertretende Shuttle-Programmdirektor Wayne Hale.

Die Nasa will am heutigen Montag entscheiden, ob die "Discovery" im All repariert werden muss. Das aber könnte sich schwierig gestalten: Die betroffenen Stellen befinden sich am Bauch der Raumfähre, der nur schwer zu erreichen ist. Wahrscheinlich müsste ein Astronaut am Roboterarm des Shuttles entlanghangeln, um das losgelöste Fugenmaterial aus Filz und Keramik wieder anzukleben - eine Aussicht, die Experten durchaus nervös macht.

Nächster Shuttle könnte noch dieses Jahr starten

Die Reparatur könnte im Rahmen eines ohnehin für Mittwoch geplanten dritten Außeneinsatzes der Shuttle-Astronauten Robinson und Noguchi erfolgen. Die Nasa schloss aber auch einen zusätzlichen Ausstieg ins All nicht gänzlich aus.

Roboterarm der "Discovery": Turngerät für Weltraum-Spaziergänger
REUTERS

Roboterarm der "Discovery": Turngerät für Weltraum-Spaziergänger

Am Samstag hatten die beiden Shuttle-Astronauten bei einem fast siebenstündigen Aufenthalt im All unter anderem neu entwickelte Methoden zur Reparatur von Rissen und Dellen in Hitzekacheln geübt und die Raumfähre von außen inspiziert.

Ein Schaden am Hitzeschild hatte am 1. Februar 2003 zum Absturz der Raumfähre "Columbia" geführt. Der Hitzeschild am Flügel war durch ein beim Start vom Außentank abgeplatztes Stück Isolierschaumstoff so schwer beschädigt worden, dass der Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinanderbrach.

Bereits am Samstag hatte die Nasa die Mission der "Discovery" um einen Tag verlängert. Das soll der Besatzung Zeit für zusätzliche Arbeiten an und in der ISS geben, da unklar ist, wann der nächste Shuttle die Raumstation besuchen kann. Am vergangenen Mittwoch hatte die Nasa erneut alle Shuttle-Missionen ausgesetzt, nachdem auch beim Start der "Discovery" wieder Schaumstoff vom Außentank abgeplatzt war. Nasa-Direktor Michael Griffin hat aber mittlerweile angedeutet, dass das Problem schon bald gelöst und die nächste Raumfähre noch in diesem Jahr starten könne.

Voraussichtlicher Termin für die Rückkehr der "Discovery" zur Erde ist nun der 8. August. Die Nasa will aber erst das Problem der defekten Fugen geklärt haben, bevor offiziell grünes Licht für die Heimreise gegeben wird. Darüber hinaus gebe es nichts, was einer sicheren Rückkehr im Wege stehe, sagte Wayne Hale. Bereits zuvor entdeckte Dellen in mehreren Hitzekacheln stellten kein Problem dar.

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