Satellitenbild der Woche: Ich seh' nur Bahnhof!

Wolken, Dunkelheit, Regen - dem Radarsatelliten "TerraSar-X" machen sie nichts aus. Mit den richtigen Analyseverfahren kann er aus dem All sogar Höhenänderungen im Millimeterbereich erkennen - wie eine faszinierende Aufnahme des Berliner Hauptbahnhofs zeigt.

Punktwolke: Der Berliner Hauptbahnhof in den Augen von "TerraSar-X" Zur Großansicht
DLR

Punktwolke: Der Berliner Hauptbahnhof in den Augen von "TerraSar-X"

Menschen mit zumindest einigermaßen passablen Umgangsformen wissen, dass man Geburtstagskindern gratulieren sollte. Also: Herzlichen Glückwunsch "TerraSar-X"! Der deutsche Radarsatellit fliegt seit genau fünf Jahren um die Erde. Eine "Dnepr"-Rakete brachte ihn am 15. Juni 2007 vom kasachischen Baikonur aus ins All.

Mit seinem fünften Geburtstag hat der Satellit nun seine ursprünglich geplante Einsatzzeit erreicht. Doch noch zeigt der Jubilar keine Macken - ganz im Gegenteil: Er ist gut in Schuss. "Der Betrieb von 'TerraSar-X' läuft seit fünf Jahren nahezu fehlerlos. Der Treibstoffverbrauch des Satelliten war gering, Solarbatterie sowie Radarinstrumente sind in gutem Zustand, und es sind noch alle Ersatzsysteme vorhanden ", freut sich Michael Bartusch, zuständiger Projektleiter beim DLR.

Also hofft man beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und beim Raumfahrtkonzern EADS Astrium noch auf ein paar gute Jahre. Die Raumfahrtagentur und das Unternehmen betreiben "TerraSar-X" gemeinsam in einem sogenannten Public Private Partnership.

Als Radarsatellit machen "TerraSar-X" weder Wolken noch Dunkelheit etwas aus. Aus 514 Kilometern Höhe kann er Bilder mit einer Auflösung von bis zu einem Meter aufnehmen. So werden Grönlands Gletscher regelmäßig mit "TerraSar-X" vermessen. Doch damit nicht genug: Der Satellit kann auch extrem kleine Höhenänderungen messen. Das zeigt die Aufnahme des Hauptbahnhofs in Berlin.

Experten des DLR in Oberpfaffenhofen haben Zusammen mit Forschern der Technischen Universität München einen Weg gefunden, die jahreszeitlichen Größenänderungen des Bahnhofs mit dem Satelliten zu verfolgen: Tatsächlich verformt sich das Gebäude innerhalb eines Jahres vertikal um bis zu 1,8 Zentimeter und horizontal zwischen 1,5 und 3,5 Zentimeter. Der Grund: Bei Hitze dehnt sich die Stahlkonstruktion aus; wird es kühler, zieht sie sich wieder zusammen.

Das eingesetzte Verfahren heißt Persistent Scatterer Interferometry. Es setzt darauf, dass ein Objekten mit gleichbleibenden Reflexionseigenschaften über lange Zeiträume beobachtet wird. Durch die Veränderungen im Datensatz können sich so Deformationen im Bereich einiger Millimeter erkennen.

chs

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