"Mit dem Trampolin zur ISS" Rogosin ist Russlands neuer Raumfahrt-Chef

An der Spitze der russischen Raumfahrtorganisation gibt es einen Wechsel. Neuer Roskosmos-Chef wird der frühere Vizeregierungschef Dmitrij Rogosin. Der ist für markige Sprüche bekannt.

Neuer russischer Weltraumbahnhof Wostotschnij (Archivbild)
Roskosmos

Neuer russischer Weltraumbahnhof Wostotschnij (Archivbild)


Russlands Präsident Wladimir Putin hat den bisherigen Roskosmos-Chef Igor Komarow entlassen und nach Angaben des Kreml den früheren Vizeregierungschef und Hardliner Dmitrij Rogosin mit der Leitung der strategisch wichtigen Organisation betraut. Komarow hatte das Amt seit 2015 inne. Er war unter anderem geholt worden, um Probleme beim Bau des neuen Weltraumbahnhofs Wostotschnij zu lösen.

Darum muss sich nun Rogosin kümmern. "Ich werde mein Möglichstes und alles Notwendige tun, um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen", sagte er im russischen TV-Sender "Rossija 24". Rogosin, der bis zur vergangenen Woche für den militärisch-industriellen Sektor Russlands verantwortlich war, ist für seine antiwestliche Haltung bekannt und auch von US-Sanktionen direkt betroffen.

International sorgte er für Aufsehen, als er angesichts der US-Sanktionen nach der russischen Annexion der Krim erklärt hatte, wenn Washington mit seinem Land nicht mehr in der Raumfahrt kooperieren wolle, müssten die Amerikaner eben künftig "mit dem Trampolin" zur Internationalen Raumstation ISS starten. Später hatte er diese Äußerungen relativiert. "Wir sind Pragmatiker, Realisten", so sein Credo.

Die russische Raumfahrt hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Rückschlägen erlebt. Zuletzt war im Dezember 2017 der Kontakt zum ersten Telekommunikationssatelliten Angolas abgebrochen, der vom Kosmodrom in Baikonur ins All geschossen worden war. Der Kontakt konnte wiederhergestellt werden, doch ist die Funktionstüchtigkeit des Satelliten fraglich. Im November war eine ebenfalls mit Satelliten beladene Rakete abgestürzt - weil sie auf den falschen Startplatz eingestellt worden war.

Allerdings verfügt allein Russland derzeit über Raketen, welche den Transport der Besatzung zur Internationalen Raumstation ISS ausführen können. Hauptgeldgeber für die ISS sind die USA und Russland. Es ist eine der seltenen Kooperationen, die trotz der massiven politischen Spannungen zwischen den beiden Staaten fortgesetzt wird.

Im Video: 166 Tage im Weltall - Mit Alexander Gerst auf der ISS (2015)

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chs/AFP



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