Fotografierender Astronaut: So entstehen magische Fotos im All

Von Christoph Seidler

Fotos aus dem All: Ein Planet zum Staunen Fotos
NASA

Leuchtende Polarlichter, zuckende Blitze, funkelnde Metropolen - aus dem All bietet sich ein ganz besonderes Bild der Erde. Der Amerikaner Don Pettit hat von der Internationalen Raumstation spektakuläre Fotos der Erde gemacht - und verrät nun ein paar seiner Tricks.

Ein Blick ins Gruselkabinett soll die Neuen abschrecken. Bevor die Nasa ihre Astronauten ins All schickt, müssen diese sich in der Foto-Abteilung der US-Weltraumbehörde ansehen, was ihre Vorgänger verbockt haben: verwischte Motive, störende Reflektionen - und unvorteilhafte Aufnahmen von Kollegen. Die neuen Raumfahrer sollen auf die harte Tour lernen, gutes Material für die riesigen Astro-Foto-Datenbanken zu liefern.

Doch was braucht es für richtig gute Aufnahmen aus dem All? Der Amerikaner Don Pettit ist ein Experte für diese Frage. Seit dem Grundschulalter ein Hobby-Fotograf hat er insgesamt 370 Tage in der Schwerelosigkeit verbracht - und Zehntausende Fotos geschossen. Insgesamt brachte er es zusammen mit seinen Kollegen auf eine halbe Million. Von der Station aus lassen sich faszinierende Naturphänomene beobachten:

  • Leuchtende Nachtwolken, die in gut 80 Kilometern Höhe das Sonnenlicht reflektieren;
  • Polarlichter, bei denen die rasenden Teilchen des Sonnenwindes durch das Erdmagnetfeld eingefangen werden;
  • Sprites, bei denen Blitze aus Gewitterfronten nach oben ausschlagen - bis in hundert Kilometer Höhe;
  • Gewitter, wie sie in jedem Moment zu Hunderten auf der Erde toben;
  • Meteorströme wie die Lyriden, durch die unserer Planet bei seinem Lauf um die Sonne regelmäßig fliegt.

Idealer Beobachtungspunkt ist das in Europa gebaute "Cupola"-Modul der ISS mit seinen sieben Fenstern. Dort sind zahlreiche Kameras aufgebaut. Neben einem Grundverständnis fotografischer Konzepte - Blende, Belichtungszeit, Lichtempfindlichkeit - helfen ein paar praktische Tipps beim Fotografieren:

Richtig scharf stellen: Aus Sicht des Astronauten dreht sich Erde mit höllischer Geschwindigkeit unter der Station weg - mit rund acht Kilometern pro Sekunde. Tagsüber ist das Scharfstellen mit Autofokus zumindest bei kurzen Belichtungszeiten kein Problem. Nachts dagegen - und 30 von 90 Minuten jeder Erdumrundung liegen in Dunkelheit - sollten die Raumfahrer die Einstellung von Hand vornehmen. Auf seinem zweiten Raumflug hatte Pettit sich eine eigene Konstruktion gegen das Verwackeln gebaut, unter anderem aus einer nicht mehr genutzten Halterung einer Imax-Kamera und einem Akkuschrauber. Mittlerweile gibt es für diesen Job auch den in Europa entwickelten "Nightpod".

Passende Objektive wählen: Zumindest Pettit ist ein großer Freund von Weitwinkelobjektiven. Im Inneren der recht beengten Raumstation kann zum Beispiel ein 8mm-Fischaugen-Objektiv dabei helfen, schöne Motive aufzunehmen - weil einfach mehr auf das Bild passt. Auch bei Aufnahmen der Erde können Weitwinkelobjektive nützlich sein - um Bilder zu machen, die sich von klassischen Satellitenfotos unterscheiden. Außerdem helfen niedrigere Brennweiten, das Problem mit der Erdbewegung nicht zu groß werden zu lassen.

Keine Zeit vertrödeln: Am besten werden die Kameras nie komplett ausgeschaltet - damit die Raumfahrer notfalls schnell abdrücken können. Für optimale Ergebnisse sollte das Motiv direkt unterhalb des Fotografen liegen ("Nadir"). Doch von dort ist es nach wenigen Sekunden wieder verschwunden. Wer sein Bild dann nicht im Kasten hat, muss elf Tage warten, um dieselbe Stelle wieder zu überfliegen. Der Kilimandscharo sei zum Beispiel extrem schwer zu fotografieren, sagt Pettit. "Er ist schlecht zu erkennen - und wenn man nicht bereit ist, dann ist es auch schon zu spät."

Reflektionen vermeiden: Ein großes Problem bei Nachtfotos aus dem "Cupola"-Modul ist störendes Licht - obwohl die Vierfach-Verglasung der Fenster mit einem Spezialbeschichtung versehen ist. "Schon kleine Reflektionen können die Grundstimmung eines Bildes zerstören", klagt Pettit. Deswegen kann man rote und grüne Signalleuchten von ISS-Instrumenten hinter schwarzem Klebeband verschwinden lassen. Allerdings kann auch von den angrenzenden Modulen "Node 1" und "Node 3" sowie der Toilette störendes Licht in die Kuppel gelangen. Pettit überredete seine Crew-Kollegen daher, ihr Geschäft im Namen der Kunst im Dunkeln zu verrichten.

Auf der Station kommen handelsübliche Kameras und Objektive zum Einsatz. Aber die Technik hält nicht ewig - weil kosmische Strahlung den Chips zusetzt. Deswegen sollten die Geräte mindestens einmal im Jahr ersetzt werden, so Pettit. Die Fotos werden nach der Aufnahme zunächst im RAW-Format auf der Station gespeichert. Etwa einmal pro Woche gehen sie dann an die Bodenstation. Und damit wartet man besser auch nicht allzu lang: Denn auch Festplatten geben in der Schwerelosigkeit häufig den Geist auf.

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