Bei den Flügen zur Internationalen Raumstation (ISS) sind Nasa-Astronauten demnächst nur noch Passagiere: Noch in diesem Jahr endet das Space-Shuttle-Programm, danach bringen allein die russischen Sojus-Raumschiffe Menschen in den Erdorbit. Einen Shuttle-Nachfolger will die Nasa nicht selbst bauen - die US-Weltraumbehörde hat mehrere Unternehmen damit beauftragt.
Die Nasa verfolgt andere, durchaus ambitionierte Pläne: ein Raumfahrzeug für längere Missionen im All. Vier Astronauten sollen in dem Gefährt zunächst bis zu drei Wochen lang reisen können. Enden werden die künftigen Ausflüge mit einer Landung im Pazifik. Auf lange Sicht sind Flüge zu einem Asteroiden und dann sogar zum Mars geplant.
Das neue Multi-Purpose Crew Vehicle (MPCV) basiert auf Designs, die ursprünglich für das "Orion"-Kapselsystem vorgesehen waren, erläutert die Nasa. "Orion" war Teil des "Constellation"-Programms der Behörde, das nach langer Zeit wieder Menschen auf den Mond bringen sollte. Präsident Barack Obama hatte das Programm im vergangenen Jahr gestrichen - und mit der Vorgabe verbunden, bis 2025 Menschen zu einem Asteroiden zu bringen und möglichst bis 2035 zum Mars. Das Unternehmen Lockheed Martin, das zuvor auch den "Orion"-Auftrag erhalten hatte, soll das neue Vehikel entwickeln. Die Astronauten sollen darin rund zehn Kubikmeter Platz haben, knapp 20 Kubikmeter in dem Raumschiff sollen unter Druck stehen.
Nach Angaben der Nasa ist das neue Gefährt bei Start, Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und Landung zehnmal sicherer als seine Vorgänger, die Space Shuttles. Die Raumfähren sollen im Sommer stillgelegt werden. Zurzeit befindet sich die "Endeavour" auf ihrem Abschiedsbesuch an der ISS, danach ist eine letzte Shuttle-Mission für Juli geplant.
Das MPVC soll von einer schweren Rakete, die ebenfalls entwickelt wird, ins All befördert werden. Der US-Kongress hatte die Nasa im vergangenen Jahr angewiesen, das Fahrzeug und die Rakete bis 2016 startbereit zu haben. Aber die Behörde hat bereits angedeutet, dass wohl mehr Zeit benötigt werde. Falls die beauftragten privaten Unternehmen bis dahin keinen Shuttle-Nachfolger entwickelt haben, könnte das neue Nasa-System auch Flüge zur Internationalen Raumstation übernehmen.
wbr/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Weltall | RSS |
| alles zum Thema Nasa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH