Eingeschleppte Mikroben: Forscher glaubt an irdisches Leben auf dem Mars

Auf dem Mars könnte es Leben geben - allerdings kein einheimisches. Millionen von Bakteriensporen sind an Bord von Sonden zum Roten Planeten gelangt, glaubt ein französischer Experte. Die Regeln zur Desinfektion von Raumschiffen müssten verschärft werden.

Paris - Auf dem Mars gibt es wohl tatsächlich Leben wie auf der Erde, sagte André Debus gestern in Paris. Den Grund dafür lieferte der Experte der französischen Raumfahrtbehörde CNES gleich nach: Das Leben stammt von der Erde. Mittlerweile dürfte eine Milliarde irdischer Bakteriensporen durch Mars-Missionen aus den USA und Europa auf dem Roten Planeten eingeschleppt worden sein, erklärte er.

Rover "Spirit" auf Mars: Sporen als blinde Passagiere an Bord?
DPA / NASA

Rover "Spirit" auf Mars: Sporen als blinde Passagiere an Bord?

Im unwirtlichen Mars-Klima könnten sich die Bakterien nicht weiter entwickeln, sagte Debus; sie verharrten aber bei Minusgraden, ohne Wasser und Nährstoffe, in einer Art Schlafzustand. Debus hatte im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa eine Studie zur möglichen Kontamination des Mars erstellt.

Nach den Vorgaben des internationalen Committee on Space Research (COSPAR) darf ein Mars-Landegerät höchstens 300.000 Sporen der Mikroorganismen auf den Roten Planeten mitbringen. Vor der obligatorischen Desinfektion gibt es schätzungsweise drei Milliarden Sporen. Roboter, die auf dem Roten Planeten unterwegs sein sollen, dürften höchstens 300 Sporen je Quadratmeter mitbringen, spezielle Suchgeräte höchstens 30.

Die Nasa beschäftigt eigens einen Planetary Protection Officer, der sich ausschließlich um den Schutz von Objekten im All vor der Kontamination durch irdische Mikroben kümmert. Er soll verhindern, dass Bakterien oder Sporen quasi per Anhalter durch die Galaxis fliegen - an Bord von Nasa-Sonden. Vor allem Sporen gelten als sehr widerstandsfähig - sie können mitunter jahrelange Flüge durchs All trotz der Strahlung unbeschadet überleben.

Deshalb werden Sonden wie die beiden immer noch aktiven Marsrover "Spirit" und "Opportunity" vor dem Start penibel gereinigt. Teilen, die keine große Hitze vertragen, rücken die Nasa-Techniker mit Chemikalien zu Leibe.

Dass die bisherigen Maßnahmen ausreichen, wird nun von dem französischen Experten Debus angezweifelt. Die Regeln für die Desinfektion von Raumfahrzeugen müssten verschärft werden, damit bei der Suche nach Leben auf dem Mars nicht versehentlich Bakterien von der Erde als Sensationsfund gemeldet werden.

Wie intensiv eine Sonde vor ihrem Start von Mikroben gereinigt wird, hängt auch vom Verlauf ihrer Mission ab. Raumschiffe, die ausschließlich Planeten oder Monde umkreisen sollen, müssen nicht so sauber sein wie jene, die auf anderen Objekten landen sollen.

Doch eine solche Landung kann auch ungewollt stattfinden - und Weltallreinhalter vor Probleme stellen. Wie beispielsweise die japanische Sonde "Nozomi", die sich Ende 2003 nach technischen Problemen plötzlich auf Kollisionskurs mit dem Mars befand. Um eine Kontaminierung des Planeten zu verhindern, wurde die Sonde vom Kurs abgebracht und erreichte schließlich eine ungefährliche Sonnenumlaufbahn.

Wenige Monate zuvor mussten Nasa-Mitarbeiter bei der Sonde "Galileo" ein ähnliches Manöver des letzen Augenblicks durchführen. Sie lenkten die Sonde in die Jupiter-Atmosphäre, in der sie verglühte, um zu verhindern, dass "Galileo" auf den Mond Europa stürzt und ihn verunreinigt.

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