Mond: Dünnes Eis im Krater der ewigen Finsternis
Gibt es Wasser auf dem Mond? Studien widersprechen sich. Hoffnung setzen Forscher auf den finstersten Krater des Trabanten - doch Messungen mit einem Laser zeigen allenfalls eine dünne Eisschicht. Die Hänge des Kraters scheinen in Bewegung.
Hamburg - Seit drei Milliarden Jahren fiel kein Licht auf den Südpol des Mondes. Dort klafft der Shackleton-Krater, eine knapp 20 Kilometer breite und rund drei Kilometer tiefe Kuhle. Wegen der ewigen Kälte ist der Krater ein bevorzugter Ort für die Suche nach Wasser auf dem Mond, das dort als ewiges Eis gespeichert sein könnte.
Per Laser haben Forscher nun die Finsternis ausgeleuchtet. Anders als erwartet, gibt es im Shackleton-Krater am Südpol des Mondes demnach nur winzige Spuren von Wassereis. Die Wissenschaftler um Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA präsentieren ihre Analysen im Journal "Nature".
Die Forscher um Zuber spähten mit Hilfe eines Lasers an Bord der Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) der US-Raumfahrtbehörde Nasa in den Krater. LRO umkreist den Mond in einer Umlaufbahn über die Pole. Er machte bei mehr als 5000 Überflügen mehr als fünf Millionen Messungen vom Shackleton-Krater.
"Aus der unglaublichen Dichte der Beobachtungen konnten wir eine extrem detailreiche Geländekarte erstellen", berichtet Zuber in einer Mitteilung ihres Instituts. Demnach ist der Krater seit seiner Entstehung vor drei Milliarden Jahren nahezu unverändert. Seine Oberfläche ist Zuber zufolge stark zerklüftet. "Es wäre nicht einfach, darin herumzukriechen", schildert die Forschungsleiterin.
Einschlag wirbelt Wasser auf
Aus den Lasermessungen konnten die Wissenschaftler nicht nur das Gelände im Inneren erkunden, sondern auch dessen Beschaffenheit. Denn die Menge des reflektierten Laserlichts gibt Aufschluss über die Eigenschaften des Materials.
Tatsächlich ist der Kraterboden überraschend hell, was sich mit einer Eisschicht erklären ließe. Allerdings handelt es sich nach der Analyse der Forscher höchstens um eine Tausendstel Millimeter dünne Schicht, von der maximal ein Fünftel aus Wassereis besteht. Damit ist der Mondkrater zumindest an der Oberfläche relativ trocken.
Zahlreiche Sonden haben zuvor mit verschiedenen Methoden Hinweise auf Wasser an verschiedenen Stellen des Erdtrabanten gefunden. Am deutlichsten demonstrierte das die Sonde "LCROSS", mit der die Nasa 2009 einen Nachbarkrater von Shackleton bombardierte. Der gezielte Einschlag wirbelte etwa vier bis sechs Tonnen Material aus dem ewig finsteren Cabeus-Krater auf. Darin fanden sich rund 150 Kilogramm Wasser. Die Ergebnisse sind allerdings umstritten.
Verblüfft hat das Team um Zuber bei der Untersuchung von Shackleton die helle Schattierung der Kraterwände. Während Kraterrand und Kraterboden nahezu gleich alt zu sein scheinen, sind die Hänge offensichtlich jünger. Die Wissenschaftler erklären das mit Lawinen: Durch Mondbeben rutsche Gestein ab.
boj/dpa
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