Raketenpläne von Elon Musk In 60 Minuten um die Erde

Wagen, was sich sonst niemand traut - das ist Elon Musk. Jetzt hat der SpaceX-Chef seine Pläne für eine Besiedlung des Mars konkretisiert. Und: Seine neue Rakete soll auch Blitz-Fernreisen auf der Erde ermöglichen.

AFP

Genau vor einem Jahr hat SpaceX-Chef Elon Musk detaillierte Pläne für eine menschliche Kolonie auf dem Mars vorgestellt. Dazu hielt er auf dem Internationalen Astronautenkongress im mexikanischen Guadalajara einen viel beachteten - teils auch viel kritisierten - Vortrag. Nun hat der Unternehmer ein Update seiner Vision präsentiert, auf der diesjährigen Ausgabe des Kongresses im australischen Adelaide.

Musk erklärte unter anderem, dass die geplanten Raumschiffe aus Kostengründen etwas kleiner ausfallen sollen als das ursprünglich geplante "Interplanetary Transport System". So soll unter anderem der Durchmesser für die Nutzlast von zwölf auf neun Meter sinken - die Rakete wird also schlanker.

Weiterhin großspurig ist aber auf jeden Fall der Name: Big Fucking Rocket - abgekürzt mit BFR. Das können Sie jetzt gern selbst übersetzen. (Die "New York Times" löst das Problem übrigens so: "The 'B' stands for 'big'; the 'R' is for 'rocket'.") Praktischerweise nutzt man bei SpaceX auch eher die Abkürzung.

Treibstofftanks im All

Egal wie man ihn nun findet, der Name hätte durchaus seine Berechtigung. Denn einerseits wären die Raketen kleiner als Musks ursprünglich vorgestellten Modelle - andererseits eben doch größer als alles, was Menschen bisher ins All gestartet haben.

Die Arbeiten daran sollten schon in der ersten Hälfte des kommenden Jahres beginnen, so Musk. Erste - unbemannte - Flüge seien für das Jahr 2022 geplant. Diese sollten die Suche nach Wasser und Rohstoffen vorbereiten und potenzielle Gefahren für Menschen kartieren.

Frauen und Männer von der Erde sollen dann zwei Jahre später zum Mars fliegen - das wäre auf jeden Fall deutlich früher als beispielsweise die Nasa dieses Ziel erreichen könnte. Eine mit einem Booster versehene Rakete würde das SpaceX-Raumschiff in den Orbit bringen, dort würde es über bereits vorher platzierte Treibstofftanks versorgt - und dann mit Methan und Sauerstoff Richtung Mars geschickt.

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Elon Musk: Zum Mars mit der BFR

Die ersten Menschen auf dem Roten Planeten sollen sich um die Produktion von Treibstoff für Rückflüge zur Erde aus lokalen Ressourcen kümmern.

Raketen auch für Fernreisen auf der Erde?

Das Geld für das Mars-Projekt will SpaceX mit dem Start von Satelliten und Flügen zur Internationalen Raumstation verdienen. Und auch für diese Transporte will Musk die BFR in Zukunft verwenden.

Musks Mars-Technik soll weitestgehend wiederverwendbar sein, auch um Geld zu sparen. Der Booster würde nach jedem Start zur Erde zurückkehren und landen. Mit jedem Transport sollen bis zu 100 Menschen in 40 Kabinen zum Mars gebracht werden können, so die Vision. Die Reise von der Erde zum Mars dauert, je nach Stellung der Planeten, mindestens sechs Monate.

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Kürzer sind die Reisen, über die Musk in Adelaide ebenfalls sprach. Er brachte am Ende seines Vortrags sein eigentlich für Weltraumreisen gedachtes Transportsystem nämlich auch für Flüge auf der Erde ins Spiel. So sollen Fernreisen in bisher unvorstellbar kurzer Zeit möglich werden.

Für die Verbindung von London nach Dubai oder New York setzte Musk in seiner Präsentation 29 Minuten an, für einen Trip von Los Angeles ins kanadische Toronto nur 24 Minuten. Jeder Punkt der Erde ließe sich so in unter einer Stunde erreichen, so Musk. Starten und landen würden die Raketen auf schwimmenden Plattformen im Ozean, wohin die Passagiere mit Zubringerschiffen gebracht werden müssten.

Man mag von Musks Visionen halten, was man will: Fakt ist, dass dem Unternehmer schon zwei technologische Scoops gelungen sind. Er hat den großen Autoherstellern mit dem Sportwagen Tesla gezeigt, dass Elektromobilität funktioniert. Und es ist seiner Firma SpaceX gelungen, Raketenstufen nach dem Start wieder sicher landen zu lassen, um sie wiederverwenden zu können.

Der dritte Scoop, die Mars-Besiedlung, wäre mit Sicherheit der schwierigste.

chs

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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
paulpanth€r 29.09.2017
1.
Jetzt bin ich mal gespannt, wie er das mit der Radioaktivität (Stichwort van Allen Belt) lösen will...
tomwessel85 29.09.2017
2.
Währenddessen baut man seit 11 Jahren in Berlin an einem Flughafen und Stuttgart hat immer noch wöchentliche Proteste gegen den Umbau des Hauptbahnhofs. Immerhin klappt es in Deutschland mit der Integration... oh Moment.
ulfderzweite 29.09.2017
3. Ein Pionier
Während sich die Potentaten des Augenblicks in Ihrem Klein-Klein verzetteln und für die Geschichte unwirklich werden - dürfte dieser Mann in 100 Jahren bezeichnend für unsere Epoche sein: Hochachtung!
darkmattenergy 29.09.2017
4. Endlich die Perspektive für Eillige, CO2-Abdrücke zu hinterlassen,...
...die selbst mit hunderten den Chef auf seiner Reise begleitenden und oft geschmähten SUVs auf der gleichen Strecken zu emittieren wären. ;-)
lobro 29.09.2017
5. Noch so ein sinnloses Unternehmen
Der Mars ist und bleibt für die Besiedlung für Menschen absolut ungeeignet und jeder Cent für Marsmissionen ist auf der Erde besser angelegt. Jeder noch so unwirtliche Ort auf der Erde (Antarktis, Sahara, Wüste Gobi usw.) ist millionenfach eher für menschliches Leben geeignet als der beste Platz auf dem Mars. Dort gibt es weder ein Magnetfeld, das kosmische Strahlung und Sonnenstürme abhält noch gibt es eine für Menschen atembare Atmosphäre und wird es auch niemals geben. Bemannte Marsmissionen zur Forschung sind bei der heutigen Robotertechnik absolut überflüssig und außerdem viel zu teuer. Das Geld wäre hier auf der Erde besser angelegt. Man hat immer mehr den Eindruck, es geht, wie seinerzeit bei den Mondlandungen nur darum, zu beweisen, dass man es kann bzw. der erste dort ist, egal, ob es Sinn macht oder nicht.
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